Wir sind alle Antifa!

Antifaschismus lässt sich nicht verbieten

Erklärung gegen das geplante Verbot antifaschistischer Gruppen in Niedersachsen

Am Freitag, den 15. Januar 2021 haben wir erfahren, dass Boris Pistorius als niedersächsischer Innenminister ein Verbot antifaschistischer Gruppen prüfen will. Boris Pistorius reagiert damit auf den “Bund deutscher Kriminalbeamter”, welcher in Trumpscher Manier ein Verbot der “ANTIFA” fordert.

Unbewiesene Behauptungen und falsche Vorstellungen angeblicher Organisationsstrukturen stellen wieder einmal die Realität auf den Kopf:
In den letzten Jahren sind erschreckende Beispiele rassistischer und antisemitischer Attentate und Morde bekannt geworden. Die Mordserie des NSU endete im November 2011 erst mit der Selbstenttarnung des Kerntrios. Am 9. Oktober 2019 verübte ein Rassist Attentate auf eine Synagoge und einen Döner-Imbiss in Halle. Und am 19. Februar 2020 ermordete ein Mann zehn Menschen in Hanau, ebenfalls aus rassistischen und faschistischen Motiven. Auch die Attentate auf Henriette Reker in Köln und Walter Lübcke in Kassel hatten rassistische Hintergründe. Beide hatten sich für die Unterbringung von Geflüchteten eingesetzt. In den Schlagzeilen wird oft das Bild einzelner Täterinnen und Täter bedient. Über Unterstützungsnetzwerke wird wenig, über gesellschaftliche Gründe von Rassismus und Ungleichwertigkeitsideologie kaum berichtet.
Auch immer neue Schlagzeilen über rechte und faschistische Netzwerke in deutschen Sicherheitsbehörden werden als Einzelfälle verharmlost.
Abseits dieser rassistischen Eisbergspitzen wurde der AfD nichts entgegengesetzt, als diese die Grenzen des Sagbaren über die Grenzen der Humanität hinweg verschob.

Die Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald schworen bei der Befreiung des Lagers am 19. April 1945:

»Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.«

Schon sie wussten, dass nicht nur der deutsche Faschismus besiegt, sondern auch eine andere Welt erkämpft werden muss. Wären die Überlebenden des KZ Buchenwald heute auch “linksextrem”?
Wer links und rechts, wie beim Hufeisenmodell, gleichsetzt, verteidigt nicht die Demokratie, sondern diffamiert und bekämpft die, die für eine solidarische Gesellschaft kämpfen, in der alle Menschen ohne Angst gemeinsam unterschiedlich sein können.Insbesondere in diesen Zeiten braucht es keine Verbote, sondern vielmehr Förderung und Teilnahme an Antifa. Es braucht eine starke Zivilgesellschaft, die sich antifaschistisch engagiert und sich rechten Ideologien entschlossen entgegen stellt. Es braucht weiterhin die Arbeit antifaschistischer Aktivist*innen, die mit ihren Recherchen maßgeblich zur Aufklärung rechter Anschläge und Aufdeckung rechter Netzwerke beitragen. Und es braucht lauten Protest, wenn versucht wird, Antifaschismus zu deligitimieren und zu kriminalisieren.

Wir stehen solidarisch zusammen und fordern: Kein Verbot antifaschistischer Gruppen in Niedersachsen!
#WirsindalleAntifa
https://wirsindalleantifa.wordpress.com/

Der Querulant

Krieg herrscht hier und Krieg herrscht dort.
Ein Schlachten ist es immerfort.
Kleine Herrscher, große Herrscher wollen ihr Besitztum halten,
ein jeder nur von kleinem Geiste walten.

Sie rufen nach der Freiheit gern’,
meinen nicht den Freiheitsstern,
meinen nur die eig’ne Macht.
Der finst’re Tod – er lacht.

Jedes Übel treibt ein and’res vor sich her.
Die Menschen wollen immer mehr
und wer fremd wirkt, wird gejagt als Tier,
sollt’ stets sich hüten vor der Gier.

Doch wo sie glauben alten Mären,
woll’n sie sich gegen Zweifel wehren.
So ziehe ich von Land zu Land.
Als Querulant bin ich bekannt.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 27.01.2020,
entstand im Rahmen des Satjira-Projects (siehe »Der Querulant«))

Mal wieder zur Extremismus-Doktrin

Die Extremismus-Doktrin war schon immer krude und ließ sich wissenschaftlich noch nie belegen. Der Versuch, antikapitalistischen Protest mit mordenden Neonazis gleichzusetzen, ist ebenso pervers, wie das Gerede von den »zwei totalitären, deutschen Diktaturen«, bei dem die friedliebende, fehlerbehaftete, sozialistische DDR mit dem kriegsführenden, völkermörderischen, kapitalistischen Deutschen Faschismus auf eine Stufe gestellt wird. Dass es sich hierbei um nichts als die Propaganda der Herrschenden handelt, war heute erneut klar zu sehen. Die deutsche Polizei hat gleich zum Jahresauftakt einmal mehr bewiesen, dass sie bevorzugt auf progressive Kräfte drauf schlägt, während sie, wie im letzten Jahr zur Genüge gezeigt, mit Querdenknazis kuschelt und für einen Hitlergruß auch mal einen nach oben gereckten Daumen übrig hat. Wie so oft, werden die eigenen Gesetze ignoriert, wenn cop dafür nur gegen Linke prügeln kann. Schnell wird dann vergessen, dass die FDJ mit der Einverleibung der DDR relegalisierten wurde. Ich muss deren Kurs heutzutage nicht für richtig oder sonderlich reflektiert halten, um doch festhalten zu müssen, dass es illegal, illegitim und verwerflich ist, zu behaupten, sie sei verboten, nur um auf eine friedliche Demonstration loszugehen. Dennoch wurde im Rahmen der heutigen LL-Demo genau so gehandelt und somit wiederholt bewiesen, dass die Extremismus-Doktrin zu nichts anderem dient, als Linke zu kriminalisieren und gleichzeitig Geschichtsklitterei nach rechts zu begehen. Dass das Kapitol in Washington DC und die Freitreppe des Reichstagsgebäudes in Berlin durch neonazistische Verschwörungstheoretiker*innen bei minimalem Polizeiaufgebot gestürmt werden können, während Antifaschist*innen ganzen Armeen mit Wasserwerfern, Gummigeschossen, Schlagstöcken, Pfefferspray und Tränengas gegenüberstehen, ist insofern nur symptomatisch. Natürlich ist es kein Wunder oder gar sonderlich skandalös, dass die Polizei entsprechend handelt. So war der Deutsche Faschismus – und ist der Faschismus im Allgemeinen – nichts anderes als ein anderer gesellschaftlicher Überbau der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und natürlich liebäugeln die heutigen Eliten und ihre Kettenhunde in Justiz- und Polizeiapparat genauso nach diktatorischer Macht, wie ihre querdenkenden Gesinnungskamerad*innen. Aber gerade deswegen ist es notwendig, solche Umstände immer wieder aufzuzeigen. Für freiheitlich-demokratische, progressive Menschen, die eine Welt ohne Faschismus, Ausbeutung und Krieg anstreben, hätte das Jahr 2021 besser beginnen können.

Kurzbiografie: Erich Mühsam

Folgenden Text schrieb ich für das internationalistische Gedenkprojekt »Kämpfen & Gedenken« rund um mein gleichnamiges Musikvideo:

Erich Kurt Mühsam (06.04.1878-10.07.1934) wurde als Kind eines Apotheker*innen-Paars in Berlin geboren. Sein Vater war ein Vertreter jener Art, die ihren Kindern Manieren mit dem Rohrstock beizubringen versuchten – militaristisch, national-liberal und sehr autoritär. Schon früh stand für Erich fest, dass er nicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten wollte. Er wandte sich der Literatur und der Lyrik zu, wobei er vielfach in Berührung mit anarchistischen Ideen kam. Zu seinen neuen Bekannten zählte unter anderem der Schriftsteller Gustav Landauer.

Dem Ersten Weltkrieg und der Kriegsbegeisterung – auch unter befreundeten Schriftsteller*innen wie Thomas Mann – begegnete er schnell mit Kritik und brachte sich auch aktiv in Proteste gegen den Militarismus ein, was ihm zu Kriegsende – ab November 1918 – sechs Monate Arrest in Traunstein einbrachte. Als der Versuch von Arbeiter*innen und Soldat*innen, die Macht von Militärs und Kapital mithilfe einer Revolution zu beseitigen, durch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (kurz: SPD) und ihre verbündeten Freikorps in großen Teilen Deutschlands niedergeschossen wurde, schlossen sich Erich Mühsam und Gustav Landauer dem von Kurt Eisner ausgerufenen Freistaat Bayern an. Strömungsübergreifend engagierten sich dort Marxist*innen, Anarchist*innen und einige unabhängige Sozialdemokrat*innen für eine direkte Rätedemokratie, wie sie von den autoritären Vertreter*innen des Parlamentarismus strikt abgelehnt wurde. Kurt Eisner wurde am 21. Februar 1919 von einem Mitglied der faschistischen Thule-Gesellschaft ermordet und am 7. April wurde der Versuch unternommen, die Errungenschaften des Freistaates Bayern in der Münchner Räterepublik zu retten, die vier Wochen später durch Freikorps zerschlagen wurde. Ca. 2.000 Menschen wurden unter Schirmherrschaft der SPD ermordet und den Freikorps, aus denen sich später die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (kurz: NSDAP) und vor allem deren paramilitärische Verbände »Schutzstaffel« (kurz: SS) und »Sturmabteilung« (kurz: SA) rekrutieren sollten, der weitere Weg bereitet.

Mühsam wurde für seine demokratischen Tätigkeiten inhaftiert. In Folge seiner neuerlichen Hafterfahrung setzte er sich vehement für eine Gefangenensolidarität von der Kommunistischen Partei Deutschlands (kurz: KPD), der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands (kurz: KAPD) und der Allgemeinen Arbeiter-Union – Einheitsorganisation (kurz: AAU-E) über kommunistische Anarchist*innen bis hin zur anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter-Union Deutschlands (kurz: FAUD) in der Roten Hilfe ein. Seine bis heute wohl bekannteste Veröffentlichung aus dem Bereich der Gefangenensolidarität ist das Stück »Staatsräson« – ein Plädoyer für die Freilassung der US-amerikanischen Anarchisten Ferdinando Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die die US-Justiz mittels fingierter Beweise verhaften und 1928 hinrichten ließ.

Mit der Machtübergabe an die NSDAP durch die kapitalistischen Eliten der Weimarer Republik wurde Erich Mühsam wie viele andere Antifaschist*innen verfolgt, verschleppt und ermordet. Im KZ Oranienburg folterten und erhängten ihn die Schergen der SS. Er hinterließ uns ein reiches Erbe an Gedichten, Bühnendramen und politischen Sachtexten. Sein Vermächtnis ist außerdem ein Appell für die Einheit der verschiedenen linken Strömungen im Kampf gegen Faschismus, Ausbeutung und Krieg.

Vgl. den Reader »Erich Mühsam. Anarchist, Antifaschist, Freigeist« der North-East Antifascists [NEA].


Jeden Abend werfe ich
(von Erich Mühsam; 1909)

Jeden Abend werfe ich
eine Zukunft hinter mich,
die sich niemals mehr erhebt –
denn sie hat im Geist gelebt.
Neue Bilder werden, wachsen;
Welten dreh’n um neue Achsen,
werden, sterben, lieben, schaffen.
Die Vergangenheiten klaffen. –
Tobend, wirbelnd stürzt die Zeit
in die Gruft. — Das Leben schreit!

Kurzbiografie: Cheng Black

Folgenden Text schrieb ich für das internationalistische Gedenkprojekt »Kämpfen & Gedenken« rund um mein gleichnamiges Musikvideo:

Cheng Black (23.02.1984-20.04.2003) war eines von bis zu 600.000 zivilen Opfern des dritten Golfkriegs. Als Helferin beim Roten Kreuz, die sich vor allem der Hilfe für Kinder und Jugendliche verschrieben hatte, wurde sie schon in den ersten Wochen des Krieges von Angehörigen der Söldner*innenfirma Blackwater USA ermordet. Schon ab den ersten Kriegstagen wurden immer wieder Mitarbeiter*innen vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) zum Ziel von Beschuss durch die westliche Kriegsallianz, die unter US-amerikanischem Oberbefehl den mörderischen Angriffskrieg gegen den Irak führte. Auch Selbstmordanschläge kosteten immer wieder Helfer*innen das Leben.

Um die eigenen Statistiken an gefallenen Soldat*innen zu beschönigen, setzten die USA während des gesamten Krieges, aber vor allem in den späteren Kriegsjahren massiv auf den Einsatz von Söldner*innen. Vor allem die Mitarbeiter*innen von Blackwater USA (ab 2007 Blackwater Worldwide; heute Academi) fielen immer wieder durch Drive-by-Shootings aus Autos oder Hubschraubern, Menschenrechtsverletzungen in den US-geführten Folterknästen, Entführungen und brutales Vorgehen gegen Proteste gegen die Besatzung auf. Viele der Verbrechen konnten durch die Arbeit der Enthüllungsplattform WikiLeaks aufgedeckt werden. Dokumentiert sind so zum Beispiel die Erschießung eines Leibwächters des irakischen Vizepräsidenten durch einen betrunkenen Söldner der Firma, der tödliche Überfall auf eine Hochzeitsgemeinschaft im September 2007, dem 17 Menschen (darunter mehrere Kinder) zum Opfer fielen, und der Beschuss einer Menschenmenge am 16. September 2007 auf dem belebten Nissur-Platz in Bagdad mit Sturmgewehren, Maschinengewehren und Granatwerfern. Söldner*innen von Blackwater USA wurden in den USA dennoch nur selten angeklagt, noch seltener verurteilt und alle ergangenen Urteile in höheren Instanzen wieder aufgehoben. Ebenso sind zahlreiche Kriegsverbrechen durch Soldat*innen der US Army bekannt. Auch dort sind nur wenige zur Rechenschaft gezogen worden. Kaum etwas zeigt besser, dass der »Krieg für die Menschenrechte« die zweite große Lüge war, nachdem schon die Behauptung, Saddam Hussein hätte Massenvernichtungswaffen, als solche enttarnt worden war. All die Ermordeten des Irakkrieges – unter ihnen Cheng – sind Ermordete eines perfiden Spiels um Kapitalinteressen und Geostrategie.

Kurzbiografie: Buenaventura Durruti

Folgenden Text schrieb ich für das internationalistische Gedenkprojekt »Kämpfen & Gedenken« rund um mein gleichnamiges Musikvideo:

Buenaventura Durruti Dumange (14.07.1896-20.11.1936) wurde als Sohn einfacher Arbeiter*innen in León in Kastilien im Nordwesten Spaniens geboren und trat ebenso wie sein Vater und seine sieben Brüder einen Job bei der Eisenbahn an. Mit 14 Jahren arbeitete er unter schlechten Bedingungen als Gießer und Schlosser. Von der Gewerkschaft Unión General de Trabajadores (deutsch: Generalunion der Arbeiter*innen; kurz: UGT) wechselte er, nachdem ein Generalstreik 1917 von der Armee blutig niedergeschlagen worden war, in die radikalere Confederación Nacional del Trabajo (deutsch: Nationale Konföderation der Arbeit; kurz: CNT). In den folgenden Jahren ging er mehrfach ins Exil, um dem Militärdienst sowie der Repression durch den Polizeiapparat zu entgehen. Seine Reisen führten ihn unter anderem quer durch Lateinamerika.

Anfang der 1930er-Jahre begann die Zusammenarbeit der CNT mit der Federación Anarquista Ibérica (deutsch: Iberische Anarchistische Föderation; kurz: FAI), die rund um Durruti als militanter Arm Sabotageaktionen ausführte. 1936 unterstützte die CNT/FAI, welche zuvor immer zum Boykott der Wahlen aufgerufen hatte, ein Volksfrontbündnis aus sozialdemokratischen, kommunistischen und bürgerlichen Parteien – die Frente Popular. Die CNT/FAI hatte unter dem Eindruck des Wahlsiegs eines rechten Bündnisses 1933 – der Frente Nacional (deutsch: Nationale Front; kurz: FN) und des aufziehenden Faschismus in Spanien von einem allgemeinen Wahlboykott abgesehen. Am 16.02.1936 gewann diese die Wahlen und Juan Negrín Lopez wurde neuer Regierungschef der seit 1931 existierenden Zweiten Spanischen Republik. Im Juli versuchten faschistische Militärs um den General Francisco Franco einen Militärputsch, dem sich jedoch die Bevölkerung, welche sich z.B. um die CNT/FAI selbst bewaffnet hatte, entgegenstellte. Unterstützt durch Truppen und Militärgeräte aus Italien und Deutschland sowie ermutigt durch die Appeasement-Politik von Frankreich und England, die Mussolini und Hitler auf der Seite von Franco zwar gewähren ließen, eine Militärhilfe der Sowjetunion für die Zweite Republik jedoch zu verhindern suchten, begannen die Putschisten einen mörderischen Bürgerkrieg, bei dem sie fest auf das internationale Kapital und die katholische Kirche setzen konnten, die alles dafür taten, die demokratisch gewählte Linksregierung zu beseitigen.

Von Seiten der CNT/FAI aus setzte sich Durruti sehr für einen gemeinschaftlichen, antifaschistischen Kampf der Anarchist*innen in Katalonien und der Sozialdemokrat*innen und Kommunist*innen in der spanischen Zentralregierung ein. So kam er der belagerten Hauptstadt Madrid im November 1936 zusammen mit einer Kolonne aus Barcelona zur Hilfe. Während der Schlacht wurden ca. 5000 Menschen von den Faschisten ermordet. Ob Durruti durch eine Kugel der Faschisten starb oder ob ihn der stalinistische Geheimdienst der Sowjetunion getötet hat, ist bis heute umstritten. Der Verlust von Durruti mit seinem Bestreben um einen gemeinsamen Kampf fortschrittlicher Kräfte hat ebendiese im weiteren Verlauf des Spanischen Bürgerkrieges geschwächt.

Siehe auch »Die Aufstände von Kronstadt (1921) und Barcelona (1937) in der Rezeption von Marxist*innen und Anarchist*innen«.

Kurzbiografie: Víctor Jara

Folgenden Text schrieb ich für das internationalistische Gedenkprojekt »Kämpfen & Gedenken« rund um mein gleichnamiges Musikvideo:

Víctor Jara (28.09.1932-16.09.1973) war ein chilenischer Liedermacher. Geboren wurde er in der Ortschaft Lonquén in der Nähe von Santiago de Chile in bäuerlichen Verhältnissen. Von seiner Mutter bekam er die Liebe zur Musik vermittelt und er gilt als einer der wichtigsten Vertreter des »Nueva Canción«, was übersetzt »Neues Lied« bedeutet und eine bedeutende Stilrichtung in Lateinamerika ist. Als aktives Mitglied der Partido Comunista de Chile (deutsch: Kommunistische Partei Chiles; kurz: PCCh) setzte er sich für die Rechte der Land- und Industriearbeiter*innen ein, deren Situation unter der Führung des Landes durch verschiedene christlich-konservative Parteien sehr schlecht war. Ab 1969 unterstütze Víctor Jara deshalb das neu gegründete Wahlbündnis Unidad Popular (deutsch: Vereinte Bevölkerung; kurz: UP) um den sozialdemokratischen Politiker Salvador Allende. 1970 gewann die UP die Wahlen und Allende wurde Präsident von Chile. Unter ihm wurden die Möglichkeiten zur Ausbeutung des Landes durch internationale Konzerne beschnitten und viele soziale Maßnahmen durchgeführt. Der bisherigen Unterernährung von Kindern wurden z.B. Programme entgegengesetzt, die unter anderem die Versorgung jedes Kindes mit einem halben Liter Milch pro Tag vorsahen. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen, welche zuvor nur wenigen Großgrundbesitzer*innen gehört hatten, welche die Großzahl der Landarbeiter*innen unter ärmlichsten Bedingungen für sich arbeiten ließen, wurden gerecht unter allen Landarbeiter*innen von Chile verteilt.

Die Verwendung der Reichtümer Chiles für soziale Zwecke und zur Deckung der Bedürfnisse der Bevölkerung statt zur Maximierung des Kapitals großer Unternehmen führte dazu, dass Unternehmen und christlich-konservative Politiker*innen gemeinsam mit den USA und vor allem deren Geheimdienst CIA und der US Army auf einen Umsturz der gewählten Regierung hinarbeiteten. Als Handlanger für diese Umsetzung der Regime-Change-Doktrin wurden Faschisten im chilenischen Militär rund um den General Augusto Pinochet unterstützt. Am 11. September 1973 putschten sich die faschistischen Militärs an die Macht, ermordeten Allende und machten Pinochet zu ihrem neuen Präsidenten. Als Diktator ließ dieser tausende Anhänger*innen der Allende-Regierung verfolgen. Überall im Land wurden Konzentrationslager eingerichtet, um Menschen einzusperren, auf unmenschlichste Weise zu foltern und zu ermorden. Eines davon war das umfunktionierte Estadio Chile. In diesem wurde auch Víctor Jara inhaftiert. Um seinen Mitgefangenen Mut zu machen, sang er für sie und musizierte dazu mit den Händen, woraufhin ihm die Soldaten die Hände brachen und die Zähne ausschlugen. Als sie ihn auch damit nicht stumm machen konnten, wurde er erschossen. Víctor Jara, Salvador Allende und all die anderen Ermordeten von Chile sind der Beweis, dass eine friedliche Abkehr vom kapitalistischen System von dessen Eliten niemals zugelassen und stattdessen blutig bestraft werden wird. Unter der Pinochet-Diktatur wurde Chile zum neoliberalen Musterland ausgebaut und somit aufgezeigt, dass Faschismus und bürgerlicher Kapitalismus mitnichten zwei verschiedene Systeme sind, sondern sich eine faschistische Regierungsform wunderbar als Überbau für ein kapitalistisches Wirtschaften eignet.

Musikvideo »Kämpfen & Gedenken«

Genau ein Jahr nach der Veröffentlichung meines Gedichtes »Kämpfen & Gedenken« samt Vertonung, gibt es heute erneut am 13.12. – dem Internationalen Tag gegen Polizei, Staatsgewalt & Herrschaft – mein erstes Musikvideo, das ebenfalls zu diesem Gedicht entstand.

Rund um das Musikvideo findet sich unter https://fightandremember.org/ ein internationalistisches Gedenkprojekt, wo zunächst bis zur Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 10.01.2021 Kurzbiografien zu den im Track genannten Personen erscheinen werden. Doch auch die Biografien von weiteren Kämpfer*innen für Freiheit & Gerechtigkeit und von der Reaktion ermordeten werden dort mit der Zeit Platz haben. Ich widme Gedicht, Track & Musikvideo all jenen, die ihr Leben für den Kampf gegen das unmenschliche System des Kapitalismus gegeben haben, und auch denen, die es in Zukunft noch geben müssen.

Aufruf 2021: Fight and Remember – Krisen und Unterdrückung – Die Antwort heißt Revolution

Aufruf zum Antifaschistisch-Internationalistischen Block auf der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration 2021

Vor etwas mehr als 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. In etwa zur selben Zeit wütete mit der sogenannten Spanischen Grippe eine weltweite Pandemie, die bis zu 50 Millionen Todesopfer forderte. Neben dem unmenschlichen Elend des imperialistischen Krieges und der Pandemie, welches vor allem die proletarischen Klassen zu spüren bekamen, stürzten auch einige der bis dahin führenden imperialistischen Großmächte in eine tiefe Krise: Das russische Zarenreich zerfiel bereits im Jahr 1917 in Folge der Februarrevolution, das deutsche Kaiserreich ging im Feuer der Novemberrevolution 1918 unter, wie auch im selben Jahr das Habsburgerreich. Auch eine Siegermacht wie Italien stürzte in eine tiefe politische und wirtschaftliche Krise. Die Antwort der Bewegungen der proletarischen Klassen auf die Krise der Herrschenden hieß Revolution! Weiterlesen

Rezension: Mehr Bullen, mehr Bomben für ein wirklich gutes Leben!

Es gibt ja immer mehrere Optionen. Wenn ich die Wahl habe, wähle ich option weg. Die Band hat dieses Jahr mit »Mehr Bullen, mehr Bomben für ein wirklich gutes Leben!« eine neue Platte raus gebracht, die es echt in sich hat. Ansprechende, durchweg politische Texte treffen treibende Ska-Beatz. Die Texte berühren durch ein stimmiges Zusammenspiel von Ernsthaftigkeit, die auch mal traurig machen kann, und einer Ironie, die dann doch immer wieder ein Schmunzeln abverlangt. Gerade mit dieser Kombination gelingt es auch, den Zynismus der Organisierung des heutigen gesellschaftlichen Zusammenlebens und deren Rechtfertigungsmodelle, wie beispielsweise die Extremismusdoktrin, zu demaskieren. Hier sind zum Beispiel die ersten zwei Tracks »Statement« und »Boom« zu nennen. Aus dem Zweiten stammt auch die dem Album seinen Titel gebende Zeile. »Historia« handelt in polnischer Sprache von Geschichte und stellt die Frage danach, wer Geschichte schreibt und damit unser Bild von der Vergangenheit prägt. Das Lied geht mir persönlich nahe, weil ich mich immer wieder und viel damit auseinandersetze, welche Bedeutung Geschichte auch heute für fortschrittliche, emanzipatorische und antifaschistische Bewegungen hat. Dabei sehe ich sie sowohl als nötigen Faktor in der Selbstreflexion, als auch im Umgang mit herrschenden, historischen Narrativen, welche es aufzubrechen gilt, um wieder Hoffnung in die Herzen der Menschen zu säen. In diesem Rahmen will ich noch auf das erste Lied der Seite B hinweisen: »Amazonen, Suffragetten und Punketten«. Es bricht mit der patriarchalen Geschichtsschreibung und hebt die Rolle fortschrittlicher, weiblicher Kämpfe gegen die Unterdrückung hervor. Das ist genau so ein Hinterfragen von Geschichte, wie ich es eben benannt habe. Es gibt elf weitere tolle Texte auf der Scheibe, die auf eine Gesamtspielzeit von fast 50 Minuten kommt. Darunter ist mit »Versteckt« übrigens auch ein Text, der als Anspielung auf den gleichnamigen Track der Früchte des Zorns anmutet, und »Nein« ist ein Cover von Tischlerei Lischitzki. Beide Titel haben hier jedoch ihren ganz eigenen Charakter erhalten. Auch zwei weitere der Texte auf dem Album kamen mir von Anfang an bekannt vor; die hat Yok, der Mitglied von option weg ist, aus seinem Soloprogramm beigesteuert. »Moment mal« war auf seinem Soloalbum »Tschüß Gletscher« zu hören und »Statement« kenne ich von der Platte »Stabile Notlage«. Beide Lieder haben mir schon früher gefallen. Sie fügen sich nicht nur in das runde Gesamtbild von »Mehr Bullen, mehr Bomben für ein wirklich gutes Leben!«, sondern leben durch den neuen, breiteren Sound auch noch einmal auf.

Alleine schon für die Texte, lohnt es sich, die Platte mehrfach zu hören. Dazu kommt der Sound, der mit ska-punkiger Power drückt und die Messages unterstreicht. Unbedingt hörenswert…

Reinhören.