Ich bin heute aus der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) ausgetreten. Dies hat Gründe. Eigentlich bin ich der festen Überzeugung, dass die Lohnabhängigen – zu welchen ich gehöre – sich in Gewerkschaften organisieren sollten, da kein Recht von den Kapitalist*innen aus Güte eingeräumt wird. Doch an dieser Stelle liegt meine erste Enttäuschung. Als ich 2022-2024 an meiner alten Arbeitsstelle eine Gewerkschaftsgruppe aufzubauen versuchte, erhielt ich keinerlei Rückendeckung durch die GEW. Dies wäre eine ihrer ureigensten Aufgaben als Gewerkschaft gewesen. Generell lässt sich feststellen, dass der GEW die Zähne fehlen. Die großen Gewerkschaften sind in Deutschland vom Kapitalismus großteils eingehegt.
Nun kam jedoch ein weiterer Punkt hinzu, der mich quasi zu diesem Schritt zwang. Er hängt damit zusammen, wie sich die GEW dazu verhielt, als Jochen Kopelke (»Gewerkschaft« der Polizei (GdP) / DGB-Vorstand) die angekündigten Proteste junger Menschen am 31.10.2026 (»GenZ regelt«) in der Bild bereits im vornherein kriminalisierte, von »jungen Krawallmigranten« sprach und ankündigte, »keine Gnade« walten lassen zu wollen. Er bediente sich bewusst der Sprache der radikalen Rechten bei der AfD, der CDU und anderer profaschistischer Parteien. Die GEW, welche sich eigentlich hinter die Schüler*innen hätte stellen müssen, welche lediglich ihre vom System versprochenen demokratischen Rechte zum Demonstrieren wahrnehmen wollen, schwieg dazu. Sie versagte als Bildungsgewerkschaft gleichermaßen, wie als Akteur, welcher sich Eigenbekundungen zufolge für eine freiheitliche, demokratische und pluralistische Gesellschaft einsetzt. Da sie mit der von Kopelke vertretenen GdP im DGB verbunden ist und dennoch keinerlei wahrnehmbare Stellungnahme zu diesen Äußerungen gibt, weder den Rücktritt von Jochen Kopelke noch den Ausschluss der GdP aus dem DGB fordert und noch nichtmal ein positives Statement zugunsten von »GenZ regelt« formuliert, zeigt sie, ihren reaktionären Charakter ziemlich offen. Auf eine Anfrage, warum sie sich nicht gegen die rechte Hetze von Kopelke stelle, erhielt ich bis heute keine Antwort. Man sitzt die Bündelei mit solchen pro-faschistischen Hassrednern einfach aus. An dieser Stelle ist kein Platz für mich und für keine einzige antifaschistische Lehrkraft. Eine Gewerkschaft, welche mit Kapital und Repressionsorganen anbandelt braucht keine einzige lohnabhängige Person.
Es braucht emanzipative Gewerkschaften wie die Freie Arbeiter*innen-Union (FAU) oder die Industrial Workers of the World (IWW), aber eben mit weit größerer Schlagkraft. Es braucht aktuell echten Antifaschismus, der sowohl die AfD als auch deren Wegbereiter in SPD, CDU/CSU, FDP und den Grünen bekämpft, der die Soziale Frage stellt. Es braucht positive Bezüge dazu, wenn Menschen für ihre Rechte aufstehen. In Hinblick auf den letztgenannten Punkt erkläre ich meine Solidarität mit »GenZ regelt« und wünsche ihnen am morgigen 31.10.2026 kraftvolle Proteste gegen Sozialkahlschlag und Militarisierung. Wehrpflicht muss der Geschichte angehören, und wenn es sie doch geben sollte, dann nur für irgendwelche eierleckenden Politiker*innen und deren Bagage.
