Tag Archive for anarchismus

Kubanische Lehren

Jetzt sitzen wir im Flugzeug zurück nach Kaltland. Es ist soeben abgehoben. Zeit, die letzten sieben Monate Revue passieren zu lassen. Glücklich kann ich behaupten, meine mir anfangs gesteckten Ziele erreicht zu haben. Künstlerisch lief die Zeit gut. Es sind sechs spanischsprachige Gedichte und Vertonungen zu einem Teil von diesen entstanden und ich habe gegen Ende 2018 ein paar Auftritte in Kuba wahrnehmen können. Was meine zentrale Frage zur kubanischen Revolution angeht (vgl. »Ich bin dann mal weg…«), bin ich ebenfalls weitergekommen. Um hierdrauf einzugehen, benötigt es einen kurzen Input in marxistische Revolutionstheorie. Der Einfachheit halber kopiere ich dabei ein wenig aus meiner Abschlussarbeit an der Technischen Universität von Havanna (CUJAE), die sich im Übrigen mit dem Libertären Kommunalismus auseinandersetzt und hier auf spanisch und deutsch vorliegt.

Karl Marx ging davon aus, dass zum Ende jeder Gesellschaftsformation die Produktionsverhältnisse in einen Grundwiderspruch zum gesellschaftlichen Charakter der Produktivkräfte geraten, was die objektiven Faktoren für eine revolutionäre Umwälzung der Gesellschaftsformation bildet. Eine neue ökonomische Basis in Form neuer Produktionsverhältnisse schafft sich einen neuen gesellschaftlichen Überbau. Diese objektiven Faktoren werden durch subjektive Faktoren ergänzt. Solche können z.B. die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Tyrannei der Herrschenden, der fortgeschrittene Grad der Agitation der Bevölkerung durch progressive Kräfte usw. sein. Hierbei legt Marx im Sinne seiner dialektisch-materialistischen Auffassung Wert darauf, dass die materiellen Bedinngungen – also die objektiven Faktoren – ausschlaggebend für diese qualitativen Veränderungen sind und nicht etwa die subjektiven, ideelen Faktoren. »Das Sein (Materie) bestimmt das Bewusstsein (Idee)«. Eine Revolution, die ohne die entsprechenden objektiven Bedingungen geschieht, ist nach seiner Sicht streng genommen keine Revolution. Und genau hier wird es interessant, da die ökonomischen Bedingungen für eine solche Revolution in Kuba nicht gegeben waren. Subjektive Faktoren gab es zuhauf. Ähnliches trifft auf Russland im Jahr 1917 zu. Beide wiedersprechen somit einer materialistischen Auffassung. Marx würde sie folglich als idealistisch (das Bewusstsein bestimmt das Sein) bewerten.

Dennoch gab es die kubanische Revolution und ihr sozialistischer Charakter ist bis heute gut zu erkennen. Hierbei muss ich nicht von jedem Aspekt begeistert sein. Der Staat hat in meinen Augen eine viel zu zentrale Rolle und unter einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel würde ich mir weniger eine Verstaatlichung als mehr eine Kollektivierung der Betriebe vorstellen. Bei dem Ansatz eines Übergangsstaates wird sich fest an eine marxistische Position gehalten. Dies bedeutet jedoch keine Diktatur, wie sie Kuba gerne unterstellt wird, sondern ein politisches System, welches weit mehr Basisdemokratie und direkte Beteiligungen an vielen Prozessen ermöglicht, als mensch es aus den sogenannten »Demokratien« Europas oder den USA gewöhnt ist. Die Abgeordneten der einzelnen Kommunen werden direkt und mit imperativen Mandaten gewählt, müssen halbjährlich Rechenschaft vor ihren Kommunen ablegen und können abgewählt werden. Eine Parteizugehörigkeit ist hierbei nicht von Belang. Wichtige Verfassungs- & Gesetzesänderungen werden öffentlich debattiert, können um Änderungsvorschläge ergänzt werden und müssen bei entsprechender Tragweite durch eine Volksabstimmung bestätigt werden. Dafür, dass Kuba seit 60 Jahren konterrevolutionären Attacken und Terroranschlägen durch die Geheimdienste des mächtigsten imperialistischen Staates der Erde ausgesetzt ist, sich der extreme Großteil der Welt in staatlichen Strukturen organisiert & kapitalistisch geprägt ist und die ökonomischen Bedingungen für Kuba – sowohl durch das Fehlen entsprechender objektiver Faktoren zum Zeitpunkt der Kubanischen Revolution, als auch durch die US-Blockade seit ebenfalls 60 Jahren – durchaus schlecht sind, kann ich die Organisation in einem staatlichen Gebilde zur Verteidigung der sozialen Fortschritte, die hart erkämpft wurden, durchaus nachvollziehen, selbst wenn ich mir deren Überwindung wünsche. An dieser Stelle ist die Utopie, welche ich mit den kubanischen, wie sicher allen Marxist*innen & Anarchist*innen teile, von der aktuellen Wirklichkeit zu unterscheiden.

Kuba lehrt, revolutionäre, sozialistische (ich weigere mich an dieser Stelle bewusst, in trennende Kategorien wie »libertären« & »autoritären« oder »wissenschaftlichen« & »utopischen« Sozialismus zu unterscheiden) Ansätze sind auch ohne objektive Faktoren möglich. Dies bedeutet nicht, dass kubanische Marxist*innen weniger materialistisch wären. Es zeigt aber, dass strenge Dogmen aufgebrochen werden können. Die subjektiven Faktoren auf Kuba machten die Revolution möglich & nötig. Es wurden ein anderes Wirtschaften ohne Kapitalakkumulation und eine freiere Gesellschaft erkämpft. In Hinsicht auf diesen Kampf wird immer wieder die Einheit – der Zusammenhalt – der progressiven Kräfte betont. Und an dieser Stelle sind wir beim Kern dessen, was wir alle aus Kuba lernen können. Es ist nicht wichtig, ob wir uns für besonders wissenschaftlich überlegen oder super freiheitlich halten. Wichtig ist, dass wir alle dem selben Gegner gegenüberstehen. Wir müssen nicht alle dem kubanischen Weg folgen, eine Räterepublik ausrufen, Graswurzelkommunen gründen, Anarchosyndikalistische Gewerkschaftsföderationen bilden oder in Kurdistan für den Demokratischen Konföderalismus kämpfen, wir müssen aber verstehen, dass dies alles strategische Ansätze sind, den Kampf um eine befreite, klassenlose Gesellschaft zu führen. Wenn wir uns hierbei gegenseitig attackieren, nützen wir nur dem Kapitalismus. Dies und nicht die Frage nach den objektiven Bedingungen ist die wirkliche Erkenntnis, die eine tiefergehende Beschäftigung mit Kuba mit sich bringt. Der Einheit gilt der zentrale Ruf der kubanischen Marxist*innen & Anarchist*innen. Sie haben deren Wert im Kampf gegen den Klassenfeind erkannt. Ohne Einheit & Solidarität werden wir nichts erreichen, egal ob objektive Faktoren für eine Revolution eintreten oder nicht.

alternativas

el parlamentarismo burgues
lo llaman una »democracia«,
qué oprime el proletariado,
pero yo sueño con una alternativa.

por ejemplo en mil novecientos treinta y seis,
barcelona en negro y rojo:
con la federación de los sindicatos
el pueblo agarraba a la justicia con arrojo.

o en la cuba del socialismo,
la democracia participativa,
los procesos de decidir en común,
llenan los barrios con vida.

y los hombres y las mujeres,
que luchan por el confederalismo democrático
para kurdistán y la liberación,
se defenden del fascismo maldito.

existen estas alternativas
en contra la dictatura del capital
pero no vale soñar con libertad,
debemos luchar para ella de manera global.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 23.01.2019)

In Zeiten wie diesen… – Zur Neuausrichtung des Tintenwolf-Projekts

Immer wieder rasen die Nachrichten dieser Tage auf mich ein und lassen mich ratlos zurück. Überall in der Welt sind konservative, nationalistische und wirtschaftsliberale Kräfte auf dem Vormarsch, die Klimaerwärmung scheint kaum noch aufzuhalten, die verschiedenen Supermächte leisten sich ein neues nukleares Wettrüsten und die Repressions- und Überwachungsapparate werden immer weiter aufgerüstet und zur Aufstandsbekämpfung scharf gemacht.1 Ob legitimer Protest gegen den G20-Gipfel in Hamburg oder die EZB-Neueröffnung in Frankfurt am Main niedergeschlagen, die freie Medienplattform linksunten.indymedia.de wegzensiert oder alternative Hausprojekte geräumt/bedroht werden,2 die Angriffe des Systems werden immer schärfer, wogegen eine progressive Opposition in weiter ferne scheint. Wo wir agieren müssten, ziehen wir uns viel zu oft in unsere herbeigeträumten Schutzräume zurück und ergeben uns unreflektiert szenigem Gehabe. Ein Zustand, den ich an dieser Stelle nicht zum ersten Mal kritisiere.3 Es kann schon als zynisch-lachhaft gelten, wie sehr CDU/CSU und AfD im Bündnis mit SPD und Grünen ihre völlig haltlose Extremismusdoktrin vorantreiben,4 wenn daneben die Unfähigkeit der progressiven Kräfte zur Organisation betrachtet wird. In Zeiten wie diesen ist mir viel zu selten nach meinem autonomen Hippie-Punk zumute, egal wie sehr mich Revolutions- und Sozialromantik doch zum Träumen anregen. Wenn uns heute in dieser Realität noch etwas gelingen soll, braucht es dringend eine neue übergreifende Form der Organisierung, die internationalistisch und klassenkämpferisch sein muss.5

Als kunst- und kulturschaffende Person tangiert mich diese Problematik natürlich auch in Bezug darauf, dass ich mir die Frage stellen muss, welchen Beitrag meine Gedichte derzeit noch leisten können. Natürlich werden sie nicht gleich alle aufhören, autonome Hippie-Punk-Lyrik zu sein, und wahrscheinlich werde ich auch weiterhin gerne mal in der einen oder anderen Szenelocation auftreten – ist die autonome Szene doch meine langjährige politische Heimat gewesen. Dennoch muss der Schwerpunkt unweigerlich auf einen (internationalistischen) Klassenkampf verschoben werden, wenn die Gedichte diesen Zeiten gerecht werden sollen. Dies wird optimaler Weise nicht nur in den Texten sondern auch in Kooperationspartner*innen und Zielpublikum deutlich. Um dies zu erreichen, plane ich künftig zweigleisig zu fahren. Ich will mich weiterhin bei ab dafür! records engagieren und mich zugleich bei RedHeadMusic einbringen, um auch im Bereich der Kunst als verbindendes Element zwischen verschiedenen progressiven Strömungen zu wirken. Auch hier glaube ich, dass wir nur als Einheitsfront stark sein können; dass wir trennende Narrative zwischen Marxist*innen und Anarchist*innen überwinden müssen;6 dass wir in Zeiten wie diesen nur in (internationaler) Kooperation zu einer progressiven Opposition gegen die herrschenden Umstände werden können.

Alle Macht den Kommunen!
Keine Macht für irgendwen!

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yo sueño

es la isla del socialismo,
es la isla de la esperanza
y el pueblo espera
al socialismo
y la libertad.

yo estoy aqui, en la isla,
en la isla de la esperanza.
pero no estoy en mi casa,
porque está lejana,
está en tus cercanía.

¡vámonos a la isla!
es la isla de la esperanza.
yo sueño contigo
y con el socialismo
y la libertad.

Creative Commons CC BY-NC-ND by Meas Wolfstatze
(geschrieben am 09.03.2017,
als mp3 downloaden: mit Tobias Thiele)

Sechs Thesen zur Bewegung

Während meines Aufenthalts auf Kuba im März diesen Jahres saß ich am 12.03.2017 abends mit einem Genossen der Interbrigadas zusammen. Im Laufe unseres Gesprächs kristallisierten sich sechs Thesen dazu heraus, wie eine linke Bewegung funktionieren könnte, die ich später in meinem Tagebuch ausformulierte. Ich habe nun beschlossen, diese Gedanken zu teilen, um ihnen eine Chance zu geben, gelesen und weiter durchdacht zu werden:

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Kurzerklärung »Autoritäre/hierarchische Strukturen« (Selbstverständnis des Hausprojekts Wilder Vogel)

Der zweite Text aus dem Selbstverständnis vom Hausprojekt Wilder Vogel beschäftigt sich mit autoritären/hierarchischen Strukturen:

Im Kapitalismus – aber auch in anderen Klassengesellschaften – organisieren sich die Menschen, bedingt durch unterschiedliche ökonomische und/oder soziale Macht, in autoritären/hierarchischen Strukturen, was sich im Großen in einem entsprechenden politischen System mit dazu passenden Institutionen und im Kleinen in Abhängigkeitsverhältnissen zwischen einzelnen Individuen widerspiegelt. Hierarchische Strukturen sind durch ein Machtgefälle geprägte Strukturen, in denen Menschen je nach ihrer Stellung in der Struktur unterschiedliche Möglichkeiten der Einflussnahme haben. Dies führt dazu, dass die Menschen an der Spitze dieser Hierarchie über eine künstliche Autorität verfügen, die ihnen (politische) Macht über jene unter ihnen verleiht. Je tiefer unten mensch in dieser hierarchischen Struktur steckt, desto weniger Einfluss kann innerhalb der gesamten Struktur ausgeübt werden, was dann auch zu weniger Selbstbestimmung und damit entsprechend weniger Freiheiten führt. Hierarchien werden nicht nur durch ökonomische Macht geschaffen. Auch Diskriminierungen wie Rassismus und Sexismus haben noch immer einen großen Einfluss auf die sozialen Machtverhältnisse innerhalb einer gesellschaftlichen Struktur. Dies bedeutet auch für uns im Kleinen, dass wir nicht frei von Hierarchien agieren, sondern uns dieser immer wieder bewusst werden müssen, um sie überwinden zu können.

Prominenteste Vertreter*innen autoritärer/hierarchischer Strukturen sind heutzutage sicherlich die modernen Nationalstaaten, in denen die Macht über Gewaltmonopole und einen herbei fantasierten Gesellschaftsvertrag geordnet und gesichert wird. Das Gewaltmonopol bedeutet, dass nur der Staat Gewalt ausüben darf und dies auch tut, um die Autorität der Herrschenden zu stützen. Der Gesellschaftsvertrag ist ein Konstrukt, welches der Legitimation der hierarchischen Struktur dient. Er soll uns vorgaukeln, wir hätten zugestimmt, am unteren Ende der Hierarchie zu stehen. Der dafür versprochene Schutz soll wiederum durch das Gewaltmonopol gesichert werden. Generell stehen alle autoritären/hierarchischen Strukturen einer freiheitlichen Gesellschaft entgegen.

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Das Selbstverständnis (V20170125) steht unter der Creative Commons CC BY-NC-ND-Lizenz by Hausprojekt Wilder Vogel e.V.

abgeschrieben: Die Qual mit der Wahl

»Ein Diskussionspapier der North-East Antifascists Berlin, 2016«, das es auch nach der Wahl in Berlin noch sehr zu lesen lohnt:

Die Qual mit der Wahl

Es ist wieder so weit: der Wahlkampf läuft! Und für die radikale Linke* (s. Anm.) stellt sich die Frage, was sie damit anstellt. Reaktionäre und rassistische Kräfte präsentieren ihre Menschenverachtung auf Plakaten und an unzähligen Infoständen, so dass wir als radikale Linke mit der »kreativen Umgestaltung« dieser Plakate und dem Protest gegen jene Wahlkampfstände kaum hinterher kommen. Die Zeit für eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Thema »Wahlen« bleibt meist nur bei abendlichen Tresengesprächen. Doch auch im Zusammenhang mit der Frage nach gesellschaftlicher sozialrevolutionärer Veränderung muss die Rolle von Parteien und Parlamenten diskutiert werden.

Gibt es eine Dialektik von Reform und Revolution? Können und sollten revolutionäre Kräfte an bürgerlichen Wahlriten teilnehmen? Und wie sieht unser pragmatisches Verhältnis zu bestehenden linken Parteien/ parlamentarischen Bündnissen aus?

Mit diesem Text wollen wir eine linksradikale Position zum ganzen Wahlspektakel formulieren und zum Nachdenken und Diskutieren anregen. So divers die bestehenden Meinungen sind, so dringend notwendig ist eine Auseinandersetzung darüber, wenn proto-faschistische Parteien wie die »Alternative für Deutschland« (AfD) Wahl für Wahl in weitere Parlamente einziehen und die fortschreitende Faschisierung gesellschaftlicher Diskurse und die weitergehende Etablierung rechter Machtteilhabe in Parlamenten, Ausschüssen, etc. kein Ende zu nehmen scheint. Dieses Papier entsteht im Kontext der bevorstehenden Berliner Abgeordnetenhaus- und Bezirkswahlen im September 2016, der bevorstehenden Bundestagswahl 2017, sowie zahlreichen weiteren lokalen und regionalen Wahlen.

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100 Jahre nach den anarchosyndikalistischen Arbeitskämpfen auf der Insel: Worauf steuert Kubas Gesellschaft heute zu?

Anarchismus auf Kuba

Eine Veranstaltung meiner Genoss*innen bei der FAU Berlin am 28.08.2016 ab 19:00 Uhr im FAU-Gewerkschaftslokal (Grüntaler Straße 24, 13357 Berlin):

100 Jahre nach den anarchosyndikalistischen Arbeitskämpfen auf der Insel: Worauf steuert Kubas Gesellschaft heute zu?
Fidel Castro feierte gerade seinen 90. Geburtstag und sein Bruder Raúl ist noch immer an der Macht. Die Eiszeit mit den USA scheint vorüber, eine Annäherung wird immer schneller vollzogen. Die (staats-)kapitalistischen Reformen auf der Insel entfalten immer mehr Wirkung.

Ein Genosse des Taller Libertario Alfredo López (TLAL), der einzigen anarchistischen Gruppierung auf Kuba heutzutage, berichtet von den Anfängen des Anarchosyndikalismus auf Kuba und schlägt eine Brücke zu den aktuellen Prozessen auf der Insel, insbesondere im Bereich des Arbeitsrechts und auf gesellschaftlicher Ebene.

Vortrag mit Übersetzung und anschließender Diskussion.

Eine Veranstaltung des Anarchistischen Radios Berlin (aradio.blogsport.de) in Kooperation mit der FAU Berlin.

Vivir la Utopía – Die Utopie leben

2016-07-26-vivir-la-utopia-CNTDiesen Juli jährt sich der Beginn des Spanischen Bürgerkrieges zum 80. Mal. Ein Anlass, zu dem es im Lichtblick Kino eine Filmreihe mit dem Titel »A las Barricadas – Bürgerkrieg und Revolution in Spanien 1936–1939« gibt, bei der auch der Film »Memoria Viva – Lebendige Erinnerung« zum ersten Mal gezeigt wird. Auch die Fachschaftsinitiative (FSI) Geschichte an der »Freien« Universität Berlin greift im Rahmen des Histo-Kinos in diesem Monat die Thematik auf. Gezeigt wird der Film »Vivir la Utopía«. Dazu gibt’s 'nen kleinen Input von mir. Das ganze findet am Dienstag den 26.07.2016 ab 20:00 Uhr im Projektraum H48 (Hermannstr. 48, 12049 Berlin) statt. Ich würde mich freuen, wenn ihr da vorbei schauen mögt.

Aus dem Teaser der FSI Geschichte:
DIE UTOPIE LEBEN behandelt die Spanische Revolution und wirft einen Blick auf die anarchistische Bewegung in Spanien. Der Film zeigt bislang wenig bekannte Seiten der radikalen gesellschaftlichen Veränderungen, die sich während des Bürgerkriegs von 1936 bis 1939 in den republikanischen Gebieten zutrugen.

Darum geht’s: Zeitzeug_innen aus den Reihen des spanischen Anarchismus berichten über ihre Erfahrungen. Gesprächspartner sind 30 Überlebende der Spanischen Revolution aus allen Teilen des Landes. Sie waren alle in der anarchistischen und anarcho-syndikalistischen Bewegung aktiv und hatten verschiedene Aufgaben und Verantwortungsbereiche. Viele von ihnen lebten 1997 noch im Exil in Frankreich, Kanada, Mexiko und Venezuela. Sie sind eigens nach Spanien gekommen, um Zeugnis abzulegen.

Der Dokumentarfilm gibt einen Überblick über die Geschichte der anarchistischen Bewegung seit dem 19. Jahrhundert, die Gründung der CNT (Confedéración Nacional del Trabajo) und der FAI, die Rolle von Kultur und Erziehung, die Vielfalt der Ideen und Aktivitäten im Vorfeld der Zweiten Republik, den Staatsstreich der Militärs, der sowohl einen Krieg als auch eine Revolution auslöste, und insbesondere über die Einrichtung und das Funktionieren der Kollektivbetriebe in den ländlichen und städtischen Gebieten. Er schließt mit der Niederlage des republikanischen Lagers im Jahre 1939, die der Revolution ein Ende bereitete.

Veranstaltung ist kostenfrei und barrierearm zu erreichen. Für kühle Getränke ist gegen Spende gesorgt.

PROJEKT A – Eine Reise zu anarchistischen* Projekten in Europa

Ein Film, den ich heute gesehen habe und unbedingt weiter empfehlen möchte: »PROJEKT A – Eine Reise zu anarchistischen* Projekten in Europa«