Archiv für Sonstiges

Filmtipp: Ein Berliner Straßenmusiker erzählt

Seit kurzem gibt es ein Video, welches meinen Kollegen anderersaits beim Leben als Straßenmusiker zeigt. Es bietet tolle Einblicke. Schaut es euch an.

Rezension: Mehr Bullen, mehr Bomben für ein wirklich gutes Leben!

Es gibt ja immer mehrere Optionen. Wenn ich die Wahl habe, wähle ich option weg. Die Band hat dieses Jahr mit »Mehr Bullen, mehr Bomben für ein wirklich gutes Leben!« eine neue Platte raus gebracht, die es echt in sich hat. Ansprechende, durchweg politische Texte treffen treibende Ska-Beatz. Die Texte berühren durch ein stimmiges Zusammenspiel von Ernsthaftigkeit, die auch mal traurig machen kann, und einer Ironie, die dann doch immer wieder ein Schmunzeln abverlangt. Gerade mit dieser Kombination gelingt es auch, den Zynismus der Organisierung des heutigen gesellschaftlichen Zusammenlebens und deren Rechtfertigungsmodelle, wie beispielsweise die Extremismusdoktrin, zu demaskieren. Hier sind zum Beispiel die ersten zwei Tracks »Statement« und »Boom« zu nennen. Aus dem Zweiten stammt auch die dem Album seinen Titel gebende Zeile. »Historia« handelt in polnischer Sprache von Geschichte und stellt die Frage danach, wer Geschichte schreibt und damit unser Bild von der Vergangenheit prägt. Das Lied geht mir persönlich nahe, weil ich mich immer wieder und viel damit auseinandersetze, welche Bedeutung Geschichte auch heute für fortschrittliche, emanzipatorische und antifaschistische Bewegungen hat. Dabei sehe ich sie sowohl als nötigen Faktor in der Selbstreflexion, als auch im Umgang mit herrschenden, historischen Narrativen, welche es aufzubrechen gilt, um wieder Hoffnung in die Herzen der Menschen zu säen. In diesem Rahmen will ich noch auf das erste Lied der Seite B hinweisen: »Amazonen, Suffragetten und Punketten«. Es bricht mit der patriarchalen Geschichtsschreibung und hebt die Rolle fortschrittlicher, weiblicher Kämpfe gegen die Unterdrückung hervor. Das ist genau so ein Hinterfragen von Geschichte, wie ich es eben benannt habe. Es gibt elf weitere tolle Texte auf der Scheibe, die auf eine Gesamtspielzeit von fast 50 Minuten kommt. Darunter ist mit »Versteckt« übrigens auch ein Text, der als Anspielung auf den gleichnamigen Track der Früchte des Zorns anmutet, und »Nein« ist ein Cover von Tischlerei Lischitzki. Beide Titel haben hier jedoch ihren ganz eigenen Charakter erhalten. Auch zwei weitere der Texte auf dem Album kamen mir von Anfang an bekannt vor; die hat Yok, der Mitglied von option weg ist, aus seinem Soloprogramm beigesteuert. »Moment mal« war auf seinem Soloalbum »Tschüß Gletscher« zu hören und »Statement« kenne ich von der Platte »Stabile Notlage«. Beide Lieder haben mir schon früher gefallen. Sie fügen sich nicht nur in das runde Gesamtbild von »Mehr Bullen, mehr Bomben für ein wirklich gutes Leben!«, sondern leben durch den neuen, breiteren Sound auch noch einmal auf.

Alleine schon für die Texte, lohnt es sich, die Platte mehrfach zu hören. Dazu kommt der Sound, der mit ska-punkiger Power drückt und die Messages unterstreicht. Unbedingt hörenswert…

Reinhören.

Record Release: »Eine Scheinwelt namens Realität«

2019_scheinwelt_-_cd_cover_frontNach über fünf Jahren erscheint am 08.12.2019 mein zweites Album. Es trägt den Namen »Eine Scheinwelt namens Realität« und wird in meine Gedankenwelt zwischen Klassenkampf und fantastischer Träumerei führen. Erneut sind verschiedenste Musiker*innen und Bands beteiligt. So geht die musikalische Reise über Liedermacherei & HipHop hin zu Punk & Metal, wobei u.a. Yok, Patsy Stone, Genez, Zargenbruch, Wayne Lost Soul, Tobias Thiele, Franzi Graube-Kühne, Shei, Klaus der Geiger, Albino & Hisztory mit am Start sind.

Um die Record Release zu feiern, wird es an jenem Abend ab 20:00 Uhr im Supamolly (Jessnerstr. 41, 10247 Berlin) eine kleine Gala mit einigen der beteiligten Künstler*innen geben. Dabei sind dann Tobias Thiele, anderersaits, Harlekin, Wayne Lost Soul, Disaster, Sahara B., Weekend Chicken Supervisor, Max Liebers & Fari. Lasst euch das nicht entgehen und kommt vorbei ;)

Scheinwelt-Fotoshooting am 01.07.2019. Fotos von Ben Kriemann
(http://www.ben-kriemann.com/)

Rezension »Deutscher Wald für deutsche Rehe«

Fast dreieinhalb Jahre ist es nun her, dass Geigerzähler seine letzte Platte »Sollbruchstellen« herausbrachte. Nun legt er mit »Deutscher Wald für deutsche Rehe« nach. Das tut er typisch für ihn mal auf ironische, mal auf psychedelische und mal auf bitter-ernste Weise. Ein zentrales Thema legt schon der Titel der Scheibe offen. Es geht um das Erstarken nationalistischer Kräfte. Aber auch eine Selbstkritik autonomer Szene, die viel zu oft in Identitätsgedünkel versinkt, steht an. Beispielsongs hierfür sind »Grunewald«, »Sein wie sie« & »Ticket to lose«. Besonders gut gefallen mir die zwei sorbischen Lieder »Ach, moja hola« und »Měj ty dobru nóc« sowie der Song »Kopfstand«. Sofort geht in meinem Kopf ein skurriles Kopfkino zur gleichnamigen Veranstaltungsreihe von Geigerzähler, Sahara B. und dem Papst an.

Geigerzähler stellt mal wieder sein ganzes Können mit der Geige unter Beweis und beschert uns einen spannenden Mix, der mich 38 Minuten bzw. 10 Lieder lang in seinen Bann schlägt. Ich freue mich, die Scheibe schon jetzt hören zu dürfen; euch sei empfohlen, sie ab kommendem Samstag, den 28.09.2019 als CD – später hoffentlich auch auf Vinyl – zu erwerben. Dann ist ab 20:00 Uhr nämlich die Record Release Party in der KvU (Storkower Str. 119, 10407 Berlin). Auch ich werde neben anderen Kolleg*innen von AbDafür! Records dabei sein. Schaut vorbei, krallt euch das Album und habt ‘nen guten Abend mit uns. Wir solidarisieren uns mit den Tu mal Wat! Aktionstagen, die vom 26. zum 29.09. in Berlin stattfinden. Vielleicht kommt die Wut ja zu uns zurück und wir tun mal was…

Hände weg von Venezuela – Solidarität mit den progressiven Bewegungen Lateinamerikas

Kommt am 28.05.2019 um 19:00 Uhr in den Humboldt-Saal der Urania (An der Urania 17, 10787 Berlin); Unkostenbeitrag: 5 Euro

Seit vielen Monaten haben sich die Konzern- & Systemmedien auch in Deutschland gegen die Staatssozialistische Regierung Venezuelas um Nicolás Maduro Moros und die chavistische Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas eingeschossen. Gewalttätige Paramilitärs, die von Juan Gerardo Guaidó Márquez und anderen Anführer*innen des Lagers der Kapitalist*innenklasse finanziert werden, werden zu protestierenden Demokrat*innen stilisiert, während eine Blockade durch die USA und Lebensmittelspekulationen durch Guaidó und seine Verbündeten die Bevölkerung aushungern sollen.

Mir ist bewusst, dass auch Progressive hierzulande, davon ausgehen, dass revolutionäre Bewegungen in Lateinamerika – wie z.B. in Kuba oder Venezuela – recht autoritär geführt werden. Bis zu meinem Aufenthalt in Kuba hatte auch ich gewisse Vorbehalte. Vorort konnte ich erfahren, wieviel näher die Partizipative Demokratie – welche in Kuba & Venezuela etabliert ist – an Konzeptionen direkter & basisorientierter Demokratie liegt, als ich es bisher geglaubt hätte. Der kubanische bzw. der venezuelanische Weg muss nicht der meine sein, um doch mit den dortigen progressiven Bewegungen solidarisch zu sein. Dass diese sich staatlich organisieren, halte ich zumindest perspektivisch für überwindungswürdig. Ich glaube aber nicht, dass sie eingekreist von kapitalistischen Staaten mit hochaggressiver Politik überleben würden, wenn sie nicht zumindest derzeit noch staatliche Strukturen aufrecht erhalten würden.1

Immer wieder bedienen sich die USA und andere Verfechter*innen großbourgeoiser Positionen, paramilitärischer Gruppen, wirtschaftlicher Blockaden, terroristischer Gewalt und militärischer Invasionen, um die Interessen des Kapitals zu wahren. Immer wieder begleiten sie dieses Vorgehen mit massiver Propaganda um progressive Kräfte zu deligitimieren. Leider lassen auch wir Linken uns davon viel zu oft spalten. Deshalb würde ich mich freuen, wenn all jene, die sich progressiv verorten, spektrenübergreifend dabei sind, wenn am kommenden Dienstag (dem 28.05.2019) auf einer großen Solidaritätskonferenz im Humboldt-Saal der Urania (An der Urania 17, 10787 Berlin) gezeigt werden soll, dass wir nicht einfach nur zuschauen, wenn ein neoliberaler, bis faschistischer Rollback unsere Geschwister in Lateinamerika niederzuwerfen versucht. Antifaschismus und kommunistische Positionen (egal ob marxistische, trotzkistische oder anarchistische) müssen global erkämpft und verteidigt werden.

Ein Angriff auf eine*n ist ein Angriff auf alle!
Hoch die internationale Solidarität!

1https://tintenwolf.mrkeks.net/kubanische-lehren/

Alles kann anders sein – eine Rezension

Im Dezember steht das erste Event an, welches durch meinen Kubaaufenthalt zu verpassen ein bisschen weh tut. Am 16.12.2018 wird mein Kollege Tobias Thiele im »Musik & Frieden« (Falckensteinstr. 48, 10997 Berlin) seine neue Scheibe »Alles kann anders sein« vorstellen. Mit von der Partie ist als Vorband dann auch »Lari und die Pausenmusik«. Ich wünsche ihnen schon jetzt ein tolles Fest.

Zum Glück habe ich Tobias in den letzten Wochen in Pinar del Rio und in Havanna getroffen, wo er sich für Cuba Sí aufhielt. So habe ich das Album – wenn auch nicht physisch, so doch wenigstens digital – schonmal in der Hand und kann es samt dem liebevoll gestalteten Booklet bestaunen. Mit seinen 12 Songs kommt es auf eine gute Dreiviertelstunde Spieldauer. Im Laufe dieser Zeit entfaltet Tobias Thiele ein Programm, das von kämpferischen Liedern bis zu selbstironischen Stücken reicht und neben deutschsprachigen Texten auch einen auf spanisch umfasst.

Los geht es mit den zwei Liedern, die am stärksten auf den Albentitel referieren. Wo es bei der letzten CD von Tobias um das Unerhöhrte ging, steht diesmal also das Ändern im Vordergrund. Gerade beim zweiten Titel bedeutet dies, die bestehende Ordnung nicht mehr hinnehmen zu wollen. Im darauf folgenden Song »Komm« wird dazu aufgefordert, aktiv zu werden, und ganz nebenbei auf den Zusammenhang von Kapitalismus und Krieg aufmerksam gemacht.

Besonders emotional ist für mich dann das vierte Lied. Dort übersetzt Tobias den Song »Otra Voz Canta« ins Deutsche. Der Text des Originals stammt aus der Feder von Circe Maia, die Melodie von den Saiten der Gitarre des großartigen und leider seit Ende 2017 verstorbenen uruguayanischen Liedermachers Daniel Viglietti. Wie beim Original stellt sich auch bei der Adaption ein Gänsehautgefühl ein. Weiter geht es mit Traum & Utopie, der Lust am Feiern mit Freund*innen und der Freude an der Musik. In »Memorias« werden die Erinnerungen an glückliche wie an schmerzende Erlebnisse besungen. Bei diesem Teil des Albums stehen also generell stärker die poetischen Beschreibungen von Momenten des Lebens im Vordergrund. Dies setzt sich auch während »Spaziergang« und »Horizont« fort. Ein weiterer Höhepunkt ist der Text über den Singer-Songwriter, in dem Tobias mit viel Selbstironie das Dasein eines kunstschaffenden Menschen besingt und auf dessen Bedürfnisse und Macken eingeht.

Am Ende des Albums wird ganz erschrocken nach der verstrichenen Zeit gefragt und wenn ich ehrlich bin, ist diese auch verdammt schnell vergangen, während ich diese großartige Scheibe rauf und runter gehört habe. Von mir also nochmal die Empfehlung, seid beim Record Release Konzert von Tobias Thiele & Band mit dabei und schnappt euch die CD. Genießt den Abend – auch ein bisschen für mich mit. Ich drücke jetzt nochmal auf Play…

El Domino – Werbung für ein komplexes Spiel

Seit vielen Jahren wird in der Baiz – einer Kneipe in Berlin – an jedem Dienstag Domino gespielt. Ab und zu bin ich dabei. Leider ist das Spiel in Deutschland sonst kaum richtig bekannt. Allenfalls kennen die Leute Domino als Kinderspiel. Dabei ziehen zwei Personen Spielsteine mit bunten Motiven und legen diese wild, kreuz und quer an. Weiterlesen

Ich bin dann mal weg…

Langsam wird es wieder Herbst in Kaltland. Ein faschistischer Mob »besorgter Bürger*innen« zieht prügelnd durch die Straßen. Die Debatte darum, ob die AfD durch den Verfassungsschutz überwacht werden sollte, wird nur geführt, damit die überwachten Antifaschist*innen als noch »extremer« erscheinen. Mir ist schleierhaft, warum Pegida und Co. beim ZDF von »Lügenpresse« sprechen, wo ihnen Kleber und Slomka nach dem Maul reden. Gerade habe ich echt keinen Bock mehr auf hier. Ich bin dann mal weg… für knapp sieben Monate geht’s mit dem Proyecto Tamara Bunke nach Kuba. Jepp, das hat etwas von Flucht vor der hiesigen Realität, aber es ist auch nicht für lange; nur mal zum Luft holen, lernen und Kraft auftanken.

Natürlich werde ich die Zeit nicht untätig verbringen. Demnächst wird auf dem Blog des Proyecto unter der URL https://berichteaushavanna.de/category/meas von mir zu lesen sein. Da wird’s dann regelmäßig einen Beitrag von mir geben, der ab und zu auch auf meinem Blog veröffentlicht wird. Daneben will ich ein paar neue Gedichte schreiben, werde an der CUJAE – der Technischen Universität von Havanna – über kubanische Geschichte und marxistische Philosophie lernen und hoffentlich weiter an meiner Analyse der kubanischen Revolution und ihrer Folgen arbeiten – drei Besuche in Kuba gingen dem jetzigen Stand schon voraus –, damit da irgendwann mal was zustande kommt, was ich auch veröffentlichen kann. Ich habe also einiges vor. Am 07.05.2019 wird’s in der Baiz dann ‘ne Infoveranstaltung über das Proyecto und Kuba geben. Dazu ein paar Gedichte. Wer mich schon vorher wiedersehen will, kommt am 25.04.2019 in der Baiz vorbei, wo ich gemeinsam mit Hisztory einen Abend voll Liedern und Gedichten gestalten will, oder organisiert sich ein Ticket nach Kuba, wo der Rum günstig ist, das Wetter den Winter erträglich macht und es mal ‘ne Auszeit von Kaltland gibt.

Lariismus

»In der heutigen Zeit ist es längst so weit, ein Lied auf Papier zu kriegen – gegen Armut, gegen Hass, gegen Krieg und für den Frieden.« (Schildkröte)

Schon vor einiger Zeit habe ich festgestellt, dass ich mich bei den Inhalten, welche Lari und die Pausenmusik (LudP) transportieren, gerne zum Lariismus bekehren lasse. Um so schöner, dass ich die neue Scheibe der Band, welche mit ihrem Titel bereits auf diese Weltsicht verweist und mit 12 entsprechenden Liedern gefüllt ist, nun rezensieren darf. Die Songs sind mit rockigem Sound und gutgelaunten Reggea-Klängen gefüllt und zu einem Großteil sehr politisch. So egal, wie es »Mir doch egal« behauptet, ist es Lari, Teds, Konrad und Judith nämlich gar nicht, was so in der Welt geschieht und außerdem wird das Lied – anders als in diesem behauptet – nun auch released, was den ironischen Charakter unterstreicht. Lieder wie »Schildkröte«, »Nicht so wie du«, »Geld« und »Der Druck steigt« haben klare politische Messages und einer meiner Favoriten ist das Cover vom »Einheitsfrontlied« als Klassiker unter den Arbeiter*innenliedern. Überhaupt sind noch zwei weitere Cover auf der Scheibe zu finden, die aber verwandten Projekten entnommen sind. »Alle Macht dem Web« entstammt noch der Zeit von dasLariFari und »Das Signal« hat es aus dem Repertoire meines Kollegen Teds – er spielt es sonst unter dem Pseudonym anderersaits und interpretiert es auch auf dieser CD – ins Programm geschafft. Das sich LudP als Kollektiv versteht, ist auch dem letzten Werk auf dem Tonträger anzumerken: Von Konrad als bitterböse Satire auf einen selbstverliebten Macker geschrieben, wird »Köter« Strophe für Strophe mal von Judith, mal von Teds und mal von Lari gesungen, womit sich stetig die Atmosphäre anpasst. Es ist zu merken, dass sich LudP nicht nur technisch – Beatz, Arrangements und Melodien – entwickelt haben, sondern dass auch das Zusammenspiel zwischen den vier Musiker*innen noch intensiver geworden ist. Ich freue mich schon jetzt auf die Rekord-Release-Party am 14.04.2018 ab 19:00 Uhr in der KvU (Storkower Straße 119, 10407 Berlin). Support kommt von Ernstgemeint und Zargenbruch. Der Eintritt kostet 5,- Euro. Kommt vorbei, kauft euch die Scheibe. Sie lohnt. Es lebe der Lariismus.

In Zeiten wie diesen… – Zur Neuausrichtung des Tintenwolf-Projekts

Immer wieder rasen die Nachrichten dieser Tage auf mich ein und lassen mich ratlos zurück. Überall in der Welt sind konservative, nationalistische und wirtschaftsliberale Kräfte auf dem Vormarsch, die Klimaerwärmung scheint kaum noch aufzuhalten, die verschiedenen Supermächte leisten sich ein neues nukleares Wettrüsten und die Repressions- und Überwachungsapparate werden immer weiter aufgerüstet und zur Aufstandsbekämpfung scharf gemacht.1 Ob legitimer Protest gegen den G20-Gipfel in Hamburg oder die EZB-Neueröffnung in Frankfurt am Main niedergeschlagen, die freie Medienplattform linksunten.indymedia.de wegzensiert oder alternative Hausprojekte geräumt/bedroht werden,2 die Angriffe des Systems werden immer schärfer, wogegen eine progressive Opposition in weiter ferne scheint. Wo wir agieren müssten, ziehen wir uns viel zu oft in unsere herbeigeträumten Schutzräume zurück und ergeben uns unreflektiert szenigem Gehabe. Ein Zustand, den ich an dieser Stelle nicht zum ersten Mal kritisiere.3 Es kann schon als zynisch-lachhaft gelten, wie sehr CDU/CSU und AfD im Bündnis mit SPD und Grünen ihre völlig haltlose Extremismusdoktrin vorantreiben,4 wenn daneben die Unfähigkeit der progressiven Kräfte zur Organisation betrachtet wird. In Zeiten wie diesen ist mir viel zu selten nach meinem autonomen Hippie-Punk zumute, egal wie sehr mich Revolutions- und Sozialromantik doch zum Träumen anregen. Wenn uns heute in dieser Realität noch etwas gelingen soll, braucht es dringend eine neue übergreifende Form der Organisierung, die internationalistisch und klassenkämpferisch sein muss.5

Als kunst- und kulturschaffende Person tangiert mich diese Problematik natürlich auch in Bezug darauf, dass ich mir die Frage stellen muss, welchen Beitrag meine Gedichte derzeit noch leisten können. Natürlich werden sie nicht gleich alle aufhören, autonome Hippie-Punk-Lyrik zu sein, und wahrscheinlich werde ich auch weiterhin gerne mal in der einen oder anderen Szenelocation auftreten – ist die autonome Szene doch meine langjährige politische Heimat gewesen. Dennoch muss der Schwerpunkt unweigerlich auf einen (internationalistischen) Klassenkampf verschoben werden, wenn die Gedichte diesen Zeiten gerecht werden sollen. Dies wird optimaler Weise nicht nur in den Texten sondern auch in Kooperationspartner*innen und Zielpublikum deutlich. Um dies zu erreichen, plane ich künftig zweigleisig zu fahren. Ich will mich weiterhin bei ab dafür! records engagieren und mich zugleich bei RedHeadMusic einbringen, um auch im Bereich der Kunst als verbindendes Element zwischen verschiedenen progressiven Strömungen zu wirken. Auch hier glaube ich, dass wir nur als Einheitsfront stark sein können; dass wir trennende Narrative zwischen Marxist*innen und Anarchist*innen überwinden müssen;6 dass wir in Zeiten wie diesen nur in (internationaler) Kooperation zu einer progressiven Opposition gegen die herrschenden Umstände werden können.

Alle Macht den Kommunen!
Keine Macht für irgendwen!

Weiterlesen