Blauer Samt

Blauer Samt legt sich
wie Schein über die Welt,
eine Welt des Scheins,
die den Freiheitsstern erstrebt,
die mich schreiben läßt,
da sonst nichts mir helfen kann,
in der Nische zwischen Kunst
und wildem Rausch.

So erklingt die Poesie
als Klang der mir gefällt,
als Herzschlag meines Seins,
solang’ die Hoffnung lebt,
während blut’ge Tränen fließen,
auf Revolte irgendwann,
weil ein wilder Vogel fliegt,
dessen Schrei ich süchtig lausch’.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 15.02.2021)

Finst’re Nacht

Erinnerst du dich noch?
Es ist schon viel zu lange her.
Blockierte Nayidemos
gibt es heut’ nicht mehr.

»Querdenken« & AfD
marschier’n geschützt von Polizei,
lamentier’n von »der Verschwörung«.
Nur ihr Wahn ist heut’ noch frei.

Sind der Freiheit Untergang,
waren niemals Widerstand,
mit dem Tiefen Staat vereint.
‘Ne finst’re Nacht bricht über’s Land.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 14.05.2021)

Stellungnahme zu einem in die Querfront abgedrifteten Kollegen

Ein Bekannter von mir – Max Liebers, der unter anderem bei der Vertonung meines Gedichts »Für den Krieg niemals!« mitgewirkt hat – ist in das Lager der »Querdenker« gewechselt. Bei aller persönlicher Sympathie die ich hatte, muss ich zugeben, dass ich ihn nicht gut genug kannte, um vorherzusehen, dass er einer Querfront mit Faschisten verfallen würde. Klar ist, dass ich mich davon distanziere und niemals mit ihm zusammengewirkt hätte, wenn er damals für mich erkennbar solche Positionen vertreten hätte.

Neulich, nach einem Telefonat, in welchem ich Impfungen gegen Corona als sinnvoll verteidigte, begann er mir dann Videos zukommen zu lassen, in welchen die Zigtausend Toten durch das Virus einfach geleugnet wurden und die Sprache vom »entarteten Finanzkapitalismus« war. Ich wies ihn auf den Nazisprech in solchen Begrifflichkeiten – 1.) der biologistische Ansatz der Entartung & 2.) die Fixierung auf das Finanzkapital statt auf den Kapitalismus an sich, was auf die Unterteilung in »jüdisches, raffendes« Finanzkapital und »deutsches, schaffendes« Industriekapital zurückgeht (Vgl. z.B. »Geld und Antisemitismus – Der strukturelle Wahn in der warenproduzierenden Moderne« von Robert Kurz.) – hin und stellte klar, dass ein Verleugnen der Toten nur dazu dient, diese zu verhöhnen. Daraufhin stand für ihn fest, ich hätte »vom Neoliberalismus unterwanderte und vom Deepstate geformte faschistoide Ansichten die [m]ich aktuell den Neofaschismus unterstützen« [!sic] ließen. Natürlich versuchte ich, ihn noch zu überzeugen, dass er auf einen rechten Irrweg geraten ist, auf dem er sicher nicht sein wolle. Doch der wahnwitzigen Behauptung, die Impfungen dienten der Veränderung unserer Gene, kam ich auch mit biochemischen Fakten nicht bei. Und natürlich behauptete er eine Verschwörung, die von Bill Gates ausgehe und einen Deep State bilde, statt mit einem Tiefen Staat die tatsächliche Verschränkung von Polizei und Verfassungsschutz mit AfD und rechten Terrorgruppen sowie deren Think Tanks zu bezeichnen (Vgl. »Der Neue Faschismus (II) – Neofaschisten und der tiefe Staat im Aufbau Braun« in der Broschüre »Deutschland ist Brandstifter. Broschüre gegen den BRD-Imperialismus und den Mythos Friedliche Revolution« der North East Antifascists [NEA] & der Antifa Westberlin [AWB], Seite 86-101). Die junge Welt – die als einzige Zeitung in der BRD wegen ihrer wissenschaftsbasierten, dialektisch-materialistischen Opposition vom Verfassungsschutz terrorisiert wird – war für ihn ein Systemmedium voll staatlicher Propaganda.

Mir bleiben vier Punkte festzustellen:

  1. Es ist wahnsinnig gruselig, zu welch kruden Gedanken Menschen fähig sind und wie schwer bis unmöglich es ist, mit wissenschaftlichen Fakten zu ihnen durchzudringen, wenn sie sich einmal ihre Scheinwelt errichtet haben.
  2. Direkt im Zusammenhang dazu fällt es mir jetzt doch etwas schwerer über Verschwörungsglauben zu lachen. Für mich hat so etwas genauso wie Religion nur in einem guten Fantasybuch etwas zu suchen. Die Hohlwelt Tharun und die von Erzmagus Rakorium Muntagonus vermutete Verschwörung der Echsenmenschen in Das Schwarze Auge (DSA) zum Beispiel. Krass wie sowas den Geist von Personen im realen Leben zerfressen kann.
  3. Klar sehe ich sehr viel Kritikwürdiges an der kapitalistischen Politik generell als auch rund um die Pandemie. Zu nennen wären u.a. die Angriffe auf private Freiheiten, während Unternehmen kaum reglementiert werden. Zunehmende Tendenzen zur Unterdrückung auch wissenschaftsbasierter Opposition gegen die deutsche Corona-Politik werden durch so etwas wie »Querdenken« nur erleichtert, weil sich diese leicht in die selbe Tonne treten lässt. Insofern stellen »Querdenken«, »Widerstand2020«, »Die Basis« und andere rechte Gruppen auch keine Opposition dar, sondern sie sind der Herrschaft nützliche Idioten. Echte Opposition leisten an dieser Stelle Hände weg vom Wedding!, #nichtaufunseremrücken, die DKP und andere linke Gruppierungen, Kampagnen und Parteien.
  4. Lieber gelte ich als Echsenmensch, als jemals zu den Nazis überzulaufen.

Filmtipp: Ein Berliner Straßenmusiker erzählt

Seit kurzem gibt es ein Video, welches meinen Kollegen anderersaits beim Leben als Straßenmusiker zeigt. Es bietet tolle Einblicke. Schaut es euch an.

Rosenhautbild

Es trägt die Rose eure Namen
tief in jedem Blütenblatt,
wie einst sie in den Sinn mir kamen.
Voll Farbe steh’n sie gegen blasses Matt.

Zeichnen in mich eure Schönheit,
schützen mich vor jenem kalten Schmerz,
den die Welt trägt in das Sein weit,
ummanteln freudig mir mein Herz.

Aus Blut und Leidenschaft gewachsen,
geprägt von eurer Liebe wild,
dreht meine Seel’ um eure Achsen.
So strahlt blühend rot auf Haut das Bild.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 29.08.2020,
entstand im Rahmen des Satjira-Projects (siehe »Rosenhautbild«))

Einseitige Mythenbildung – Es gibt auch eine marxistische Mythenbildung zu Kronstadt

Der vorliegende Text entstand als Leser*innenbrief an die junge Welt.

Wie gerade in eurem Aktionsbüro bekannt sein dürfte, bin ich begeisterter Leser der jungen Welt. Was ich an ihr vor allem schätze, ist, dass sie als marxistische Tageszeitung nie aus den Augen verliert, dass es weitere linke Strömungen gibt, und auch diesen gegenüber eine solidarische Haltung einnimmt. Gerade als 2016/17 der 80. Jahrestag des Beginns des Spanischen Bürgerkrieges und der sogenannten Maiereignisse in Barcelona anstand, wurde recht objektiv auf die innerlinken Konflikte damals eingegangen. Erinnert sei hier vor allem an den Artikel »Die tragische Woche« von Werner Abel am 04.05.2017. Damals habt ihr mich dazu bewegt, die Abschlussarbeit meines Geschichtsstudiums dem Thema »Die Aufstände von Kronstadt (1921) und Barcelona (1937) in der Rezeption von Marxist*innen und Anarchist*innen« (dort finden sich auf Seite 16-34 auch weiterführende Ausführungen zur anarchistischen & marxistischen Mythenbildung um Kronstadt sowie genaue Quellenangaben) zu widmen. Ich habe mich in diesem Rahmen mit der Mythenbildung auf beiden Seiten beschäftigt. Das Thema ist spannend und kontrovers. Für die Anregung, die mir damals durch die junge Welt zuteil wurde, bin ich bis heute dankbar, weil sie stumpfe Schwarz-Weiß-Schemata, die ich in meinem Kopf hatte auflöste und mich dazu anregte, mehr die Gemeinsamkeiten denn die Differenzen der verschiedenen progressiven Bewegungen zu betrachten. Damals begann ich ganz im Sinne Fidel Castros die Einheit der Linken in den Fokus zu nehmen. Entsprechend erschrocken war ich, als ich auf den Themenseiten der jungen Welt zum 09.03.2021 den Artikel zum »Mythos Kronstadt« von Elisa Nowak las. Es ist quasi unmöglich, dem Thema gerecht zu werden, wenn derart einseitig Quellen herangezogen werden und Trotzki und Lenin in diesem Konflikt auf solch unhinterfragte Weise wiedergegeben werden. Die Bezugnahme auf eine Mythenbildung auf anarchistischer Seite ohne auch die Mythenbildung auf bolschewistisch-marxistischer Seite zu hinterfragen, muss notgedrungen in einer Rechtfertigungsfarce enden, die es nicht schaffen kann, die Gründe und Abwägungen, die hinter dem Sturm auf Kronstadt und der dem zuvor gehenden Auflösung der Sowjets standen, aufrecht darzulegen. Die Analysen von Lenin sind hierbei durchaus wichtig. Es muss aber in die Betrachtung einbezogen werden, dass er damals auf einer Seite in diesem innerlinken Konflikt stand und somit nicht frei von eigenen Motiven war, die seine Analyse färben. Ähnlich verhält es sich mit Trotzki, auch wenn mich dessen anti-bäuerliche Ressentiments, die bis heute die ablehnende Haltung von Trotzkist*innen gegenüber der ruralen Kubanischen Revolution begründen, soweit abschrecken, dass ich mit ihm nie recht warm wurde. Behauptungen vom weißarmisten Koslowski werden in dem Artikel unhinterfragt hingenommen. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass Koslowski mit der Oktoberrevolution der baltischen Flotte der Roten Armee beitrat und dort für seine Loyalität ausgezeichnet wurde. Auch, dass er keine führende Position beim Kronstädter Aufstand innehatte, wird unterschlagen und einfach gegenteiliges behauptet. Bei einer ehrlichen Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse muss festgehalten werden, dass die marxistische Propaganda gegen ihn ebenso haltlos ist, wie die anarchistische gegen Tuchatschewski. Schreibt Nowak an solchen Stellen wissentlich spalterisch oder fehlt ihr schlicht das historische Wissen? Die Behauptung, dem aufständischen Verhalten der Kronstädter Matrosen lege, nach einem Austausch durch die hohen Verluste im Bürgerkrieg, ein mangelnder Klassencharakter zugrunde, kann historisch wohl zumindest als strittig betrachtet werden. Was der Artikel gut auffasst, ist zumindest die schwierige ökonomische Lage, in der sich die verschiedenen revolutionären Kräfte in Russland damals befanden. Was Nowak jedoch nicht gelingt ist, zu betrachten, dass es u.a. mit den Matrosen und Arbeiter*innen von Kronstadt auch abseits der Bolschewiki proletarisch-revolutionäre Kräfte in Russland gab. Der Artikel liest sich unter diesem Blickpunkt bestenfalls dogmatisch und versucht, eben die Bolschewiki als einzige revolutionäre Kraft darzustellen. Er untersucht nur in einem Mindestmaß die ökonomischen Gründe für das Zerwürfnis zwischen den Arbeiter*innen von Kronstadt und der bolschewistischen Führung und betrachtet nicht die Privilegien, die Mitglieder der Partei in eben der schweren Lage genossen. Stattdessen ergibt er sich in weiten Teilen einer simplen Freund-Feind-Logik. Nur weil kapitalistische Staaten ein Interesse an einem Konflikt zwischen den Revolutionär*innen von Kronstadt und jenen in der KPR(B) hatten, heißt dies noch nicht, dass Erstere deren Einflüsterungen gefolgt wären. Wer dies behauptet, statt die objektiven Bedingungen für deren Aufstand zu untersuchen, fällt auf das alte Teile-und-Herrsche herein, statt Geschichte zu analysieren.

Um Kronstadt als Wunde in der Geschichte zwischen verschiedenen linken Traditionen gerecht zu werden, hätte Nowak der Mythenbildung auf beiden Seiten nachgehen müssen, statt einseitig Partei zu ergreifen. In der gewählten Form stimmt sie lediglich in das Zetergeschrei um Kronstadt ein, auch wenn sie hierbei auf der anderen Seite steht, als jene, die von Trotzki adressiert wurden. Die Gleichsetzung anarchistischer und weißgardistischer Armeen ist ebenso ahistorisch, wie ähnliche Behauptungen von anarchistischer Seite gegen die Bolschewiki.

Ich weiß, ihr könnt das besser und so hoffe ich darauf, dass der Aufstand von Kronstadt 100 Jahre später in der jungen Welt noch etwas objektiver aufgegriffen wird.

Solidarische Grüße,
Meas Tintenwolf

Winde des Winters

Wo des Winters frost’ge Winde uns nahen,
weil der Wahn bricht wieder herein,
was die Weisen, die wussten, einst sahen,
wir müssen weichen und werden schrei’n.

Worte, die wider dem Wissen sind gesagt,
werden so wahr entgegen wirklichem Sein.
Weshalb sie Wunder erwarten, wirst du gefragt,
wenn die Welten vergehen wie Schein.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 19.01.2021,
entstand im Rahmen des Satjira-Projects (siehe »Winde des Winters«))

Rätedemokratie und Sozialismus: Das Beispiel Kuba

© Lorenzo Crespo Silveira

Den folgenden Artikel habe ich zusammen mit Geronimo Marulanda für das re:volt magazine geschrieben.

Vorbemerkung der Redaktion:
Am 23. Januar 2021 verabschiedete der Parteivorstand der Linken einen Beschluss der Parteiströmung »Emanzipatorische Linke
(Ema.Li)«. Unter dem Titel »Solidarität mit Kuba« wird nicht nur gegen die anhaltende und völkerrechtswidrige, jahrzehntelange Blocke Kubas durch den US-Imperialismus protestiert. Zugleich wird auf antikommunistische Kräfte anerkennend Bezug genommen, die die kubanische Gesellschaft von innen heraus »demokratisieren« sollen. Dies stellt in der Geschichte der Linkspartei einen Tabubruch dar.
Angesichts der fortwährenden wirtschaftlichen, sozialen sowie politischen Destabilisierungsversuche Kubas durch US-amerikanische Sanktionen und ihre Förderung rechter Terrornetzwerke in Miami und auf Kuba, sind die Bezugnahmen auf die in der Resolution erwähnten »demokratischen Akteure« gefährlich. Diese bergen die Gefahr, mit und trotz solidarischer Lippenbekenntnisse zu Kuba den US-Kurs der Isolation der sozialistischen Insel sowie den rechten Bemühungen um einen »regime change« das Wort zu reden.
Dagegen regt sich innerhalb der internationalistischen Teile der Linkspartei Widerstand. Im Zuge der Tendenzen der Entsolidarisierung mit dem sozialistischen Kuba ist ein genauerer Blick auf das politische System notwendig, um nicht auf imperialistische und antikommunistische Lügen hereinzufallen. Die nachfolgende Debatte dient der revolutionären Linken auch hierzulande, fortschrittliche Tendenzen für die Suche nach brauchbaren gesellschaftlichen Gegenmodellen zur bürgerlichen Herrschaft diskutieren und finden zu können.

Wir Autoren teilen eine gemeinsame Geschichte in der autonomen Antifa-Bewegung. Lange Jahre definierten wir uns als »Antiautoritäre« und »libertäre Sozialisten«. Wir taten dies in Abgrenzung zum Realsozialismus, und folgten damit dem Mainstream der deutschen Linken. Aber: Wir verhielten uns auch in diesen Jahren unserer politischen Biografie bereits solidarisch gegenüber Bewegungen, Organisationen und Ländern, die wir aus unserem damaligen Standpunkt heraus als »autoritär-sozialistisch« ansahen. So sahen wir in der Revolution Kubas zum Beispiel ein politisch unterstützenswertes Projekt. Für das antiautoritäre Spektrum waren wir damit schon recht aufgeschlossen, wird Kuba in diesem Spektrum doch in eine Reihe mit allen möglichen anderen realsozialistischen Projekten gestellt und für gescheitert erklärt. Dass nicht alles an der antikommunistischen, antikubanischen Propaganda stimmt, konnten wir nicht zuletzt aufgrund mehrfacher Reisen und verbrachter Zeit vor Ort feststellen. Read more

Wir sind alle Antifa!

Antifaschismus lässt sich nicht verbieten

Erklärung gegen das geplante Verbot antifaschistischer Gruppen in Niedersachsen

Am Freitag, den 15. Januar 2021 haben wir erfahren, dass Boris Pistorius als niedersächsischer Innenminister ein Verbot antifaschistischer Gruppen prüfen will. Boris Pistorius reagiert damit auf den “Bund deutscher Kriminalbeamter”, welcher in Trumpscher Manier ein Verbot der “ANTIFA” fordert.

Unbewiesene Behauptungen und falsche Vorstellungen angeblicher Organisationsstrukturen stellen wieder einmal die Realität auf den Kopf:
In den letzten Jahren sind erschreckende Beispiele rassistischer und antisemitischer Attentate und Morde bekannt geworden. Die Mordserie des NSU endete im November 2011 erst mit der Selbstenttarnung des Kerntrios. Am 9. Oktober 2019 verübte ein Rassist Attentate auf eine Synagoge und einen Döner-Imbiss in Halle. Und am 19. Februar 2020 ermordete ein Mann zehn Menschen in Hanau, ebenfalls aus rassistischen und faschistischen Motiven. Auch die Attentate auf Henriette Reker in Köln und Walter Lübcke in Kassel hatten rassistische Hintergründe. Beide hatten sich für die Unterbringung von Geflüchteten eingesetzt. In den Schlagzeilen wird oft das Bild einzelner Täterinnen und Täter bedient. Über Unterstützungsnetzwerke wird wenig, über gesellschaftliche Gründe von Rassismus und Ungleichwertigkeitsideologie kaum berichtet.
Auch immer neue Schlagzeilen über rechte und faschistische Netzwerke in deutschen Sicherheitsbehörden werden als Einzelfälle verharmlost.
Abseits dieser rassistischen Eisbergspitzen wurde der AfD nichts entgegengesetzt, als diese die Grenzen des Sagbaren über die Grenzen der Humanität hinweg verschob.

Die Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald schworen bei der Befreiung des Lagers am 19. April 1945:

»Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.«

Schon sie wussten, dass nicht nur der deutsche Faschismus besiegt, sondern auch eine andere Welt erkämpft werden muss. Wären die Überlebenden des KZ Buchenwald heute auch “linksextrem”?
Wer links und rechts, wie beim Hufeisenmodell, gleichsetzt, verteidigt nicht die Demokratie, sondern diffamiert und bekämpft die, die für eine solidarische Gesellschaft kämpfen, in der alle Menschen ohne Angst gemeinsam unterschiedlich sein können.Insbesondere in diesen Zeiten braucht es keine Verbote, sondern vielmehr Förderung und Teilnahme an Antifa. Es braucht eine starke Zivilgesellschaft, die sich antifaschistisch engagiert und sich rechten Ideologien entschlossen entgegen stellt. Es braucht weiterhin die Arbeit antifaschistischer Aktivist*innen, die mit ihren Recherchen maßgeblich zur Aufklärung rechter Anschläge und Aufdeckung rechter Netzwerke beitragen. Und es braucht lauten Protest, wenn versucht wird, Antifaschismus zu deligitimieren und zu kriminalisieren.

Wir stehen solidarisch zusammen und fordern: Kein Verbot antifaschistischer Gruppen in Niedersachsen!
#WirsindalleAntifa
https://wirsindalleantifa.wordpress.com/

Der Querulant

Krieg herrscht hier und Krieg herrscht dort.
Ein Schlachten ist es immerfort.
Kleine Herrscher, große Herrscher wollen ihr Besitztum halten,
ein jeder nur von kleinem Geiste walten.

Sie rufen nach der Freiheit gern’,
meinen nicht den Freiheitsstern,
meinen nur die eig’ne Macht.
Der finst’re Tod – er lacht.

Jedes Übel treibt ein and’res vor sich her.
Die Menschen wollen immer mehr
und wer fremd wirkt, wird gejagt als Tier,
sollt’ stets sich hüten vor der Gier.

Doch wo sie glauben alten Mären,
woll’n sie sich gegen Zweifel wehren.
So ziehe ich von Land zu Land.
Als Querulant bin ich bekannt.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 27.01.2020,
entstand im Rahmen des Satjira-Projects (siehe »Der Querulant«))