scheinwelt

es ist eine scheinwelt namens realität,
für jede vernunft scheint's seit äonen zu spät.
stumpfer wahn, der uns treibt in des alltags konsum.
für den krieg macht's uns blind, der dem tod bringt nur ruhm.

doch der trott niemals stoppt, solang wir's belassen,
den kampf zwischen klassen als lüge auffassen.
und wer der hilfe bedarf, blickt einsam sich um.
es gibt keine hilfe, all' die schreie sind stumm.

bis nach finsterstem schweigen der schleier dann fällt,
dass aus uns'rem erwachen erwächst jene welt,
wo keine scheinwelt sie ist, die realität,
weil in unseren träumen voll liebe sie lebt.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 23.09.2017)

ein feld von blumen

ein feld von blumen vor mir liegt,
'nen wilder vogel drüber fliegt,
ins gras sich eine katze schmiegt,
türkis im pelz ihr überwiegt.

der himmel, der ist blau und klar.
nur dies' moment ist grade wahr,
nicht's was noch kommt und nicht's was war.
doch solches glück ist mir nicht rar:

im herzen trag ich immerzu
dies bild von dir, es gibt mir ruh'.
türkise katz', mein herz bist du,
mit dir geh' ich der zukunft zu.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 27.06.2017,
entstand im Rahmen des Satjira-Projects (siehe »Ein Feld von Blumen«))

Der Tod eines Projekts – Ein Mangel an Reflexion

Das Hausprojekt Wilder Vogel, welches ich vor etwas mehr als zwei Jahren mit-initiierte, ist tot – ein Umstand, welcher mich nicht nur sehr traurig stimmt, sondern auch zu Reflexion anregen muss. Was ist geschehen? Im vierten Quartal des Jahres 2015 gründete ich mit einigen Freund*innen eine Hausprojektgruppe.1 Unser erklärtes Ziel war es, »gemeinsam ein Haus mit Leben [zu] füllen«.2 In unserem Selbstverständnis schrieben wir: »Als Gruppe von schrägen Vögeln unterschiedlichen Alters mit verschiedenen politischen Schwerpunkten möchten wir gemeinsam nach innen (in unser Haus hinein) und außen (aus dem Haus heraus; z.B. in den Kiez, in die Stadt, in die Welt) wirken. Wir suchen nach alternativen Formen zusammenzuleben und die Welt ökologisch-nachhaltig und gerecht zu gestalten.«3 Für unser Miteinander proklamierten wir einen respektvollen und offenen Umgang, der von Reflexion geprägt sein sollte.4 Es folgte viel Arbeit, in die sich manche mehr und andere weniger einbrachten, was okay war, da wir ja trotzdem gemeinsam wirkten und Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen auch unterschiedliche Möglichkeiten zur Beteiligung an anfallenden Aufgaben haben. Ich steckte viel Energie in das Projekt, welches mir extrem wichtig war. Kam es zu internen Konflikten, war ich daher immer wieder mit dabei und fand in der Reflexion von Auseinandersetzungen häufig auch eigene Fehler. Da eine ehrliche Selbstreflexion in meinen Augen extrem wichtig ist, um in Konfliktsituationen fair miteinander umzugehen, forderte ich immer wieder dazu auf, Fehler nicht nur bei anderen zu suchen. Weiterlesen

was uns gehört – alles wird zu geld

»Alles wird zu Geld.« So und nicht anders funktioniert das kapitalistische System. Kein Grund, sich nicht auch im Kleinen gegen die Symptome dieses Systems zu stellen. Wenn z.B. der rot-rot-grüne Senat von Berlin (inklusive einer angeblich linken Partei) eine Ausgliederung von berliner Schulgrundstücken an eine GmbH und somit eine Privatisierung eben dieser plant, dann sollte sich dem in den Weg gestellt werden. Dies geschieht z.Zt. im Rahmen einer Volksinitiative von »Gemeingut in BürgerInnenhand«. Von mir gibt's als Support 'nen Gedicht, das sich auch gegen »Schulen mit beschränkter Haftung« stellt:

wem gehören denn die häuser?
sie gehören uns!
sag mir, wem denn die fabriken?
sie gehören uns!
wem gehören all' die schulen?
sie gehören uns!
und wem denn dieses leben?
auch dieses gehört uns!

sie vekaufen uns're häuser;
wohnraum wird zu geld.
wir malochen in fabriken;
arbeit wird zu geld.
schulen mit beschränkter haftung –
bildung wird zu geld.
im leben zählt nur der profit;
auch dieses wird zu geld.

lasst uns nehmen uns're häuser;
sie gehören uns!
und erstreiken die fabriken;
sie gehören uns!
ja, verteidigt auch die schulen;
sie gehören uns!
wir fordern unser leben;
auch dieses gehört uns!

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 13.12.2017)

Repression hat Tradition. Widerstand auch!

Repression hat Tradition. Widerstand auch!
Mourn for the dead, fight like hell for the living.

Aufruf zum antifaschistischen – internationalistischen Block auf der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration 2018 (siehe)

Der Einsatz der Bundeswehr zum Führen und Kontrollieren von Konflikten wird immer öfter als alternativlos propagiert. Angefangen bei Einsätzen im Kosovo und in Afghanistan bis hin zu Litauen schließt sich die Bundeswehr NATO-geführten Kriegseinsätzen an. Diese werden entweder als humanitäre Hilfseinsätze oder ganz offen als Sicherung der »freien« Rohstoff- und Handelsströme normalisiert. Auf der einen Seite werden Einsätze mit dem »Schutz« der Zivilbevölkerung gerechtfertigt, auf der anderen Seite werden durch solche Einsätze Menschen erst zur Flucht gezwungen und sterben durch repressive Abschottungspraxen der EU im Mittelmeer bzw. werden in Lagern gefangen gehalten. Besonders perfide wird dieses Prinzip, wenn mensch sich vor Augen hält, wie stark die internationale Waffenlobby in die Politik eindringt, um so willentlich Krisen auf der ganzen Welt zu verursachen. Die Entwicklung immer neuer Tötungsmaschinen und der Verkauf ihrer Lizenzen bringt den deutschen Waffenproduzent*innen seit jeher saftige Profite. Nicht nur hier wird eine ausgeprägte Verflechtung zwischen Kapitalinteressen und kriegerischen Auseinandersetzungen deutlich. Vor der Küste Somalias haben deutsche Soldaten den Auftrag, Handelswege von sogenannten Piraten, freizuhalten, um die globale Wirtschaft nicht zu gefährden. In Litauen wird seit Januar 2017 unter der Führung der Bundeswehr die »NATO-Battlegroup« aufgebaut, mit dem Ziel eine Abschreckung gegenüber Russland zu initiieren. Weiterlesen

cabo de são vicente

das land endet hier
und der tag nun auch.
das abendrot blüht,
gewissheit weicht rauch,

der ins sein hinein
in strömen nun dringt,
und die brandung rauscht,
mit dem winde sie singt.

stahlgrau wird das meer,
azurblau zu schwarz,
die zeit langsam fließt,
wie klebriges harz.

mit dir blick' ich hier
ins antlitz der nacht.
im zwielicht sie wächst,
im schatten erwacht.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 29.05.2017,
entstand im Rahmen des Satjira-Projects (siehe »Am Kap«))

Solidarität mit den progressiven Bewegungen in Katalonien und dem Baskenland

Als die Diktatur Francisco Francos über Spanien im November 1975 endete, bedeutete dies keinesfalls eine Abkehr von Nationalismus und faschistischen Tendenzen. Die vom Monarchen gesteuerte »Demokratisierung« bedeutete lediglich, dass sich die alten Eliten der faschistischen Falange Española de las JONS mit der christ-konservativen Partido Popular ein neues Gesicht gaben. Die Repression gegen kommunistische und anarchistische Gruppierungen hielt genauso an, wie die Unterdrückung des Baskenlands und Kataloniens, die nur teilweise gelockert wurde um einen demokratischen Anschein zu wahren. Folgerichtig war die Unabhängigkeitsbewegung, die zuvor auch im Stil der Résistance gegen die Schergen der Diktatur gekämpft hatte, weiter aktiv. Gerade im Baskenland nimmt sie bis heute marxistische Positionen ein und auch in Katalonien ist sie zumindest in großen Teilen sozialistisch geprägt. Dass ein Mariano Rajoy, dessen politischer Ziehvater der Altfaschist José María Aznar war, heutzutage mit Polizeigewalt gegen ein Referendum in Katalonien vorgeht, die gewählten Vertreter*innen der katalanischen Bevölkerung durch seinen Unterdrückungsapparat verfolgen lässt und Neuwahlen erzwingt, wo ihm Regionalregierungen nicht in sein rechtskonservatives Weltbild passen, stellt im post-franquistischen Spanien genauso eine Kontinuität dar, wie die Folter an baskischen Aktivist*innen.

Am letzten Wochenende vertonte ich zusammen mit Tobias Thiele ein Gedicht, welches ich für die progressive Bewegung des Baskenlands schrieb und das hiermit auch dem Widerstand in Katalonien gewidmet sei. Es heißt Euskadi.

Hoch die internationale Solidarität!

die schwarz-rote demotüte

rot und schwarz, an meiner seit'
stelltest du alles bereit:
pflasterspray, wärmekissen,
schlauch'ger schal, reader voll wissen

über polizeiwillkür,
voller argumente für
widerstand gegen den staat.
sehnsucht nährt in uns die tat.

deine zeit ist jetzt vorbei,
demotüte, bist nun frei.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 20.05.2017)

kirschblüten-haiku

kirschblüten wehen,
tragen der menschen geister
durch den raum der zeit.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 10.04.2017)

morgendliche dämmerung am malecón

das meer liegt still und schwarz.
nur hier und dort ein stern
am himmel über mir
leuchtet aus weiter fern.

es dreht im kreise sich
auf dem turm das feuer,
weist durch die nacht den weg
für der schiffe steuer.

im schlaf noch liegt die stadt;
wird alsbald schon munter.
das zwielicht weicht dem licht;
leben färbt sich bunter.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 31.03.2017,
entstand im Rahmen des Satjira-Projects (siehe »Morgendliche Dämmerung«))