Tag Archiv für befangenschaft

schwarz, rot, gold und kackebraun

schwarz, rot, gold und kackebraun
– im nationalen freudenrausch
jubeln laut die patrioten,
wirbeln ihre fähnschen stolz,
sind gesteuerte idioten.

schwarz, rot, gold und kackebraun
– aufrecht geh’n die deutschen
in perversem herrenmenschenwahn
über gebeugtem feinde,
‘nem Führer schon ganz angetan.

schwarz, rot, gold und kackebraun
werd’ ich niemals feiern.
lichtenhagen scheint nicht weit,
wenn’s asylrecht wird zerstört
und die liebe hilflos schreit.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 16.07.2014)

ein Wort zu Sea Shepherd

Bis vor kurzem trug ich bei Auftritten gerne mal ein T-Shirt von Sea Shepherd und hatte ihre Seite auch auf meinem Blog verlinkt. Dies hat sich nun geändert, was nicht daran liegt, dass ich die Bekämpfung von Walfang mit militanten Mitteln nicht mehr gutheißen würde. Nein, Grund für meine Abkehr von Sea Shepherd ist deren Verbandelung mit der französischen Rassistin Brigitte Bardot. Neben ihrem Engagement für den Front National und ihrer rechtspopulistischen Hetze ist sie mit ihrer Fondation Brigitte Bardot für Sea Shepherd aktiv und gut mit deren Gründer Paul Watson befreundet.

Die Position von Aktivisten der Walschutzorganisation zu diesem Thema ist erschrekend: »Wir sind eine unpolitische Organisation. Was unsere Mitglieder und Unterstützer*innen in ihrer Freizeit machen ist uns egal.« Sprich sie dulden die Umtriebe von Rassist*innen in ihrer Organisation und benennen sogar ihre Boote nach diesen, wenn sie genug Geld dafür erhalten.

Wo Sea Shepherd nicht bereit ist, sich vom rechtsradikalen Kräften zu trennen und dies mit einem angeblichen »unpolitisch sein« begründet, halte ich Rosa Luxemburgs »Unpolitisch sein heißt politisch sein, ohne es zu merken.« dagegen und stelle klar, für jene, die Rassismus eine Plattform geben, will ich nicht werben. Wale brauchen keine Rassist*innen und ein politisches Problem wie die Jagd auf Wale geht nicht unpolitisch zu lösen. Keinen Fuss breit den Rassist*innen.

Zwischen Mauern aus Stein?

»Hier findet mensch Gott…«
haben sie gesagt,
»zwischen Mauern aus Stein
und Prunk, der sinnlos besteht.«

»Wo soll er hier denn sein?«
Habe ich gefragt,
»Kann Liebe nicht seh’n,
nur Knechtschaft und Autorität.«

Was hilft es der Welt,
wenn ihr euch verbeugt
und hingebt
‘ner uralten Liturgie?

Seht lieber hinaus,
erblickt, was mit Liebe gezeugt.
In finsteres Zwielicht
dringt Wahrheit nie.

Wenn es ihn gibt,
was nicht bewiesen,
warum dann soweit ab
von dem, was er soll sein?

Kann ihn nicht denken,
als allmächtigen Riesen,
nur als die Liebe
und nicht in rituellem Schein.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 01.07.2014)

GEMA? Nee, geh’ mal (ka***n)!

GEMA? Nee, geh’ mal,
das will ich hier nicht haben.
Meine Kunst bleibt frei davon.
Es gibt Fall’n, die lass ich mir nicht graben.

Wenn Kunst ist nur noch zum Profit,
nicht zu der Menschen Freude,
ihr werdet seh’n, dann stürzt es ein
aus Gier und Lügen das Gebäude.

Doch auch ihr seid nur Symptom,
seid ergeben all den Regeln.
Wo es geht um den Konsum,
dreht und spielt ihr nur an Rädchen und an Hebeln.

Was Kunst ist, habt ihr nie durchschaut,
eure Logik lässt euch keine Wahl.
Zum Beispiel ist es Kunst, wenn ich euch sag’:
»GEMA? Nee, geh’ mal!«

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 10.06.2014)

Stoppt das Morden – Das Schweigen brechen

Ein Aufruf zu einer Friedensdemo am 24.07. um 19:00 Uhr am Kotti, den ich auf jeden Fall teilen möchte, einfach weil er eines der differenziertesten Statements zum Thema Nahost enthält, den die (deutsche) Linke seit langem hervorgebracht hat:

Es herrscht Krieg im Nahen Osten. Seit Tagen führt die Israelische Armee eine blutige Militäroperation gegen die Bevölkerung im Gaza-Streifen und über 500 Menschen – zum größten Teil Zivilisten – sind bisher dabei ermordet worden. Erklärtes Ziel der israelischen Militärinvasion ist es, die militärischen und politischen Strukturen der islamistischen Hamas zu schwächen, doch wer in erster Linie darunter zu leiden hat, ist klar: Es ist die normale Bevölkerung im dicht besiedeltsten Ghetto der Welt, es ist die Bevölkerung des Gaza-Streifens.

Doch während alle Welt auf den israelisch-palästinensischen Konflikt schaut, führt einige hundert Kilometer entfernt in Nordsyrien die islamistische ISIS-Miliz eine ebenfalls blutige Bodenoffensive gegen die kurdische Enklave Kobané durch. Erklärtes Ziel der „Gotteskrieger“ ist es, das Projekt basisdemokratischer und kommunaler Selbstverwaltung, das im Schatten des syrischen Bürgerkrieges entstanden ist, im Blut zu ertränken. Denn die Kommune von Rojava und ihr auf Frauenbefreiung, Ökologie und Basisdemokratie aufbauender Gesellschaftsentwurf stellen im Grauen des syrischen Bürgerkrieges eine emanzipatorische Alternative zur Terrorherrschaft der ISIS auf der einen und der Unterdrückung durch das Assad-Regime auf der anderen Seite dar und wird deshalb von den islamischen Rackets gefürchtet und gehasst.

Aufgerüstet und bewaffnet wurde die ISIS-Miliz vor allem von der Türkei und den Golfstaaten. Allerdings haben auch der US-amerikanische Geheimdienst und andere imperialistische Player die Al-Qaida-Abspaltung im Kampf gegen das geopolitisch in Ungnade gefallene Assad-Regime anfangs unterstützt. Verletzte ISIS-Kämpfer wurde in israelischen Krankenhäusern behandelt und gesund gepflegt, um sie wieder fit für den Kampf gegen die libanesische Hisbollah und die regulären Streitkräfte der syrischen Regierung zu machen. Nachdem die ISIS im April schon einmal versucht hatte, die kurdischen Verteidigungslinien zu überrennen und dabei schwere Verluste hinnehmen musste, startete sie vor einigen Tagen – finanziell und militärisch – durch ihren Blitzfeldzug im Irak gestärkt den zweiten Versuch. Außerhalb der kurdischen Community wird dieser teilweise mit chemischen Waffen geführte Vernichtungsfeldzug gegen die „ungläubigen Kurden“ im Gegensatz zu den Ereignissen im Gaza-Streifen kaum wahrgenommen.

Dies ist umso tragischer da die Kommune von Rojava im Irrsinn des gegenseitigen Abschlachtens, der im Nahen Osten seit fast 100 Jahren herrscht, einen emanzipatorischen Lichtblick darstellt, der sich nicht geostrategisch vor den Karren imperialistischer Akteure spannen lässt und der nationalistischen Spaltung die Vision eines gemeinsamen selbstbestimmten und freien Lebens entgegenhält. Weil ihr Kampf sich der nationalstaatlichen Sackgasse verweigert und nicht geeignet ist, liebgewonnene Feindbilder zu pflegen und sich im Gegensatz zu ISIS, Israel oder auch der Hamas nicht für die geostrategischen Interessen verschiedener Staaten nutzbar machen lässt, fällt ihre internationale Lobby leider sehr klein aus.

 

Entweder oder? – Weder noch! Seien wir realistisch, versuchen wir das unmögliche.

Anders sieht es bei Israel und Palästina aus. Beide Seiten können sich vor (falschen) Freunden nicht retten. Israel bekommt bei seiner „erbarmungslosen“ Militäroffensive Rückendeckung von Rechtspopulisten, Rassisten, Islamophoben, abgedrehten (Ex)Linken, antisemtisch-christlichen Fundamentalisten und anderen Verteidigern des Abendlandes. Auf die Seite der Hamas und der mit ihr tragischerweise gleichgesetzten palästinensischen Bevölkerung schlagen sich sympathische Gestalten wie der türkische Ministerpräsident Erdogan, der Iran und andere arabische Regierungen herum, die Israel dringend brauchen um von ihren eigenen Problemen abzulenken und die potentiell aufmüpfige Bevölkerung mit einem gemeinsamen Feindbild ruhigzustellen. Dabei treffen sich in die andere Richtung abgedrehte (Ex)Linke, antisemtisch-islamische Fundamentalisten, Neonazis und Judenhasser aller Coleur. Die Propagandamaschinen beider Lager laufen heiß, mit der beständigen Wiederholung, die Weltöffentlichkeit würde sich sowieso nur mit dem Leid der Gegenseite beschäftigen. Erklärt wird dies wahlweise mit dem weltweit existierenden Antisemitismus der Medien oder eben der weltweiten jüdischen Steuerung genau dieser Medien.

Es scheint, dass beim Thema Israel-Palästina sämtliche Sicherheitssysteme durchknallen und alle Maßstäbe, die ansonsten gelten, über den Haufen geworfen werden. Dass im Krieg gelogen wird und zwar von jeder Seite, scheint nicht mehr bekannt zu sein. Parteilichkeit ist offensichtlich eine Pflicht und wer sich nicht klar und deutlich für die eine Seite bekennt, steht automatisch auf der Gegenseite und ist ein Feind. Doch so einfach wollen wir es den Kriegstreibern nicht machen. Wir lassen uns nicht vereinnahmen! Weder von rassistischen IDF-Fans noch von islamischen Fundamentalisten und Antisemiten. Wir stehen ein für die Ideale einer weltweit befreiten Gesellschaft und sagen NEIN zu einem geistesgestörten Krieg, an dem so ziemlich alles falsch ist, was nur falsch sein kann. Wir verurteilen die Luftangriffe und militärischen Operationen der IDF, die hunderten unschuldigen Palästinensern das Leben kostet. Wir verurteilen auch die politischen und militärische Strategie der reaktionären Hamas, die den Palästinensischen Widerstand in eine fatale Sackgasse führt. Eine erneute Militarisierung des Konfliktes kommt auch ihr grade Recht um von ihrer desaströsen politischen Bilanz abzulenken. Ihre Raketenangriffe zielen dabei darauf, die israelische Zivilbevölkerung zu treffen und nur ihrer massiven militärischen Unterlegenheit ist es zu verdanken, dass der „Death Count“ auf israelischen Seite bescheiden ausfällt. Wir haben keinen Zweifel, dass die Hamas, hätte sie die militärische Feuerkraft der israelischen Armee, diese ohne zu Zögern gegen die israelische Bevölkerung einsetzten würde. Jedoch ist diese militärische Unterlegenheit der Hamas auch kein Zufall der Geschichte oder auf die notorische Unfähigkeit der „barbarischen“ Araber zurückzuführen, sondern das Ergebnis von über 100 Jahren kolonialistischer und imperialistischer Unterwerfungspolitik des Westens, für die Israel neben der Türkei der wichtigste Statthalter in der Region ist. Wir verurteilen die rassistische Verhöhnung der Opfer, die im Rahmen einer bedingungslosen Israel-Solidarität geschieht, ebenso wie die antisemitischen und judenfeindlichen Übergriffe der letzten Tage, die im Rahmen der Palästina-Solidarität verübt wurden. Wir solidarisieren uns mit allen Gruppen und Parteien in Israel und Palästina, die sich gegen die imperialistische Politik der Nationalisten und den religiösen Wahn der Islamisten wenden, egal wie klein, egal wie unbedeutend, egal wie wenige sie sind.

Unsere Solidarität gilt den Menschen die unter dem Krieg zu leiden haben. Unsere Solidarität gilt den linken Gruppierungen, LGBTs, und Graswurzelbewegungen, die durch die reaktionäre Herrschaft der Hamas unterdrückt werden, genauso wie den linken Aktivisten in Israel, die von zionistischen Rechtsextremisten und der Polizei angegriffen werden. Unsere Solidarität gilt Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt, die in diesen Tagen mit Hass und Diffamierungen überzogen werden und persönlich für die Politik der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden. Wir verurteilen diese Angriffe aufs schärfste, genauso wie wir die Angriffe auf das Leben der unzähligen palästinensischen Frauen, Männer und Kinder verurteilen, die in diesem Wahnwitz ermordet wurden. Jeder Tote ist genau ein Toter zu viel und um jeden Toten trauert eine Frau, eine Mutter, ein Vater, ein Bruder, eine Tochter oder ein Sohn, weil der geliebte Mensch nicht mehr nach Hause kommen wird und fehlt. Stoppt diesen Wahnsinn! Entweder Israel oder Palästina? Entweder Assad oder ISIS? Diese Frage stellt sich für uns nicht.

Für die Menschen in Rojava, die linken Kräfte in Palästina und Israel stellen sich nur Fragen der Menschlichkeit: Entweder Faschismus oder Freiheit? Entweder Rassenhass oder friedliches Miteinander? Entweder Nationalstaat oder befreite Gesellschaft? Entweder Unterdrückung oder Gleichheit für alle? Entweder Ausbeutung oder ein Leben in Würde? Entweder kolonialer Imperialismus oder Selbstbestimmung? Entweder Krieg oder Friede? Entweder oder?

 

Solidarität mit den Menschen im Gaza-Streifen und Kobané!

Gegen Imperialismus, Besatzung, Nationalismus, Antisemitismus und Fundamentalismus!

Demo / Donnerstag / 24.Juli / 19 Uhr / Kottbusser Tor

(http://arab.blogsport.de/2014/07/23/24-juli-stoppt-das-morden-das-schweigen-brechen/)

Das Ei

Fünfzig Millionen Kinder1,
keines 24 Stunden alt,
wandern für euch Schinder
in den Tod und mir wird kalt.

An ‘ner Ramp’ nach Nutzen selektiert,
ins Gas geht, wer nicht gebraucht,
ohn’ Mitleid zum Objekte degradiert,
was dunkel aus dem Schornstein raucht.

Und wenn ihr dann versucht zu glauben,
all dies sei lange her,
dann öffnet nur einmal eure Augen;
sich selbst zu hinterfragen ist nicht schwer.

Männliche Hühnerbabies sterben
nur für euer Frühstücksei.
Euer Konsum ist ihr Verderben
und reißt mir das Herz entzwei.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 02.05.2014)

 

1Pro Jahr alleine in Deutschland

Wegelagerei

Am letzten Wochenende war das Treffen der Rotzfrechen AsphaltKultur mit Galaabend im Peter-Weiß-Haus in Rostock. Es war ein buntes Event mit aufheiternden aber auch mit nachdenklich stimmenden Acts und es hat Spaß gemacht, all die Gesichter befreundeter Künstler_Innen wiederzusehen, großartige Menschen um sich zu haben und mit ihnen politisch zu debattieren und zu handeln. Nun sind wir in der RAK als anarchistische Straßenkünstler_Innen ja ein Teil jener Gegenkultur, die im Sinne hegemonialen (& »mitteextremistischen«) Extremismusgeschwaffels durchaus kriminalisiert wird. Das liegt daran, dass wir in unserer Kunst Bewegungsfreiheit für alle Menschen fordern, imperialistische Kriegstreibereien, das Morden durch die Repressionsorgane und Privateigentum von Grund und Boden sowie von Bedarfsgütern und Produktionsmitteln ablehnen, sozusagen eine Überwindung einer lebensfeindlichen Gesellschaftsordnung erträumen. Geld für diese Kunst bekommen wir von Passant_Innen auf der Straße freiwillig und nach eigenem Ermessen. Mit dieser Form des künstlerischen Gelderwerbs »verschandeln« wir das Straßenbild in den Einkaufszonen der Städte, was immer wieder mit Repression bestraft wird. Dies ist eine der zentralen Erfahrung, die uns in der RAK eint und uns zu einer Organisierung bewegt, welche zum Beispiel im Galaabend ihr Blüten treibt.

All dies sei aber nur als kurze Einleitung erwähnt, um zu erklären warum ich mich an diesem Wochenende in Rostock aufhielt. Der Grund sozusagen, wieso ich in einen Hinterhalt geriet, wie er an einem abgelegenen Waldweg im tiefsten Mittelalter durch Räuber oder Raubritter hätte geschehen sein können. Die Raubritter waren in diesem speziellen Fall die »Warnowquerung GmbH & Co. KG«, die im Gegensatz zu linken Träumer_Innen in unserem derzeitigen Herrschaftssystem auch noch völlig legal handelten. Zusammen mit vier Freund_Innen, verließ ich Rostock am Sonntagnachmittag mit einem prall gefüllten Auto Richtung Berlin. Schon auf der Stadtautobahn, ging es noch durch einen Tunnel und dann tauchte direkt vor uns und völlig unvermittelt eine Mautstation auf. In unseren Köpfen taten sich Fragezeichen auf… Seit wann gibt es auf deutschen Autobahnen Maut für PKWs? Welchen alternativen Weg wollten wir wählen? Und wo könnten wir wenden? Nun zumindest die letzte Frage würde sich beantworten lassen; dachte ich. Also erst mal ans Kassenhäuschen ran gefahren, Scheibe runter und nachgefragt: »Guten Tag. Wo kann ich denn hier wenden, um eine alternative Route zu wählen?« In kältestem Beamtendeutsch wurde mir klargemacht, dass ich diesem Überfall nicht mehr entrinnen konnte. Die Mautstelle war absichtlich im Reusenprinzip hinter dem Tunnel aufgestellt, sodass mensch nur noch als Geisterfahrer durch den Tunnel würde entgehen können. Der Hinweis auf die Maut vor dem Tunnel war absichtlich so gehalten worden, dass Menschen, die damit beschäftigt waren, sich zurecht zu finden, gute Chance hatten ihn zu übersehen. Zudem ist es schwierig entsprechende Schilder bei der bisher ersten privaten und damit Mautpflichtigen Strecke in Deutschland richtig einzuordnen.

Warnowquerung GmbH & Co. KG

Das sich das Kassenpersonal nicht würde erweichen lassen und nicht in der Bereitschaft war eigenes Handeln zu hinterfragen wurde recht schnell klar. Wir mussten in den sauren Apfel beißen und gegen unseren Willen die festgelegten 3 Euro und 60 Cent für eine gerademal 760 Meter lange Strecke zahlen. In uns blieb Wut über die Machtlosigkeit gegenüber diesem dreisten Raubakt, auch wenn dies natürlich keinen großen Einschnitt für uns darstellte und wir uns bewusst waren, dass das herrschende Wirtschaftssystem noch weit grausigere Verbrechen bereithält und es uns bei weitem nicht so schlecht geht, wie anderen Menschen. Als illegitim empfanden wir das Geschehene trotzdem und in mir machte sich ein Grübeln breit. Und zwar über das Verhalten des Personals an der Mautstation. Eine Gesellschaftsordnung besteht nur durch die Gesamtheit der Menschen, die in ihr zusammenleben. Sie wird nicht alleine durch Herrschaft und Repression zusammengehalten, sondern vor allem durch das Hinnehmen und Nichthinterfragen, welchem sich die große Masse der Menschen hingibt. Es fällt mir leicht, mich in meiner privilegierten Situation als Studi zu hinterfragen und ich werde nicht durch Harz-IV-Sanktionen in perfide Jobs gedrängt. Das Mautpersonal mag sich durch seine prekäre wirtschaftliche Situation anders als ich nicht seit Jahren mit Fragen von Politik, alternativem Wirtschaften und sozialer Gerechtigkeit auseinandersetzen. Gut leben möchten mit Sicherheit auch sie. Und wenn sie sich tatsächlich aus ihrer Lohnsklaverei befreien möchten, kommen auch Menschen in prekären Situationen nicht umhin, ihr Wirken in der Gesellschaftsordnung zu hinterfragen. Und hier sind wir wohl noch sehr weit von einer revolutionären Situation entfernt.

Das war jetzt keine wirkliche Analyse, sondern nur ein paar Gedanken, über das, was mir gestern Nachmittag die Stimmung irgendwie verhagelt hat. Nach dem ich die Tage zuvor in solidarischem und lebensbejahendem Miteinander und damit in durchaus legitimen Utopien verbracht hatte, war ich wieder in der Profitlogik eines kalten und illegitimen Systems angekommen.

O wundervolle Weihnachtszeit

Und wieder einmal ist’s soweit,
O wundervolle Weihnachtszeit.
Nichts kann uns Menschen jetzt noch stoppen,
fröhlich geht’s zum Festtags-Shoppen.

So können wir endlich vergessen,
sind selber zünftig vollgefressen;
was interessier’n uns da die Sorgen
jener Menschen ohne Morgen?

Und drängelt doch mal das Gewissen,
wird Geld ins Spendenglas geschmissen.
Das muss der Tat genug dann sein,
soll uns von Menschlichkeit befrei’n.

Es betäubt uns der Konsum,
dreht uns geschickt die Hälse um,
erstickt jeden Widerstand.
Weihnachtlicher Winter herrscht im Land.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 05.12.2013)

Träumer_Innen

Mit geschlossenen Augen steh’n wir da,
in uns ein Bild von ‘ner besseren Welt;
wie wir kämpfen mit ‘nem Stein in der Hand,
um sie zu erreichen;
uns Wärme abgeben, wenn Schnee niederfällt.

Saßen am Feuer, wo wir uns gewärmt,
gemeinsam gesungen gar manches Lied
von Revolution und ‘ner schwarz-roten Fahn’,
fabulierten von Gleichheit
und ‘nem wirklichen Fried’.

Doch der Welt ist’s einerlei,
all dies’ Wunschdenken ändert sie nicht.
Was hilft’s, wenn wir uns vor ihr verstecken?
Ist die ertäumte Freiheit in uns’ren Projekten
viel zu oft uns auch nur ‘nen Irrlicht.

In Wirklichkeit sieht’s düster aus;
das sehen wir, wenn uns’re Augen offen.
Wo blutig wird auf uns geschlagen,
Lebensraum entrissen;
was gibt es da noch groß zu hoffen?

Ach was, ich kneif die Augen wieder zu,
fühl’ den Stein in meiner Hand.
Der Gedank’ erfüllt mein Herz mit Mut.
Lasst uns endlich niederreißen
zwischen Traum und Welt dies’ öde Wand.

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 09.10.2013,
ein Gedicht der Wildvogel-Reihe,
als mp3 downloaden: mit Hisztory (2014)_als_ich_mir_nicht_anders_zu_helfen_wusste_-_cd_cover_front)

Tausend Worte

Tausend Worte mir im Kopf,
können nimmer sagen.
Dröhnen stumm und ohne Ton.
Dröhnen laut und sagen nichts.

Lassen mich alleine,
so sehr ich will auch schreien,
wenn Feuer brennt und Steine fliegen,
den Samen einer Blume gleich;
ganz sanft
und von Knüppelmacht zerschlagen.

Kommen mir nicht aus dem Mund,
auch wenn ich will verzweifeln,
einsam ganz,
umringt durch milliarden Menschen,
die trotten hin im Einheitsschritt;
maschinengleich.

Tausend Worte mir im Kopf,
können nimmer sagen.
Dröhnen stumm und ohne Ton.
Dröhnen laut und sagen nichts.

Tausend Worte…

 

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 08.06.2013,
als mp3 downloaden: mit Lari (2014)_als_ich_mir_nicht_anders_zu_helfen_wusste_-_cd_cover_front)