Tag Archiv für kapitalismus

Es fehlen mir die Worte

Ich habe keine Hoffnung
und ich habe keinen Mut.
Die kalt mordende Ordnung
erfüllt mich mit wilder Wut.

Es fehlen mir die Worte,
zu beschreiben all den Trug,
denn es stößt auf die Pforte
das Kapital für Hass und Lug.

So fallen Bomben wieder.
Es heißt für die Menschlichkeit.
Doch diese ringt man nieder,
erstickt durch Mangel, Hunger, Leid.

Da gibt es kein Erregen.
Die Lage sei kompliziert.
Dafür gibt es den Segen.
Es wird sich doch nicht geziert.

Moral hat stets zwei Seiten,
wenn sie dient der Politik,
und wo man sie lässt leiten,
bringt der Macht sie nur den Sieg.

Ja während sie noch zetern,
es dürft‘ doch nie wieder sein,
auf ihren letzten Metern
laden sie Faschisten ein.

Für Träume gibt es heute
in dieser Welt wohl keine Zeit.
Sie sind der Wahrheit Beute.
Voll von Gram das Leben schreit.

Ich habe keine Hoffnung
und ich habe keinen Mut.
Die kalt mordende Ordnung
erfüllt mich mit wilder Wut.

Es fehlen mir die Worte,
zu beschreiben all den Trug,
denn es stößt auf die Pforte
das Kapital für Hass und Lug.

#WehretDenAnfängen!

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 03.03.2026)

Diktatur des Proletariats vs. Diktatur des Kapitals

Häufig wird behauptet, wir würden in einer Demokratie leben. Dem gegenüber stellt man in den Staats- und Konzernmedien, in den Schulbüchern und der herrschenden Politik, dass das System des Sozialismus als Übergang zur klassenlosen Gesellschaft des Kommunismus eine Diktatur – die »Diktatur des Proletariats« – wäre. Dabei wird absichtlich ignoriert, dass eine »Diktatur des Proletariats«, wie Karl Marx und Friedrich Engels sie beschrieben haben, quasi einfach eine Herrschaft der Klasse der Arbeitenden – also des Volkes – meint. Sie ist die wahre Herrschaft des Volkes – der dēmokratía – und so wundert es auch nicht, dass die zu radikaldemokratischen Konzepten von Anarchosyndikalismus und Libertärem Kommunalismus passende Partizipative Demokratie Kuba’s mit ihren Volksentscheiden, Imperativen Mandaten sowie direktdemokratischen Versammlungen in den Barrios, staatlichen Betrieben als auch den vom System finanzierten Bildungs-, Gesundheits- und Senioreneinrichtungen das von Lobbykratie geprägte Herrschaftssystem des politischen Westens, der kapitalistischen Zentren in Sachen Demokratie bei weitem überflügelt.

Das System im Kapitalismus definiert er dagegen als »Diktatur des Kapitals«. Es herrscht das Kapital bzw. die Klasse der Kapitalist*innen. Diese »Diktatur des Kapitals« setzt mitnichten auf die Demokratie. Sie basiert zuallererst auf rücksichtsloser Kapitalakkumulation, Ausbeutung und der Gier globaler Eliten, welche selbst letztlich jedoch auch nur nach den gnadenlosen Spielregeln des Kapitalismus spielen. Staaten und wirtschaftliche Machtgruppen bilden dabei ein internationales Netzwerk, das trotz oberflächlicher Konkurrenz strukturell verbunden ist, um Kapitalinteressen und Herrschaft zu sichern, was zu einem mal mehr oder weniger intensiven jedoch permanenten Krieg der Klasse der Kapitalist*innen gegen das Volk führt.

Die extremste imperiale Ausprägung dieses Krieges gegen die Arbeiter*innen ist der Faschismus. Er gehört nicht der Vergangenheit an und ist auch nicht verwandt mit dem Sozialismus, wie uns Schulbücher sowie Staats- und Konzernmedien gerne glauben machen wollen. Er ist eine Spielart des Kapitalismus, die heutzutage genauso bedrohlich ist wie damals. Nur verzichtet der moderne Faschismus auf Uniformen oder den Stechschritt der Vergangenheit. Heutzutage wird er raffinierter verpackt. Die PR der bereits gleichgeschalteten Propagandamedien des Systems sowie die zunehmende Zensur gegen sozialistische Medien helfen, den wahren Charakter dessen zu verbergen, wo sich das aktuelle politische System des Kapitalismus konsequent hinbewegt. Wie damals jedoch lockt auch der moderne Faschismus mit Ultranationalismus und dem Versprechen einer nationalen »Wiedergeburt« – einer Palingenese. Dabei schafft er Sündenböcke und Feindbilder gegen marginalisierte Gruppen, um von den tatsächlichen Problemen des Systems abzulenken, wovon die eigentlichen Verursacher*innen gesellschaftlicher Probleme – die Kapitalist*innen – auf zweierlei Art profitieren: Zum Einen durch die Ablenkung selbst und zum Anderen durch die damit geförderte Spaltung und letztlich Zerschlagung der Arbeiter*innenbewegungen. Die Resultate sind damals wie heute die gleichen: totale Kontrolle, Unterdrückung Andersdenkender, Sicherheitswahn und die Militarisierung der Gesellschaft. Vieles davon beginnen wir bereits jetzt zu spüren, obwohl der Faschismus in der BRD noch nicht erreicht wurde. Doch mit der Zuspitzung der Endphase des Kapitalismus wird er immer offener zutage treten.

Im Herz der Kapitalistischen Bestie – den »United States of America« (USA) – ist diese Entwicklung unter ihrem Präsidenten Donald Trump und seiner Junta bereits recht offen zu sehen – nach Innen, aber vor allem auch nach Außen. Als derzeit mächtigstes, aber mit dem Spätkapitalismus im Niedergang befindliches Imperium streben die USA – auch über Bündnisse wie die NATO – unerbittlicher denn je nach absoluter Dominanz. Dabei dienen ihnen faschistische Vasallen wie Israel mit seinem Genozid an den Palästinenser*innen als kolonialer Statthalter im Nahen Osten sowie die Führung der Ukraine, welche mit ihrem von der NATO befeuerten Krieg gegen Russland nicht nur einen der größten Konkurrenten der USA in Schach hält, sondern zugleich die Europäische Union als weiteren Vasallen und – wenn auch nicht monolithischen – Machtblock wirtschaftlich ausbrennt. Länder wie Kuba, die im Zentrum des antiimperialistischen Widerstands gegen die USA stehen, werden dagegen mit Wirtschaftskrieg, Terror und Fake News brutal bekämpft. Das in seinem Niedergang befindliche Imperium muss als zunehmend gefährlich für die gesamte Weltgemeinschaft eingestuft werden. Eine Erkenntnis, die nicht dazu führen sollte, dass kapitalistische Staaten wie Russland, das religiöse Regime im Iran oder das lediglich der Propaganda nach »kommunistische« Nordkorea nur wegen ihrer Opposition zum Imperium USA zu unterstützen wären, auch wenn imperiale Angriffe auf sie, wie jener, den die USA und ihr offen faschistischer Vasall Israel aktuell gegen den Iran führen, natürlich zutiefst illegitim sind. Die Grenze verläuft zwischen Oben und Unten, nicht zwischen Staaten oder Machtblöcken.

Angesichts dieser globalen Bedrohung durch die USA – und auch durch einen Faschismus in neuem Gewandt – ist die Internationale Solidarität der Völker unabdingbar. Ziel eines gemeinsamen internationalistischen, antikapitalistischen und damit auch antiimperialistischen Kampfes muss ein gleiches und freies Sein abseits der Profitlogik des Kapitals sein, um die imperialen Herrschaftsformen, die Gewalt und die soziale Ungleichheit zu überwinden. Es muss die Herrschaft der Klasse der Arbeitenden, also eine echte Demokratie als eine Gesellschaftsformation erkämpft werden, in welcher Vernunft und Diplomatie letztlich die Oberhand über die Machtpolitik gewinnen.

#WehretDenAnfängen!

Warum weder die Grünen noch die Partei »Die Linke« linke Parteien sind

Hier sind zwei Folgen aus dem Podcast »zu sagen was ist und was war« von Fabian Lehr, in denen er sehr gut erklärt, warum die Grünen und die Partei »Die Linke« keine linken Parteien sind, warum sich Menschen mit progressiven Positionen also von ihnen fernhalten sollten.

#Marxismus #NoWarButClassWar #WehretDenAnfängen!

Ein widerständiges Liebesgedicht

Frei zu sein vom Kummer all‘ des Zwangs,
von Angst, Gewalt und wild geschürtem Hass
vermisse ich von Herzen sehr,
wo Freiheit nur des Marktes Freiheit meint,
bleibt Traumtanz nur die Utopie.

So ist er fern, der Freiheitsstern
und kaum zu seh’n.
Doch halt‘ ich an der Hoffnung fest,
auf’s Boot zu steigen, Segel setzend
zur Sonn‘ und fern über die See.

Entwende mich des Kummers Fesseln,
um dich zu spüren und zu lieben,
im wilden Tanz und ohne Zwang,
von Notwendigkeit, Vernunft geleitet,
solang die Sonne auf und unter geht.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 19.01.2021)

Zu den Wahlen in den USA am 05.11.2024

Die Wahlen in den USA sind offensichtlich entschieden. Trump wird wohl der nächste Präsident jenes Landes, dass den westlichen imperialen Block anführt. Viele reiben sich hier nun verdutzt und wie in Katerstimmung die Augen und faseln von der Dummheit, den gleichen Fehler erneut zu begehen. Auch davon, dass dies eine »Lachnummer« sei, habe ich in den »Sozialen Medien« schon gelesen. Dahinter steckt das gleiche metaphysisch-idealistische Politikverständnis, das sie auch hier in der AfD, die man am Besten verbieten solle, um das Problem vom Tisch zu bekommen, das einzige wirkliche Übel sehen lässt. Nie im Leben hätte ich Trump und die »Republikaner« gewählt – die »Demokraten« aber auch nicht. Meine Stimme wäre in den USA genauso wie hierzulande untergegangen, da unsere »Demokratien« der kapitalistischen Basis des Systems nur als Schein dienen. Wo die »Demokraten« eher – und nur, wenn man es mal wirklich auf einen Vergleich mit der Parteienlandschaft in der BRD herunterbrechen will – den hiesigen »Grünen«, der SPD und Teilen der CDU entsprechen, stehen die »Republikaner« von ihren Positionen bei dem größeren Teil der CDU und mit Trump auch bei der AfD. Die FDP strampelt mit ihrem wirtschaftsliberalen Ansatz irgendwo zwischen beiden Lagern hin und her. Das Problem ist nun, dass egal was sie sagen oder wie sie sich nennen nichts davon eine Alternative ist. Beide Lager sind im politischen Überbau des Kapitalismus Handlanger und sonst nichts. Die »Demokraten« stehen für den Krieg mit Russland, massive Kürzungen im sozialen Bereich, eine Unterstützung des Völkermords gegen die Palästinenser*innen, eine Förderung allein des Großkapitals und einen Kampf gegen alternative, partizipativ-demokratische Modelle wie jenes in Kuba. Ihre Anhänger*innen können sie mit einer liberalen und modern scheinenden Identitätenpolitik gewinnen. Das ist so ziemlich genau das, wofür die Ampel-Regierung in der BRD auch steht. Der gerade tonangebende Teil der »Republikaner« stehen dem Krieg mit Russland – ähnlich wie hierzulande die AfD – kritisch gegenüber, weil sie gemerkt haben, dass sich mit dem Wunsch nach Frieden Stimmen gewinnen lassen und sicher auch, da sie Putin nahestehen. Eine Friedenspartei sind sie mitnichten. Das zeigten sie während aller vergangenen imperialistischen Abenteuer der USA – jene in Korea, Vietnam, Afghanistan und Irak sind nur die bekanntesten – und auch in ihrer Unterstützung des Genozids im Nahen Osten, wo sich beide rechten Blöcke nichts nehmen. Im sozialen Bereich, der Unterstützung nur für große Konzerne und ihrem Hass auf echte Alternativen zum Kapitalismus nehmen sie sich ebenfalls nichts. Bleibt als weiterer Unterschied nur der im Bereich der Identitätenpolitik. Wo die »Demokraten«, die »Grünen« und die SPD wie bereits benannt eher ein hippsterig-linksliberales Milieu ansprechen, richten sich die »Republikaner« ebenso wie CDU und AfD klar an ein konservatives, fremdenfeindliches Milieu. Diesem laufen in Zeiten sozialer Krisen Menschen genau deshalb zu, weil sie sich die vermeintliche Sicherheit einer »guten, alten Zeit« zurücksehnen. Nicht jeder, der dies tut, ist wirklich ein Rassist. Es ist lediglich die Folge mangelnder Analyse. Und nun von »Idioten« zu sprechen ist ebenso wenig förderlich wie intelligent. Der Stimmfang mit den teils berechtigten Ängsten der Menschen lässt sich auch nicht wirksam verbieten. Genauso ist aber auch der Glaube, dass der Kampf um Nebenwidersprüche im Sinne von Identitätenpolitik und/oder ein Krieg zwischen imperialen Blöcken eine Lösung aktueller Probleme sein könne, eine Folge mangelnder Analyse. Beide lassen die Soziale Frage als Hauptwiderspruch im Kapitalismus unbeachtet. Beide führen uns also weiter hinein in die Krise, weil ein Heraus aus dieser nur durch ein Heraus aus der kapitalistischen Logik erreicht werden kann. Das ist bei scheindemokratischen Wahlen nicht erreichbar und wenn es tatsächlich einmal gelingen sollte, dadurch Mehrheiten für die Soziale Frage zu erzielen, wird wie beim CIA-gestützten Putsch in Chile 1973 die Faschismus-Karte gespielt, um dies zu ersticken. Es tut mir leid, für jene, die sich moralisch überlegen fühlen, aber wer Trump gewählt hat ist genauso dumm, wie jene, die Kamala Harris gewählt haben. Auch jene, die immer wieder die »Demokraten«, die SPD, die CDU oder die hiesigen »Grünen« wählen, begehen ihren Fehler immer wieder auf’s Neue.

#WehretDenAnfängen!

Die Eberesche

In der Eberesche wohnt ein Traum
von Elfen alt und ihrem Licht,
ist jene Pforte durch den Baum,
aus der des Windes Wehen spricht,

auf welchem Eichelhäher fliegen
durch Schein und raue Wirklichkeit.
Seine Traumschwingen sich biegen,
wenn in dem Rausch vergeht die Zeit.

So erblickt jener Ort Äonen,
die kommen und dann wieder geh’n.
In ihm Wissensschätze wohnen,
die weltweit nur noch dort besteh’n.

Doch einst der Baum wird totgeschlagen,
um Profite zu vermehren
Dann bestehen einzig Sagen,
welche Licht und Elfen ehren.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 20.06.2022,
entstand im Rahmen des Satjira-Projects (siehe »Die Eberesche«))

Ein Jahr nach der Bundestagswahl 2021 – ein Resümee

Als die Bundestagswahl vor genau einem Jahr u.a. dazu führte, dass Karl Lauterbach Gesundheitsminister wurde, hatte ich die Hoffnung, dass zumindest in der Corona-Politik ein vernünftigerer Pfad eingeschlagen würde, als dies zuvor unter Jens Spahn der Fall war. Viel mehr Positives ließ sich von einer Regierung aus SPD, Grünen & FDP von Anfang an nicht erwarten und dass Wahlen am scheindemokratischen, bürgerlichen, politischen Überbau des kapitalistischen Wirtschaftssystems nichts ändern, ist hinlänglich bekannt, da sie sonst ja auch verboten wären. Nun ist auch ein Karl Lauterbach, der bisher immerhin massiv auf eine Privatisierung des Gesundheitssystems setzte und damit für das finanzielle Zugrunderichten dieser wichtigen Infrastruktur eintrat, auch keine Lichtgestalt. Dennoch hatte ich auf eine Impfpflicht und weitere sinnvolle Maßnahmen im Kampf gegen Covid-19 gehofft.

Mittlerweile wissen wir, dass Lauterbach komplett vor Querdenken & Co. eingeknickt ist. Die forcierte Einheit der deutschen Gesellschaft durch einen Burgfrieden unter dem Eindruck der Eskalation des Ukrainekrieges durch den russischen Einmarsch soll nicht durch weitere Proteste der Coronaleugner*innen gestört, das Kapital der deutschen Wirtschaft auf keinen Fall durch eventuell nötige weitere Lockdowns gefährdet werden. So ist die Idee von der Impfpflicht Geschichte und wenn die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten in den Statistiken sinkt, dann drückt der Gesundheitsminister diese geschickt durch das Abschaffen kostenloser Tests. Dies wirkt umso stärker, da die Regierung unter Knüppel-Scholz, welcher seine Cops im Juli 2017 als Hamburger Bürgermeister gegen die demokratischen Proteste gegen den absolut undemokratischen G20-Gipfel von der Leine ließ1, im Zeichen der Sanktionspolitik gegen Russland eine massive Verteuerung des Lebens und Sozialabbau betreibt, sodass sich immer weniger Menschen die nun kostenpflichtigen Tests leisten werden. Durch solche statistischen Tricks wird sich Covid-19 freilich nicht besiegen lassen. Die Anfangs erwähnte Hoffnung wurde also auf voller Linie enttäuscht. Dramatischer sieht die Bilanz der aktuellen Bundesregierung nur bei ihrem Wirtschaftskrieg gegen Russland aus. Weiterlesen

Visionen der Verdammnis

Visionen der Verdammnis hall’n mir durch den Kopf
von Schmerzen, Terror und Verderben,
verkünden das Nahen von der Freiheit Untergang,
welcher bringt uns das große Sterben.

Finsterer Herrschaft gerüstete Knechte
setzen an zum letzten Sturm.
Und lüstern geiler Henker gemarterte Opfer
verzweifeln im schattenhaften Turm.

Des gekrönten Totenraben Schwingen vernichten
das Sein des Glücks und auch der Würde.
Versklaven und lügen, den Krieg herbei tragen,
war dem Imperium nie eine Hürde.

Voll Zynismus ist des Tyrannen Gerede vom Frieden,
gegeben durch Tod und Qual und Leid.
Weil nur seine Macht kann erstrahlen voll Pracht,
wo diktiert wird das Handeln vom Neid.

Der Schein des Traumes reißt längst entzwei.
Vorbei ist die Zeit der Utopien,
die am Sternenmeer wir in Autonomie glücklich lebten.
Nun hilft’s nur noch zu flieh’n.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Tintenwolf
(geschrieben am 10.08.2021,
entstand im Rahmen des Satjira-Projects (siehe »Visionen der Verdammnis«))

Mal wieder zur Extremismus-Doktrin

Die Extremismus-Doktrin war schon immer krude und ließ sich wissenschaftlich noch nie belegen. Der Versuch, antikapitalistischen Protest mit mordenden Neonazis gleichzusetzen, ist ebenso pervers, wie das Gerede von den »zwei totalitären, deutschen Diktaturen«, bei dem die friedliebende, fehlerbehaftete, sozialistische DDR mit dem kriegsführenden, völkermörderischen, kapitalistischen Deutschen Faschismus auf eine Stufe gestellt wird. Dass es sich hierbei um nichts als die Propaganda der Herrschenden handelt, war heute erneut klar zu sehen. Die deutsche Polizei hat gleich zum Jahresauftakt einmal mehr bewiesen, dass sie bevorzugt auf progressive Kräfte drauf schlägt, während sie, wie im letzten Jahr zur Genüge gezeigt, mit Querdenknazis kuschelt und für einen Hitlergruß auch mal einen nach oben gereckten Daumen übrig hat. Wie so oft, werden die eigenen Gesetze ignoriert, wenn cop dafür nur gegen Linke prügeln kann. Schnell wird dann vergessen, dass die FDJ mit der Einverleibung der DDR relegalisierten wurde. Ich muss deren Kurs heutzutage nicht für richtig oder sonderlich reflektiert halten, um doch festhalten zu müssen, dass es illegal, illegitim und verwerflich ist, zu behaupten, sie sei verboten, nur um auf eine friedliche Demonstration loszugehen. Dennoch wurde im Rahmen der heutigen LL-Demo genau so gehandelt und somit wiederholt bewiesen, dass die Extremismus-Doktrin zu nichts anderem dient, als Linke zu kriminalisieren und gleichzeitig Geschichtsklitterei nach rechts zu begehen. Dass das Kapitol in Washington DC und die Freitreppe des Reichstagsgebäudes in Berlin durch neonazistische Verschwörungstheoretiker*innen bei minimalem Polizeiaufgebot gestürmt werden können, während Antifaschist*innen ganzen Armeen mit Wasserwerfern, Gummigeschossen, Schlagstöcken, Pfefferspray und Tränengas gegenüberstehen, ist insofern nur symptomatisch. Natürlich ist es kein Wunder oder gar sonderlich skandalös, dass die Polizei entsprechend handelt. So war der Deutsche Faschismus – und ist der Faschismus im Allgemeinen – nichts anderes als ein anderer gesellschaftlicher Überbau der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und natürlich liebäugeln die heutigen Eliten und ihre Kettenhunde in Justiz- und Polizeiapparat genauso nach diktatorischer Macht, wie ihre querdenkenden Gesinnungskamerad*innen. Aber gerade deswegen ist es notwendig, solche Umstände immer wieder aufzuzeigen. Für freiheitlich-demokratische, progressive Menschen, die eine Welt ohne Faschismus, Ausbeutung und Krieg anstreben, hätte das Jahr 2021 besser beginnen können.

Die Räumung der Liebig 34 – illegal, unverhältnismäßig & illegitim

Heute wurde die Liebig 34 illegal geräumt. Möglich wurde dies durch die falsche Behauptung, das Haus sei als Gewerbefläche und nicht als Wohnraum gemietet gewesen. Dies ging schon vor zwei Jahren los, als der zwielichtige Investor Gijora Padovicz – der auch an die faschistische AfD vermietet – behauptete, der Gewerbemietvertrag sei nun ausgelaufen. Wichtig war diese Falschdarstellung seinerseits, da sie die Beendigung des Mietverhältnisses in seinem Sinne ermöglichte. Die Gerichte nahmen diese Lüge dankend auf, um ihrer Beugung der eigenen Gesetze einen legalen Anschein zu verleihen. Die Propaganda, wonach die BRD kein Unrechtsstaat sei, soll aufrechterhalten werden. Dabei half der Trick auch noch, die Räumung zu Zeiten der Corona-Pandemie durchzuführen, während derer Wohnungen doch vorerst nicht geräumt werden dürften. Dennoch setzte der Polizeiapparat auf Weisung von Politiker*innen und Gerichten Menschen auf die Straße, die nun im Angesicht des kommenden Winters und einer aufflammenden zweiten Welle der Pandemie schutzlos und ohne Dach über dem Kopf dastehen. Bei einem solchen Bruch der eigenen Gesetze, auf welche sich zum eigenen Machterhalt gerne berufen wird, im Interesse des Kapitals und wider der Menschlichkeit kann nur von Klassenjustiz, aber in keinstem Sinne von Rechtsstaatlichkeit gesprochen werden.

Neben diese Gesetzwidrigkeit der Räumung tritt ein extremes Maß an Unverhältnismäßigkeit. Um einem millionenschweren Großinvestor mit Hang zu einer faschistischen Partei dabei zu helfen, Menschen unter eben diesen illegalen Bedingungen aus ihrer Bleibe zu werfen, wurde ein ganzer Kiez über einen Tag lang lahm gelegt. Der Verkehr wurde stark beeinflusst, worunter vor allem tausende Pendler*innen im Berufsverkehr zu leiden hatten. Die Streikenden bei der BVG, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, werden allerorts hetzend als »egoistisch« diffamiert, wogegen die Einschränkungen gestern und heute im Berliner Friedrichshain nur dazu dienen, dass Gijora Padovicz mit noch mehr Leerstand in einer Stadt der Wohnungsnot spekulieren kann. Die Polizei wurde aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin geholt, welches aktuell als Corona-Risikogebiet gilt. Wo die Menschen aus Berlin in ihrer Reisefreiheit eingeschränkt werden, sollen hunderte Cops das Virus in ihre Heimatgemeinden tragen.

Mit der Liebig 34 wurde jedoch nicht nur ein ganzes Wohnhaus entgegen geltender Gesetze und abseits jedweder Verhältnismäßigkeit geräumt, sondern auch ein soziales Projekt, welches den Kiez kulturell bereicherte und einen Schutzraum für Menschen bot, die unter den aktuellen patriarchalen Bedingungen leiden. Egal, ob mensch diesem Projekt nun positiv oder negativ gegenüber steht, der gewalttätige Angriff darauf war ebenso illegitim, wie das kapitalistische System, welches Gesetze und parlamentarische Politik nur zum Wohl einer wirtschaftlichen Elite betreibt.