Anhang I – Interview mit Klaus dem Geiger

Klaus dem Geiger sendete ich meine Fragen via E-Mail, nachdem das Vorhaben ihn im Rahmen einer Rundreise in Köln zu besuchen, zusammen mit der gesamten Rundreise gescheitert ist. Ich bedanke mich für seine schnelle Antwort. Mir ist bewusst, dass Interviewfragen per Mail und ohne schnell mal nachfragen zu können sicher nicht leicht zu beantworten sind.

Frage 01: Wie bist du zur Straßenmusik gekommen?
Ich wollte eigentlich schon immer was Sinnvolles mit meinem Können für die Gesellschaft machen, aber weder im Sinfonieorchester noch an der Uni oder in der Verwertungsindustrie hab ich die Möglichkeiten dafür gefunden. Die hab ich erst als Straßenmusiker entdeckt, sozusagen “ganz unten”!

Frage 02: Das Entstehen der RAK wird auf die Anti-AKW-Bewegung zurückgeführt. Welche Rolle nahm die Straßenmusik (in deinen Augen) für die Proteste in den 1970er Jahren ein?
Der Gedanke entstand Anfang der 70-er Jahre. Gert Altmann (so hieß er, glaub ich) vom Hans-Dampf-Gassentheater Stuttgart, (politische Sketche und Lieder zur Gitarre) wurde gejagt von Ordnungsamt und Polizei, genau wie ich. Und auch andere, die sich mit politischem Anliegen und Liedgut in die Fußgängerzonen trauten. Und Gert kam auf den Gedanken, sich zusammenzutun dagegen. Richtig verfestigt hat sich die RAK aber erst durch die Treffen, und das erste war, glaub ich, in Braunschweig in der Brunswiga, und da war Anti-Atom das vorderste Thema.

Frage 03: Was fällt dir so spontan zu politischer Straßenmusik ein?
Musik ist ja nicht eigentlich politisch; und auch die wenigsten Lieder sind es. Die RAK-Musik fällt dabei sozusagen aus dem Rahmen. Aber wir RAKIS sind ja nur ein kleines Häufchen, verglichen mit all den vielen Buskers und Straßenmusikanten, die natürlich auch eine Wirkung auf die jeweiligen Zuhörer haben, und wenn es nichts anderes ist, als die Aufmerksamkeit zu wecken und umzulenken (z.B. weg von Konsumsucht oder Grübelei). Und politische Liedermacher als Profis (d.h. solche, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen) werden entweder gesponsert (z.B. von einer Partei oder einem Verlag) oder befinden sich kurz vorm Verhungern (Ich kenn mich aus! Diesbezüglich). Sie werden aber auch, wenn sie sich durchsetzen, ohne sich zu “verkaufen”, sowohl geliebt als auch gehaßt, und das ist schon super! (Ich red von mir grade, wobei ich mir schon bewußt bin, daß ich mich ohne meine virtuose Geigerei nicht durchgesetzt hätte! Und an der ist ja nun nichts politisch! Die ist technisch und musikalisch fundiert.) Und wenn du einem guten und sinnvollen Projekt auf die Sprünge helfen kannst mit deinen Fähigkeiten, und kriegst noch paar müde Mark dabei, sei glücklich!

mehr zu Klaus dem Geiger findet sich unter http://www.klausdergeiger.de/.

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