{"id":4096,"date":"2015-03-01T14:03:02","date_gmt":"2015-03-01T12:03:02","guid":{"rendered":"http:\/\/tintenwolf.mrkeks.net\/?page_id=4096"},"modified":"2015-11-27T10:36:17","modified_gmt":"2015-11-27T08:36:17","slug":"2014-10-09-das-konzept-der-stadtguerilla-in-uruguay-fabian-bennewitz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tintenwolf.mrkeks.net\/es\/satex\/2014-10-09-das-konzept-der-stadtguerilla-in-uruguay-fabian-bennewitz\/","title":{"rendered":"Das Konzept der Stadtguerilla in Uruguay \u2013 Weiterentwicklung des kubanischen Guerillamodells oder neuer urbaner Terrorismus? (von Fabian Bennewitz)"},"content":{"rendered":"<p><em>Art des Textes: Bachelorarbeit<br \/>\nUrheber: Fabian Bennewitz<br \/>\nErstbetreuer: Univ.-Prof. Dr. Arnd Bauerk\u00e4mper<br \/>\nZweitbetreuerin: Jun.-Prof. Dr. Debora Gerstenberger<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 lang=\"de-DE\">Gliederung<\/h1>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2570_1083986154\">1 Einleitung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2572_1083986154\">2 Theoretische und methodische Grundlagen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2574_1083986154\">3 El foco de las guerrillas \u2013 Die Guerillatheorie von Guevara und Debray<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2576_1083986154\">3.1 Voluntarismus versus \u00bbobjektive Revolutionsvoraussetzungen\u00ab<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2578_1083986154\">3.2 Der aufst\u00e4ndische Fokus und die Etappen des Guerillakrieges<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2580_1083986154\">3.3 Operationsgebiet und Revolutionstr\u00e4ger<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2582_1083986154\">4 Guerilla urbana: Das Konzept des movimiento de liberaci\u00f3n nacional &#8211; Tupamaros<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2584_1083986154\">4.1 Der urbane Raum als Revolutionsherd<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2586_1083986154\">4.2 Die Mehrfachfunktion des bewaffneten Kampfes<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2588_1083986154\">4.3 Das Prinzip der coyuntura<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2590_1083986154\">5 Von der Land- zur Stadtguerilla: Einordnung des Guerillamodells des MLN-T<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2592_1083986154\">5.1 Adaptionen und Weiterentwicklungen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2594_1083986154\">5.2 Differenzen zwischen den beiden Guerilla-Konzepten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2596_1083986154\">5.3 Typologische Analyse<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2598_1083986154\">5.3.1 Funktion der Gewalt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2600_1083986154\">5.3.2 Soziale Unterst\u00fctzung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2602_1083986154\">5.3.3 Territorialer Faktor<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2604_1083986154\">6 Fazit<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2606_1083986154\">Quellen- und Literaturverzeichnis<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2608_1083986154\">I Quellen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__2610_1083986154\">II Literatur<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#__RefHeading__8231_384030575\">Fu\u00dfnoten<\/a><\/p>\n<h1 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\"><a name=\"__RefHeading__2570_1083986154\"><\/a> 1 Einleitung<\/h1>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Lateinamerika wird oft die Heimat der Guerilla genannt. Auch wenn der Guerillakrieg<a href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> schon wesentlich fr\u00fcher erprobt wurde, kam es in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Anstieg an revolution\u00e4ren, bewaffneten Bewegungen in dieser Gro\u00dfregion, die durch irregul\u00e4re Kriegsf\u00fchrung nationale Unabh\u00e4ngigkeit und meist eine sozialistische Ver\u00e4nderung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung durchsetzen wollten. Lateinamerika stellte mit seinen extremen sozialen Gegens\u00e4tzen, chronisch korrupten Eliten und den dominierenden USA ein revolution\u00e4res Pulverfass dar. Der Sieg der Revolution\u00e4re um Fidel Castro und Ernesto \u00bbChe\u00ab Guevara nach einer fast zweij\u00e4hrigen Guerillakampagne gegen das Batista-Regime und die Gr\u00fcndung der sozialistischen Republik Kuba hatten eine enorme Ausstrahlung auf Revolution\u00e4re in der ganzen Welt, besonders nat\u00fcrlich auf die lateinamerikanische Linke. Die kubanische Revolution genoss ein immenses Prestige in der lateinamerikanischen Linken und so war es kaum verwunderlich, dass die revolution\u00e4ren Strategien Kubas eifrig adaptiert wurden. Dazu trug auch die aktive Propagierung des kubanischen Revolutions- bzw. Guerillamodells durch die kubanische Regierung bei: Sie diente vor allem der Steigerung des Einflusses in Lateinamerika und der Etablierung von Havanna als drittem Zentrum der weltweiten sozialistischen Bewegung neben Moskau und Peking.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die zun\u00e4chst von Che Guevara formulierte Guerillatheorie, die sp\u00e4ter vom franz\u00f6sischen Philosophen R\u00e9gis Debray aufbereitet und weiter generalisiert wurde, wurde von Havanna publiziert und in einer gro\u00dfen Auflage gedruckt und verteilt. So bildeten sich \u2013 oft in Abgrenzung zu den offiziellen Kommunistischen Parteien \u2013 in solch verschiedenen L\u00e4ndern wie Guatemala, Venezuela, Kolumbien, Peru und Argentinien bewaffnete Gruppen, die dem Beispiel Kubas folgen wollten. Nachdem Che Guevara bei der praktischen Umsetzung seiner Guerilladoktrin in Bolivien 1967 erschossen wurde und die dortige Guerillakampagne misslang \u2013 ein Schicksal, das die meisten aktiven Gruppen der 1960er Jahre teilten \u2013 ebbte die erste Guerillawelle nach kubanischem Vorbild ab.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Im Anschluss an das bolivianische Fanal machte eine andere Gruppe auf sich aufmerksam: das <em>movimiento de liberaci\u00f3n nacional &#8211; Tupamaros<\/em> (MLN-T). Die Gruppe, die sich um den Jurastudenten Ra\u00fal Sendic seit Anfang der 1960er Jahre gebildet hatte, entstand in Uruguay, dem Land, welches nicht einmal von den gl\u00fchendsten Verfechtern der Guerillastrategie als m\u00f6gliches Operationsgebiet in Betrachtung gezogen worden war. Schlie\u00dflich schien in diesem kleinen Land, das oft als die \u00bbSchweiz Lateinamerikas\u00ab bezeichnet wurde, mit seiner recht stabilen Demokratie und einer entwickelten Sozialgesetzgebung, keine akute revolution\u00e4re Situation zu existieren. Auch konnte Uruguay keine gro\u00dfen unerschlossenen Gebiete vorweisen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Das MLN-T entschied sich mit dem urbanen Gro\u00dfraum von Montevideo f\u00fcr ein v\u00f6llig neues Kampffeld. Hier gelang es den Tupamaros, vor allem von 1968 bis zu ihrer Zerschlagung durch das Milit\u00e4r 1972, den uruguayischen Staat in mitten seines Zentrums in Bedr\u00e4ngnis zu bringen, immer wieder Erfolge gegen die Sicherheitskr\u00e4fte zu erzielen und gro\u00dfe Sympathien in der Bev\u00f6lkerung zu ernten. Die Gruppe gilt somit als eine Begr\u00fcnderin der Stadtguerilla \u2013 ein revolution\u00e4res Konzept, das die Tupamaros laut dem Guerillaexperten Fritz Ren\u00e9 Allemann beinahe zur Perfektion entwickelten und das er als die elaborierteste und erfolgreichste Form der Guerilla in Lateinamerika bezeichnet.<a href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> Anders als die klassische Guerilla schien das Konzept der Stadtguerilla auch in Industriel\u00e4ndern praktikabel und so formierten sich vor allem in Westeuropa bewaffnete Gruppen, die dem lateinamerikanischen Vorbild folgten, und sich \u2013 wie etwa die Tupamaros M\u00fcnchen oder die Tupamaros West-Berlin \u2013 sogar namentlich auf die uruguayische Bewegung bezogen, selten jedoch \u00fcber den Kleingruppenstatus hinauskamen. Gerade auf Grund dieser Ausstrahlung weit \u00fcber die Grenzen ihres Aktionsfeldes ist die Besch\u00e4ftigung mit den Tupamaros von besonderer Relevanz, handelt es sich hierbei doch nicht um nur einen weiteren Gewaltakteur unter vielen in einer konfliktreichen Gro\u00dfregion, sondern um einen wichtigen theoretisch-strategischen Impulsgeber f\u00fcr revolution\u00e4re Gruppen weltweit. Stadtguerilla als Strategie steht gerade in der Bundesrepublik Deutschland f\u00fcr Terrorismus, da auch die Rote Armee Fraktion diesen Ausdruck als Selbstbeschreibung nutzte. In Uruguay besa\u00df die Stadtguerilla trotz teils \u00e4hnlicher Praktiken eine ganz andere Dimension, dennoch wird das MLN-T in der Gewalt- und Terrorismusforschung meist als in Abgrenzung zu ihren Vorg\u00e4ngern nicht als Guerillaorganisation, sondern als terroristische Gruppierung gef\u00fchrt.<a href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Wie ist das Konzept der uruguayischen Stadtguerilla also einzuordnen? Diese Arbeit soll der Frage nachgehen, ob und inwiefern sich das Konzept des MLN-T direkt aus der kubanischen Guerillatheorie entwickelte, also eine Variation oder Weiterentwicklung der lateinamerikanischen Guerilla darstellt oder eher als Bruch mit der Guerillatheorie und als Konzept mit weitgehender terroristischer Aktionsstrategie anzusehen ist, was die Klassifizierung als terroristische Gruppe best\u00e4tigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Auch in der Forschung ist diese Frage umstritten. Fritz Allemann sieht in \u00bbMacht und Ohnmacht der Guerilla\u00ab die Guerillastrategie an sich sehr kritisch, Stadtguerilla sieht er als \u00bbFlucht in den Terror\u00ab, den Tupamaros attestiert er jedoch gro\u00dfe Effizienz und Erfolg. Ein anderer wichtiger Beitrag ist Robert Lambergs \u00bbDie castristische Guerilla\u00ab<a href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a>, in der die Stadtguerilla ebenso als terroristisch und bis auf die Tupamaros auch als irrelevant bezeichnet wird. Auch der Terrorismusexperte Walter Laqueur spricht in seinem Werk generell eher von \u00bburban terror\u00ab als von Stadtguerilla.<a href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> Der Uruguayer Arturo Porzecanski widmet den Tupamaros eine sehr detaillierte Monographie<a href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> und kommt zu dem Schluss, dass das MLN-T wichtige neue Aspekte f\u00fcr revolution\u00e4re Bewegungen lieferte und hebt vor allem den sehr politischen Ansatz der \u00bbsozialen Bewegung\u00ab, wie er die Organisation auf Grund ihrer Verankerung nennt, hervor. Alain Labrousse sieht die Gruppe in seinem Werk \u00bbDie Tupamaros. Stadtguerilla in Uruguay\u00ab<a href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> auch eher als eine weit entwickelte militante Volksbewegung, da sie sich auf enge Verbindungen zur legalen, gesellschaftlichen Linken st\u00fctzen konnte. Er ist jedoch sehr skeptisch, was eine eventuelle Vereinigung der Tupamaros und der radikalisierten Gesellschaftsschichten angeht.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">W\u00e4hrend all diese Forschungsbeitr\u00e4ge in den 1970er Jahren erschienen, sind aktuellere Besch\u00e4ftigungen mit dem Thema eher selten: Der Band \u00bbSozialrevolution\u00e4rer Terrorismus\u00ab<a href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a>, herausgegeben von Alexander Stra\u00dfner im Jahr 2008, liefert hier vor dem Hintergrund einer ver\u00e4nderten politischen Weltlage und neuen Forschungsmethoden wichtige Anst\u00f6\u00dfe. So zum Beispiel Nina Huth\u00f6fer, die die These vertritt, die Radikalisierung und die fortschreitende Gewaltbereitschaft der Tupamaros h\u00e4tten zur Niederlage gef\u00fchrt, da die Organisation, der sie einen erstaunlichen Erfolg in ihrer terroristischen Strategie zubilligt, sich so von der Bev\u00f6lkerung entfremdete.<a href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\">9<\/a> Zu den Tupamaros liegt eine breite Auswahl an Literatur vor, wie das Ph\u00e4nomen ihres Stadtguerillakonzeptes einzuordnen ist, wurde bisher jedoch nicht abschlie\u00dfend beantwortet. Eine genauere Betrachtung des Konzepts des MLN-T ist auch deswegen gewinnbringend, da dies eventuell eine andere Perspektive auf verwandte Gruppierungen, die sich auch als Stadtguerilla bezeichneten, herstellen k\u00f6nnte. So w\u00e4re es m\u00f6glich, deren strategische Konzeptionen in Relation zu den Theorien des MLN-T zu setzen, was interessante R\u00fcckschl\u00fcsse \u00fcber das Wesen dieser Gruppen zu Tage f\u00f6rdern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Um der Frage der Einordnung der Tupamaros als Spielart bzw. Weiterentwicklung des kubanischen Guerillamodells oder aber als etwas qualitativ Neues, als terroristische Gruppierung, gewissenhaft nachgehen zu k\u00f6nnen, ist es wichtig, zun\u00e4chst die theoretisch-methodischen Grundlagen dieser Arbeit etwas ausf\u00fchrlicher darzustellen. In Kapitel zwei wird deshalb in das typologische Schema Peter Waldmanns eingef\u00fchrt, um anschlie\u00dfend die grundlegenden Quellen der vorzunehmenden Analyse vorzustellen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Um das Konzept der Tupamaros im Kontext der lateinamerikanischen bzw. kubanischen Guerillatradition zu untersuchen, ist es unumg\u00e4nglich, zun\u00e4chst die von Guevara und Debray entwickelte Guerillatheorie kurz vorzustellen und ihre wesentlichen strategischen Ziele darzustellen. Dabei wird zuerst auf die neuen, voluntaristischen Elemente der kubanischen Ideologie eingegangen, um danach das Etappenmodell der sogenannten Fokus-Theorie zu erl\u00e4utern. Im folgenden Teil soll mittels der bereits genannten Quellen, Theorie und Methodik der Stadtguerilla in Uruguay skizziert werden: Eingegangen wird hier insbesondere auf das Operationsgebiet Stadt und den Zusammenhang politischen und milit\u00e4rischen Vorgehens. In einem zusammenfassenden Vergleich werden anschlie\u00dfend Br\u00fcche und Kontinuit\u00e4ten der revolution\u00e4ren Theorie analysiert und so die essenziellen Elemente der Guerillatheorie der Tupamaros herausgearbeitet. In einem weiteren Schritt soll daraufhin Peter Waldmanns typologisches Schema der organisierten Gewaltanwendung gegen den Staat auf die Spezifika der uruguayischen Guerillatheorie angewandt werden, um so abschlie\u00dfend zu einer Einordnung und Bewertung des Modells zu gelangen.<\/p>\n<h1 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2572_1083986154\"><\/a> 2 Theoretische und methodische Grundlagen<\/h1>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">In den Medien wird zwischen Terrorismus, Terror und Guerillakriegsf\u00fchrung selten genau unterschieden.<a href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a> Auch in der Forschung ist dies nicht immer der Fall. Ein Grund daf\u00fcr ist, dass die Terrorismusforschung ein sehr politisiertes somit auch subjektiviertes Feld ist. In offiziellen Statements der jeweiligen Regierungen wird zwischen Terrorismus und Guerillakrieg kaum differenziert, meist jedoch wird der Ausdruck \u00bbTerrorist\u00ab zur Beschreibung von staatsfeindlichen Gewaltakteuren gew\u00e4hlt, da dieser weitaus negativer konnotiert ist als \u00bbGuerillero\u00ab. Die gegen den Staat k\u00e4mpfende Gruppe wird sich hingegen selbst immer eher als \u00bbFreiheitsk\u00e4mpfer\u00ab oder \u00bbGuerilleros\u00ab stilisieren. Diese gewollte Unsch\u00e4rfe wirkt sich dabei auch auf die Forschung aus. Eine Einteilung bestimmter Gewaltakteure in die Kategorien Terrorismus oder Guerilla sollte also nicht durch subjektiv-moralisches Urteilen vorgenommen werden, vielmehr muss auf eine andere Methode zur\u00fcckgegriffen werden. Die wohl pr\u00e4gnanteste findet sich bei Peter Waldmann.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Der Augsburger Soziologe ist Autor des bereits in dritter Auflage erschienenen Standardwerks \u00bbTerrorismus. Provokation der Macht\u00ab, in welchem er in bahnbrechender Weise den Terrorismus als kommunikative Praktik analysiert. Entsprechend kann dieser auch von verwandten Ph\u00e4nomenen \u2013 wie dem Guerillakrieg \u2013 abgegrenzt und Gewalt gegen den Staat mittels verschiedener Kategorien typologisiert werden. Im Aufsatz \u00bbTerrorismus und Guerilla\u00ab<a href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a> entwirft Waldmann ein typologisches Schema, welches f\u00fcr die vorzunehmende Analyse der Tupamaros von gro\u00dfer Wichtigkeit ist. Die Kategorien zur Unterscheidung von Terrorismus und Guerillakriegsf\u00fchrung sind nach Waldmann a) die Funktion der Gewalt gegen den Staat, b) die soziale Unterst\u00fctzung der ausf\u00fchrenden Gruppierung, c) der territoriale Faktor und d) die Dynamik der Bewegung.<a href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> Die Gewaltanwendung kann Waldmann zu Folge einer milit\u00e4rischen Logik folgen, welche die anf\u00e4ngliche Schw\u00e4che durch die irregul\u00e4re Kampfweise auszugleichen und die gegnerische Seite nach und nach milit\u00e4risch niederzuwerfen sucht. Dies w\u00e4re das Vorgehen einer Guerillabewegung. Eine terroristische Strategie liegt hingegen vor, wenn die Gewalt nicht unmittelbar milit\u00e4rischen Zwecken dient, sondern vielmehr auf Symbole des Staates zielt. Auch wenn die physische Zerst\u00f6rung verheerend sein kann, ist sie nicht Prim\u00e4rzweck der Attacke. Wichtiger ist dem Terroristen hierbei die psychologische Wirkung, also die Erzeugung einer Atmosph\u00e4re von Angst und die Diskreditierung des Staates als machtlos. Der Staat soll zu \u00dcberreaktionen provoziert und somit die \u00bbGegengewalt\u00ab der Terroristen als legitim dargestellt werden. Letztendlich sollen Regierung und Bev\u00f6lkerung so voneinander entfremdet werden, dass sich letztere den Terroristen anschlie\u00dft und die Regierung zu Fall bringt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Der zweite Faktor ist die soziale Unterst\u00fctzung der bewaffneten Gruppe. W\u00e4hrend Terroristen hoch konspirativ handeln m\u00fcssen und durch ihre Gewaltaus\u00fcbung oft von der Bev\u00f6lkerung entfremdet sind und somit nur \u00fcber eine kleine Unterst\u00fctzerbasis \u2013 meist bei radikalen Intellektuellen der b\u00fcrgerlichen Mittelschicht \u2013 verf\u00fcgen, ist das Kennzeichen der Guerilla der direkte Kontakt mit der Bev\u00f6lkerung, meist auf dem Land. Um milit\u00e4risch \u00fcberhaupt handlungsf\u00e4hig zu sein, braucht die Guerilla die Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung, die sich von der Guerillakampagne eine direkte Verbesserung ihrer Lebensumst\u00e4nde erhofft, um Lebensmittel, R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten, genaue Ortskenntnisse, Informationen und Rekruten zu bekommen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Der dritte wichtige Punkt ist die territoriale Basis der \u00bbbewaffneten Avantgarde\u00ab. Der Terrorist lebt davon, nirgends auffindbar zu sein und \u00fcberall jederzeit zuschlagen zu k\u00f6nnen \u2013 was die Verbreitung von Angst und Unsicherheit zweifelsohne erh\u00f6ht. Er lebt konspirativ innerhalb der zu bek\u00e4mpfenden Gesellschaft. Der Guerillero hingegen muss \u00fcber eine Basis verf\u00fcgen, meist in schwierig erreichbarem Gel\u00e4nde, von wo er Angriffe startet und sich zur\u00fcckziehen kann. Das Gel\u00e4nde soll gehalten werden und dort bereits eine revolution\u00e4re neue Staatlichkeit entstehen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Kategorie d) betrifft die Dynamik der Bewegung. Hier geht Waldmann davon aus, dass die historische Erfahrung zeige, dass Guerillakampagnen erfolgreich verlaufen k\u00f6nnen, Terroristen aber nie eine Revolution erreichen konnten, sondern dass die terroristische Strategie durch eine Versch\u00e4rfung der Repressionsgesetze und eine Einsch\u00fcchterung der Bev\u00f6lkerung sogar kontraproduktiv sei. Da jedoch das Typologisieren einer bewaffneten politischen Gruppe a priori an Hand angenommener \u2013 oder auch tats\u00e4chlicher \u2013 Erfolgsaussichten wenig \u00fcberzeugend erscheint, sollen f\u00fcr die Einordnung des MLN-T nur Waldmanns Punkte a &#8211; c zur Anwendung kommen, welche zudem auch schl\u00fcssiger mit den dieser Arbeit zu Grunde liegenden theoretischen Quellen korrespondieren.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die zur Verf\u00fcgung stehenden Quellen bei der Besch\u00e4ftigung mit revolution\u00e4ren bewaffneten Gruppen lassen sich grob in zwei Hauptfelder einteilen. Einerseits liegen an die \u00d6ffentlichkeit gerichtete Publikationen vor, die die eigenen Aktionen rechtfertigen und erkl\u00e4ren sollen, andererseits existieren \u2013 gerade bei klandestinen Gruppen \u2013 schwerer zug\u00e4nglicher interner Schriftverkehr, Anweisungen und Propaganda.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Diese Arbeit will die theoretisch-strategische Konzeption zweier Typen revolution\u00e4rer Bewegungen untersuchen, und so ist es naheliegend, dass sich vor allem auf Schriften zur Guerillatheorie und strategische Kommuniqu\u00e9s gest\u00fctzt wird. Hierbei wird von der Pr\u00e4misse ausgegangen, dass der theoretische Output einer sozialrevolution\u00e4ren Bewegung, der sich bei den beiden zu behandelnden Typen meist an Guerillamitglieder, (potenzielle) Sympathisanten und die interessierte \u00d6ffentlichkeit richtet, f\u00fcr die jeweilige revolution\u00e4re Praxis von gro\u00dfer Relevanz ist, da jene nicht allzu sehr von den theoretischen Verlautbarungen abweichen darf, um nicht unglaubw\u00fcrdig zu erscheinen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Wie in der Einleitung bereits angeklungen, existiert zum kubanischen Guerillamodell eine Vielzahl an theoretischen Texten. Grundlegende Texte sind hier zum Beispiel Che Guevaras \u00bbDer Guerillakrieg\u00ab, \u00bbGuerillakrieg: eine Methode\u00ab und seine Botschaft an die Trikontinale \u00bbSchaffen wir ein, zwei, viele Vietnam\u00ab<a href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a>, sowie \u00bbRevolution in der Revolution?\u00ab<a href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a> von R\u00e9gis Debray. In diesen Werken ziehen die Autoren Lehren aus der kubanischen Guerillakampagne und formulieren eine vollst\u00e4ndige Revolutions- und Guerillatheorie. Die Tupamaros verf\u00fcgten weder in \u00e4hnlichem Ma\u00dfe \u00fcber ideologische F\u00fchrer wie die kubanisch inspirierten Guerillagruppen, noch gaben sie gro\u00dfe theoretische Abhandlungen \u00fcber den bewaffneten Kampf heraus. Dies ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass die Tupamaros \u2013 anders als die kubanischen Revolution\u00e4re \u2013 sich nicht nach Eroberung der Regierungsgewalt auf einen Staat zur Verbreitung ihrer Ideen st\u00fctzen konnten. Andererseits war das Verzichten auf gr\u00f6\u00dfere theoretische Traktate durchaus eine bewusste Entscheidung der Gruppe: Sie hofften dadurch zum einen dem Sektierertum innerhalb der Linken entgehen zu k\u00f6nnen, andererseits gingen sie pragmatisch davon aus, dass die Theorie letztlich aus der Praxis der bewaffneten Aktion hervorgehen w\u00fcrde.<a href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Selbstverst\u00e4ndlich verf\u00fcgten sie dennoch \u00fcber theoretisch-strategische Dokumente. Die \u00bbActas tupamaras\u00ab ist eine von der Gruppe herausgegebene Selbstdarstellung und Beschreibung der wichtigsten Aktionen. Eine gek\u00fcrzte ins Deutsche \u00fcbertragene Ausgabe mit dem Titel \u00bbWir, die Tupamaros\u00ab erschien 1974 im Rotbuch-Verlag.<a href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> Eine Zusammenstellung der Kommuniqu\u00e9s und Dokumente des MLN-T erschien bereits 1971 unter dem Titel \u00bbTupamaros. Antolog\u00eda documental\u00ab<a href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a>. Gesammelt und herausgegeben wurden diese wertvollen Quellen vom mexikanischen <em>centro intercultural de documentaci\u00f3n<\/em> (CIDOC). 1973 folgte dann die \u00bbDocumentaci\u00f3n propia\u00ab in der belgischen Reihe <em>information documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine<\/em> (INDAL), welche sich durch eine hohe \u00dcbersichtlichkeit auszeichnet und auf die sich diese Arbeit ma\u00dfgeblich st\u00fctzt.<a href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a> Eine \u00e4hnliche, jedoch weniger ausf\u00fchrliche Zusammenstellung liefert das <em>centro de documentaci\u00f3n de los movimientos armados<\/em> (CEDEMA), welches sich die Erforschung bewaffneter Bewegungen in Lateinamerika zur Aufgabe gemacht hat und auf dessen Website die Dokumente zum Download bereit stehen.<a href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a> Die Thesen dieser Arbeit st\u00fctzen sich ma\u00dfgeblich auf zwei strategische Dokumente des MLN-T: Das sogenannte <em>documento no. 1<\/em> von 1967, d.h. aus einem relativ fr\u00fchen Stadium, und das <em>documento no. 5<\/em> aus dem Jahre 1971, als die Bewegung auf dem H\u00f6hepunkt ihres Einflusses war. Beide Dokumente liefern wichtige Gesellschaftsanalysen und grundlegende milit\u00e4rische und politische Theorien des MLN-T.<a href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a> Weitere theoretische Beitr\u00e4ge zur Stadtguerilla, welche die Tupamaros rezipierten ist Abraham Guill\u00e9ns \u00bbStrategie der Stadtguerilla\u00ab von 1966.<a href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a> Sicherlich hatte auch Carlos Marighellas \u00bbMinihandbuch des Stadtguerilleros\u00ab Einfluss auf das MLN-T, doch ist es \u2013 wie der Name schon sagt \u2013 eher eine Ansammlung von Hinweisen und ein Praxisleitfaden f\u00fcr den Stadtguerillero als eine theoretische Ann\u00e4herung an das Ph\u00e4nomen und bleibt somit f\u00fcr diese Arbeit unerheblich.<\/p>\n<h1 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2574_1083986154\"><\/a> 3 <em>El foco de las guerrillas<\/em> \u2013 Die Guerillatheorie von Guevara und Debray<\/h1>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die Erfahrungen der kubanischen Revolution fasste Che Guevara in seinen ber\u00fchmten \u00bbdrei Lehren aus Kuba\u00ab zusammen:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><em>\u00bb1. Die Kr\u00e4fte des Volkes k\u00f6nnen einen Krieg gegen eine regul\u00e4re Armee gewinnen. 2. Nicht immer muss man warten, bis alle Bedingungen f\u00fcr eine Revolution gegeben sind, der aufst\u00e4ndische Fokus kann solche Bedingungen selbst schaffen. 3. Im unterentwickelten Amerika m\u00fcssen Schauplatz des bewaffneten Kampfes grunds\u00e4tzlich die l\u00e4ndlichen Gebiete sein.\u00ab<\/em><a href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Diese Leits\u00e4tze stellen bereits den Kern seiner Guerillatheorie dar und sollten auf alle lateinamerikanischen L\u00e4nder \u00fcbertragbar sein. R\u00e9gis Debray sollte Guevaras Thesen noch weiter generalisieren und philosophisch untermauern, die Kernaussagen blieben dabei jedoch weitgehend unver\u00e4ndert. Im Folgenden soll nun kurz auf die einzelnen Aspekte der Theorie eingegangen werden, wobei zun\u00e4chst das voluntaristische Prinzip beleuchtet wird, um anschlie\u00dfend auf die Idee des aufst\u00e4ndischen Fokus einzugehen.<\/p>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\"><a name=\"__RefHeading__2576_1083986154\"><\/a> 3.1 Voluntarismus versus \u00bbobjektive Revolutionsvoraussetzungen\u00ab<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die ersten beiden Thesen sind klar gegen die von Che Guevara als \u00bbPseudorevolution\u00e4re\u00ab bezeichneten traditionellen Vertreter der revolution\u00e4ren Linken, also meist die F\u00fchrer der Kommunistischen Parteien, gerichtet.<a href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a> Deren Warnung, dass eine regul\u00e4re Armee vom Volk nicht milit\u00e4risch zu besiegen sei, sieht er durch die Geschehnisse auf Kuba als widerlegt an. Auch die klassische marxistische Argumentation, dass vor einer Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse zun\u00e4chst die objektiven und subjektiven Revolutionsvoraussetzungen geschaffen werden m\u00fcssen, das hei\u00dft, dass durch politische Arbeit das Klassenbewusstsein des Proletariats einen solchen Grad erreicht haben muss und die Polarisierung der Gesellschaft in Kombination mit einer Krise des Kapitalismus die bewaffnete \u00dcbernahme des Staates unausweichlich macht, wird als Passivit\u00e4t zur\u00fcckgewiesen. Das Aussch\u00f6pfen aller legalen Mittel und somit das lange Warten darauf, dass die Revolutionsbedingungen sich endlich einstellen, wertet Guevara als Opportunismus einer Funktion\u00e4rselite, die in Wahrheit von ihrer Stellung als Berufspolitiker im herrschenden System profitiert.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Diese Stellungnahme gegen die etablierten Kommunistischen Parteien und damit auch gegen die Strategie der Sowjetunion, vor allem aber der eigentlich unmarxistische Voluntarismus der Thesen, stellt einen wichtigen Bruch in der Revolutionstheorie dar. Statt der revolution\u00e4ren Organisierung der Arbeiterklasse, soll eine relativ kleine Gruppe von bewaffneten Berufsrevolution\u00e4ren die Bedingungen der Revolution selbst schaffen. Guevara geht sogar so weit zu behaupten, 30 bis 50 Guerilleros k\u00f6nnten in jedem beliebigen Land Lateinamerikas mit dem bewaffneten Kampf beginnen und so eine Revolution vorbereiten.<a href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a> Der absolute F\u00fchrungsanspruch der Guerilla, den Guevara bereits fordert, wird von Debray noch vehementer postuliert:<a href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a> Die Guerilla ersetze Partei und Massenkampf, sie sei au\u00dferdem der Nucleus der zuk\u00fcnftigen Kommunistischen Partei und k\u00f6nne deshalb unabh\u00e4ngig von den bestehenden Parteien operieren. Die Organisation der Guerilla m\u00fcsse dabei der Gr\u00fcndung der revolution\u00e4ren Partei voraus gehen, denn nur im bewaffneten Kampf kristallisiere sich die wahre Avantgardepartei heraus \u2013 nur durch das Primat der Guerilla \u00fcber die Partei ist es m\u00f6glich, dem politischen Stillstand zu entkommen und die Massen zu politisieren, nicht vice versa.<a href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\"><sup>26<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die Guerilla sieht sich angelehnt an Lenin als politisch-milit\u00e4rische Avantgarde, deren Aufgabe die Agitation der Massen durch das revolution\u00e4re Beispiel, dem milit\u00e4rischen Vorgehen gegen die regul\u00e4re Armee, ist. Trotz dieses sehr idealistischen Konzeptes, das die politische Analyse einer Gesellschaft quasi \u00fcberfl\u00fcssig macht \u2013 werden sich doch alle Revolutionsvoraussetzungen in jedem Land aus der Praxis heraus entwickeln \u2013 sind gewisse \u00bbobjektive\u00ab Revolutionsvoraussetzungen bei einem Guerillaunternehmen jedoch unabdingbar und werden vorausgesetzt.<a href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a> Die Unterst\u00fctzung der lokalen Bev\u00f6lkerung ist laut Guevara eine Bedingung sine qua non. Die Sympathie der armen Landbev\u00f6lkerung, eine prinzipiell revolution\u00e4re Grundhaltung wird dabei als gegeben vorausgesetzt. Die Guerilla ist somit lediglich die bewaffnete Vorhut der Bev\u00f6lkerung. Um sich deren Sympathie auf langer Sicht sicher sein zu k\u00f6nnen, muss der Guerillero f\u00fcr die Interessen der Bauern k\u00e4mpfen, und zwar nicht mit Parolen, sondern durch bewaffnete Ma\u00dfnahmen, die als Propaganda sehr viel direkter wirken.<a href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\"><sup>28<\/sup><\/a><\/p>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2578_1083986154\"><\/a> 3.2 Der aufst\u00e4ndische Fokus und die Etappen des Guerillakrieges<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die revolution\u00e4re Situation soll also durch die Guerilla selbst hergestellt werden. Guevaras Guerillatheorie \u2013 oft auch Fokustheorie genannt \u2013 empfiehlt dazu die Errichtung eines Guerillafokus, also eines aufst\u00e4ndischen Brennpunktes. Der Fokus (spanisch: <em>foco<\/em>) ist ein Revolutionsherd, der von einer kleinen Gruppe ausgebildeter Berufsrevolution\u00e4re im Hinterland eines Staates gebildet wird. Der Guerillakrieg ist dabei eine \u00bbMethode, um ein Ziel zu erreichen. Dieses (&#8230;) Ziel ist die Eroberung der politischen Macht.\u00ab<a href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\"><sup>29<\/sup><\/a> Die Fokustheorie \u2013 angelehnt an die maoistische Volkskriegsdoktrin<a href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a> \u2013 geht von drei Etappen im Kampf aus.<a href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\"><sup>31<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Der Guerillafokus sieht sich zun\u00e4chst deutlich \u00fcberlegenen Kr\u00e4ften des Staates gegen\u00fcber, weswegen er unwegsames, sp\u00e4rlich besiedeltes Gel\u00e4nde als Operationsbasis w\u00e4hlt. In dieser Phase der strategischen Defensive ist die Guerilla gezwungen, permanent in Bewegung zu bleiben, dem Gegner auszuweichen und Angriffe nur dann durchzuf\u00fchren, wenn sie durch ein tempor\u00e4res \u00dcbergewicht den Erfolg garantieren. Dabei soll vor allem die St\u00e4rke des Gegners getestet werden, das Gel\u00e4nde erkundet und erste Kontakte zu den Bauern gekn\u00fcpft werden, auf deren Unterst\u00fctzung die Guerilla angewiesen ist. Nach und nach errichtet der Guerillafokus die ersten festen und f\u00fcr den Gegner unzug\u00e4nglichen Basen mit einer gewissen Infrastruktur, wie Munitionslager, Lazarette etc. Durch permanente Angriffe auf die gegnerischen Kr\u00e4fte werden diese von den Basen abgedr\u00e4ngt. Dort entsteht dann als erstes eine Art Gegenstaat nach revolution\u00e4ren Prinzipien mit Gesetzgebung, Justiz und Bildungseinrichtungen f\u00fcr die Rekruten. Parallel dazu muss die Bev\u00f6lkerung permanent \u00fcber die Ziele der Guerilla unterrichtet und politisch gebildet werden, um so \u2013 in Kombination mit der Strahlkraft der milit\u00e4rischen Erfolge des <em>foco<\/em> \u2013 immer mehr Teile der Bev\u00f6lkerung zu Unterst\u00fctzern der Guerilla zu machen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">In dieser Phase des Krieges halten sich die revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte und die regul\u00e4ren Truppen mehr oder weniger die Waage. W\u00e4chst ein Fokus an K\u00e4mpfern, Logistik und Bewaffnung zu einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe heran, spaltet sich der Fokus und gr\u00fcndet neue revolution\u00e4re Brennpunkte in anderen Gebieten des Landes, die denselben Zyklus durchlaufen und dann wieder Ableger schaffen. So schafft die Guerilla immer gr\u00f6\u00dfere \u00bbbefreite Gebiete\u00ab und kann sodann in einer letzten Phase der strategischen Offensive st\u00e4rkere Verb\u00e4nde des Gegners angreifen und St\u00e4dte erobern. Dazu vereinigen sich die verschiedenen Guerillaherde und bilden eine Frontlinie. Sie f\u00fchren nun einen Positionskrieg im Stile einer regul\u00e4ren Armee \u2013 klassische Guerillaverb\u00e4nde operieren parallel dazu allerdings weiter im gegnerischen Hinterland.<\/p>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2580_1083986154\"><\/a> 3.3 Operationsgebiet und Revolutionstr\u00e4ger<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">In Lateinamerika muss der bewaffnete Aufstand sich auf die l\u00e4ndlichen Gebiete konzentrieren \u2013 so die dritte \u00bbLehre von Kuba\u00ab. Das weitgehende Fehlen der klassischen revolution\u00e4ren Klasse des Industrieproletariats im agrarisch gepr\u00e4gten Lateinamerika und die zu gro\u00dfen Teilen unwegsamen, riesigen Gebiete dieser Gro\u00dfregion scheinen die l\u00e4ndlichen Gebiete f\u00fcr den Guerillakampf zu pr\u00e4destinieren. Der Revolutionstr\u00e4ger ist die arme Landbev\u00f6lkerung, die <em>campesinos<\/em>, welche sich von der Revolution eine Landreform und so eine Verbesserung ihrer sozialen Lage erhoffen. Die Bauernschaft stellt den Rekrutierungspool der Guerilla dar und bietet ihr Schutz. Um sich der lebensnotwendigen Unterst\u00fctzung der <em>campesinos<\/em> zu versichern, muss der Guerillero die Landreform als wichtige Forderung aufnehmen, der Guerillero ist bei Guevara \u00bbhaupts\u00e4chlich und vor allem anderen ein Agrarrevolution\u00e4r\u00ab.<a href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\"><sup>32<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die genaue Kenntnis des Gel\u00e4ndes und seine Verstecke und R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten sind der gr\u00f6\u00dfte Schutz der Guerilla, und gerade in der Anfangsphase eines Fokus unentbehrlich. In einem fortgeschrittenen Stadium kann der Kampf nat\u00fcrlich auch die St\u00e4dte erreichen. Guevara geht davon aus, dass Guerillaeinheiten in der Stadt einen wichtigen Beitrag leisten k\u00f6nnen, vor allem durch Sabotageaktionen, und schreibt, dass die Aktionen in der Stadt allgemein zu wenig beachtet w\u00fcrden.<a href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a> Andererseits relativiert er die Bedeutung der Stadtguerilla sofort wieder, da diese nur in kleinen Zellen operieren k\u00f6nne und komplett dem Oberbefehl der Landguerilla unterstellt werden m\u00fcsse. Die Guerilla in der Stadt k\u00f6nne dem Feind zwar Schaden zuf\u00fcgen, sein milit\u00e4risches Potenzial allerdings bliebe davon weitgehend unber\u00fchrt. Die Einnistung eines Fokus sei in st\u00e4dtisch-industriellen Gebieten in der Regel nicht m\u00f6glich.<a href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\"><sup>34<\/sup><\/a> W\u00e4hrend die Sabotage der feindlichen Infrastruktur eine begr\u00fc\u00dfenswerte Kampfform darstellt, ist es nach Guevara wichtig, diese unbedingt vom kontraproduktiven Terror gegen die Bev\u00f6lkerung oder einfache Soldaten des Gegners abzugrenzen, da dies die Bev\u00f6lkerung von der Guerilla entfremde. Legitime Ziele sind somit nur solche, die die Kampfkraft des Gegners konkret treffen.<a href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\"><sup>35<\/sup><\/a><\/p>\n<h1 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2582_1083986154\"><\/a> 4 Guerilla urbana: Das Konzept des movimiento de liberaci\u00f3n nacional &#8211; Tupamaros<\/h1>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Das <em>movimiento de liberaci\u00f3n nacional &#8211; Tupamaros<\/em> verf\u00fcgt weder \u00fcber ein theoretisches Hauptwerk noch \u00fcber ideologische Autorit\u00e4ten vom Format eines Che Guevara oder Fidel Castro. Die vielen an die \u00d6ffentlichkeit gerichteten Kommuniqu\u00e9s und Erkl\u00e4rungen lassen dennoch ein klares Bild des Guerillamodells der Tupamaros entstehen, das im Folgenden in K\u00fcrze dargestellt werden soll. Dabei wird zun\u00e4chst das wohl offensichtlichste Merkmal einer Stadtguerilla, n\u00e4mlich der Aktionsraum Stadt, beleuchtet, welchen die Bewegung in seinen M\u00f6glichkeiten immer wieder analysierte und auch gegen das vorherrschende Dogma des Landkrieges verteidigte. Im Anschluss wird die Funktion der politischen Gewalt im Eskalations- und Revolutionsmodell des MLN-T skizziert, um dann das Prinzip der <em>coyuntura<\/em>, das entscheidende Instrument zur Bestimmung der politisch-milit\u00e4rischen Taktik, darzustellen. Die Ausf\u00fchrungen und die ausgew\u00e4hlten Quellen beziehen sich auf die aktivste Phase der Tupamaros, also ungef\u00e4hr auf die Jahre 1968 &#8211; 1972.<\/p>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2584_1083986154\"><\/a> 4.1 Der urbane Raum als Revolutionsherd<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Vergegenw\u00e4rtigt man sich die Entstehungsgeschichte der fr\u00fchen Tupamaros, ist es verwunderlich, dass nicht das Land als Operationsbasis gew\u00e4hlt wurde. Schlie\u00dflich waren Gr\u00fcndungsmitglieder der Tupamaros um Ra\u00fal Sendic auf das Land gegangen um die <em>Ca\u00f1eros<\/em>, die Arbeiter der Zuckerplantagen, zu organisieren. Die dort entstandenen Kontakte, das soziale Umfeld, die ersten Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen Gewerkschaften und Sicherheitskr\u00e4ften und die Kenntnis des Terrains h\u00e4tten sicherlich daf\u00fcr gesprochen.<a href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\"><sup>36<\/sup><\/a> W\u00e4hrend es in dieser Fr\u00fchphase, als sich die Bewegung noch nicht als MLN-T konstituiert hatte, schon verst\u00e4rkt zu Aktionen in Montevideo kam, entschied sie sich sp\u00e4ter auch grunds\u00e4tzlich f\u00fcr den bewaffneten Kampf im urbanen Raum.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Diese Entscheidung beruhte auf der gr\u00fcndlichen Analyse der uruguayischen Gesellschaft und Geographie. Die Installation eines Guerillafokus auf dem Land, der sich festsetzen und der Vernichtung entgehen kann, hielten die Tupamaros f\u00fcr nicht realisierbar.<a href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a> Das kleine Uruguay verf\u00fcge schlie\u00dflich nicht \u00fcber gro\u00dfe Gebirgsketten oder andere unzug\u00e4ngliche und leicht zu verteidigende Gebiete. Daf\u00fcr existiere mit dem Gro\u00dfraum Montevideo ein riesiges urbanes Zentrum von 300 Quadratkilometern, in welchem mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung des Landes lebe. Diese geographische Gegebenheit zwang die Tupamaros dazu, neue Strategien zu entwickeln und machte es unm\u00f6glich die Strategie der meisten revolution\u00e4ren Bewegungen Lateinamerikas zu kopieren, die \u00fcber andere Ausgangslagen verf\u00fcgten.<a href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\"><sup>38<\/sup><\/a> Auch wenn in Uruguay keine Landguerilla entstehen k\u00f6nne, d\u00fcrfe die revolution\u00e4re Aktion deshalb nicht warten \u2013 allerdings k\u00f6nne sie nicht nach klassischer Manier durchgef\u00fchrt werden.<a href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\"><sup>39<\/sup><\/a> Das <em>documento no. 1<\/em> spricht ferner davon, dass die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes in der Stadt nicht nur der Analyse der konkreten uruguayischen Situation, sondern auch der internationalen Erfahrungen entspringe. Dies ist sicherlich eine Anspielung auf das Scheitern der meisten Guerillaunternehmen in Lateinamerika in den 1960er Jahren, welches auch in der Forschung als wichtiger Faktor beim \u00bbUmzug\u00ab der Guerilla in die Stadt gesehen wird. Antonio Mercader und Jorge de Vera verweisen au\u00dferdem auf das historische Beispiel der starken Guerillaeinheiten in Caracas w\u00e4hrend den revolution\u00e4ren Erhebungen in Venezuela 1962\/63.<a href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\"><sup>40<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Weitere Vorteile des Guerillakrieges in der Stadt sahen die Tupamaros in der Charakteristik einer Gro\u00df- und Hauptstadt:<a href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\"><sup>41<\/sup><\/a> Auch die Stadt biete R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten, da die K\u00e4mpfer sich gesch\u00fctzt durch die schiere Masse der Bev\u00f6lkerung bewegen und sich im Gewirr der Stra\u00dfen unauff\u00e4llig n\u00e4hern und zur\u00fcckziehen k\u00f6nnten. Die Guerilleros bewegen sich dabei in bekanntem Terrain und k\u00f6nnen durch pers\u00f6nliche Kontakte und Umfeld eher auf Schutz und Hilfe z\u00e4hlen als in unbekannten l\u00e4ndlichen Gebieten. Die Metropole ist das Herz des Staates, alle m\u00f6glichen relevanten Ziele sind stets in Reichweite \u2013 der Propagandaeffekt in einer von allgegenw\u00e4rtigen medialen Aufmerksamkeit gepr\u00e4gten Umgebung ist dabei weitaus h\u00f6her als in peripheren Landesteilen. Zwar werden die bewaffneten Kr\u00e4fte des Staates \u2013 Polizei und Milit\u00e4r \u2013 in der Hauptstadt am konzentriertesten in Erscheinung treten, sind dabei jedoch in ihrer Bewegung stark eingeschr\u00e4nkt, da sie sehr viele neuralgische Punkte bewachen m\u00fcssen und sind so dar\u00fcber hinaus gezwungen, sich zu verteilen. Die Logistik der Guerilla vereinfacht sich in der Stadt enorm, da der lebenswichtige Nachschub an Lebensmitteln, Munition, Medikamenten etc. vor Ort beschafft werden kann und nicht in den <em>foco<\/em> des Landes geschmuggelt werden muss.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Klandestines Handeln ist in der Stadt von gro\u00dfer Bedeutung, da es den Mangel an nat\u00fcrlichem Schutz und R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten, wie es das Land bietet, kompensiert. Die Tupamaros entwickelten ein komplexes Zellensystem, welches die Kontakte zwischen einzelnen Mitgliedern und Zellen stark begrenzte. Diese Anonymit\u00e4t sollte verhindern, dass nach Verhaftung einzelner Guerilleros weitere Teile der Organisation aufgerollt werden konnten.<a href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\"><sup>42<\/sup><\/a> Viele dieser Vorz\u00fcge des st\u00e4dtischen Guerillakampfes, die in der Argumentation der Tupamaros auftauchen und vermutlich \u00fcbernommen wurden, finden sich bereits 1966 bei Abraham Guill\u00e9n, der hinzuf\u00fcgt, dass jede andere Kampfform in einer st\u00e4dtischen Gesellschaft wie Uruguay reiner Dogmatismus sei.<a href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\"><sup>43<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die Stadt als revolution\u00e4rer Raum erschien den Tupamaros auch deshalb g\u00fcnstig, da sie im politisierten Klima von Montevideo mit seinen Parteien, Gewerkschaften, Hochschulen und Medien weit eher Sympathisanten erwarten konnten als auf dem r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Land, das von Gutsbesitzern dominiert wurde.<a href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\"><sup>44<\/sup><\/a> Im Falle einer Invasion Uruguays durch die USA, wahrscheinlicher jedoch durch die Diktaturen der gro\u00dfen Nachbarl\u00e4nder Argentinien und Brasilien, mit der bei einer eventuellen Niederlage der uruguayischen Regierung stets gerechnet wurde, bot der Guerillakampf in der Stadt die besten strategischen Voraussetzungen. Eine solche M\u00f6glichkeit war im Sinne einer kontinentalen revolution\u00e4ren Strategie von den Tupamaros stets miteinberechnet und k\u00f6nnte sogar positiv sein, da die ausl\u00e4ndische Besatzung weite Teile der Bev\u00f6lkerung ins revolution\u00e4re Lager \u00fcbergehen lie\u00dfe.<a href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\"><sup>45<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Aktionen auf dem Land werden jedoch nicht komplett ausgeschlossen, nur f\u00fcr die Bildung eines <em>foco<\/em> hat es keine Bedeutung. Hingegen ist es als R\u00fcckzugs- und Rekrutierungsort, und f\u00fcr kleinere \u00dcberf\u00e4lle zur Zersplitterung der feindlichen Kr\u00e4fte durchaus geeignet, gerade da auf Grund der extrem geringen Bev\u00f6lkerungsdichte im Hinterland Bewegungen m\u00f6glich sind, ohne entdeckt zu werden. Das ohnehin schwache Milit\u00e4r sei auf die Hauptstadt konzentriert und k\u00f6nne das Land nur in geringem Ma\u00dfe \u00fcberwachen.<a href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\"><sup>46<\/sup><\/a> Das Land kann aber in Uruguay \u2013 zumindest bis zur finalen Etappe des Kampfes \u2013 nur Nebenschauplatz sein. 1972, nach einigen erfolgreichen Offensiven des MLN-T, wurden in der Tat auch Landkolonnen gebildet. Diese wurden jedoch bald durch das Milit\u00e4r zerschlagen und spielten h\u00f6chstens eine Nebenrolle in Guerillakonzeption und -praxis.<\/p>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2586_1083986154\"><\/a> 4.2 Die Mehrfachfunktion des bewaffneten Kampfes<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Nach der Analyse der uruguayischen Gesellschaft, die sich in 1960er Jahren in einer Wirtschaftskrise befand und deren Arbeiterklasse und Mittelschicht \u00fcberwiegend st\u00e4dtisch und zu gro\u00dfen Teilen gewerkschaftlich organisiert war, kamen die Tupamaros zu folgenden Schl\u00fcssen:<a href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\"><sup>47<\/sup><\/a> Die objektiven Bedingungen, also die \u00f6konomische und soziale Krise, f\u00fcr eine revolution\u00e4re Situation best\u00fcnden bereits, die subjektiven Faktoren, also das revolution\u00e4re Bewusstsein und die entsprechende Organisation, allerdings nicht. Da die uruguayische Oligarchie zu radikalen Reformen zur L\u00f6sung der Krise nicht bereit sei, k\u00f6nne der legale Weg zur Ver\u00e4nderung via Wahlen nicht von Erfolg gekr\u00f6nt sein.<a href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\"><sup>48<\/sup><\/a> Die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr eine revolution\u00e4re Ver\u00e4nderung hin zum Sozialismus sei somit der bewaffnete Kampf, welcher durch seine Praxis wiederum die subjektiven Revolutionsbedingungen erzeuge:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><em>\u00bb&#8230; die revolution\u00e4re Aktion an sich, die Tatsache selbst, sich zu bewaffnen, sich vorzubereiten, sich auszur\u00fcsten, Dinge voranzutreiben, die die b\u00fcrgerliche Legalit\u00e4t verletzen, schafft revolution\u00e4res Bewusstsein, revolution\u00e4re Organisation und revolution\u00e4re Bedingungen.\u00ab<\/em><a href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\"><sup>49<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Wie in der Fokustheorie \u2013 das MLN-T sprach auch des \u00d6fteren von einem urbanen foco \u2013 steht hier das voluntaristische Prinzip im Vordergrund. Auch wenn noch nicht alle Bedingungen f\u00fcr die Revolution gegeben sind, so ist es die Aufgabe des Berufsrevolution\u00e4rs durch eine bewaffnete Formation diese Bedingungen herzustellen. Die bewaffnete Aktion erh\u00e4lt hier eine mehrfache Funktion, da sie zum einen die Kr\u00e4fte des Gegners angreifen soll, zum anderen soll durch diese Angriffe die eigene revolution\u00e4re Gruppe ausgebildet und professionalisiert werden und dar\u00fcber hinaus durch den propagandistischen Effekt die Bev\u00f6lkerung ins Lager der Guerilla getrieben werden.<a href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\"><sup>50<\/sup><\/a> Auch ist der Aufbau eines bewaffneten Apparats im revolution\u00e4ren Lager unabdingbar, da potenziell aufkommende revolution\u00e4re Situationen sonst nicht optimal gen\u00fctzt werden k\u00f6nnten. Es w\u00e4re sogar unverantwortlich, auf eine revolution\u00e4re Situation hinzuarbeiten und den bewaffneten Apparat zu vernachl\u00e4ssigen, da die Bev\u00f6lkerung in einer solchen Situation den Repressionskr\u00e4ften quasi schutzlos ausgeliefert w\u00e4re.<a href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\"><sup>51<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Dies kann auch als Kritik an den etablierten linksradikalen Parteien verstanden werden, die den bewaffneten Kampf als revolution\u00e4re Strategie ablehnen. Die wahrhaft revolution\u00e4re Partei wird sich aus der Praxis des bewaffneten Kampfes entwickeln, der Gradmesser f\u00fcr eine sich als revolution\u00e4r verstehende Organisation ist also ihre Haltung zum bewaffneten Kampf.<a href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\"><sup>52<\/sup><\/a> Die entscheidende Aufgabe der Revolution\u00e4re sei somit die Errichtung milit\u00e4rischer statt politischer Brennpunkte, denn die politische Bewegung entstehe aus dem milit\u00e4rischen Fokus. Neben der sich entwickelnden Einheit der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte und dem Aufbau der revolution\u00e4ren politisch-milit\u00e4rischen Avantgarde der Guerilla, ist der Hauptzweck der bewaffneten Aktion aber vor allem die Schaffung der revolution\u00e4ren Situation. Dazu entwickelte das MLN-T ein theoretisches Ablaufmuster.<a href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\"><sup>53<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Zun\u00e4chst wird die Organisation aufgebaut, Guerilleros werden rekrutiert und eine Infrastruktur mit Verstecken und Waffenlagern wird geschaffen. In dieser Phase muss es vor allem um bewaffnete Propaganda gehen, um den Staat zu diskreditieren, das Gewaltmonopol zu brechen und die politisiertesten Teile der Bev\u00f6lkerung zu Unterst\u00fctzern der Guerilla zu machen. Die einsetzenden versch\u00e4rften Gegenangriffe der staatlichen Organe werden den Kampf auf eine zweite Stufe heben, in welcher es zu direkten K\u00e4mpfen kommt, die taktischer und nicht mehr \u00fcberwiegend propagandistischer Natur sind. Dabei ist die Guerilla zwar generell in der Defensive, f\u00fchrt jedoch offensiv einen Zerm\u00fcrbungskrieg gegen die staatlichen Kr\u00e4fte. Die permanente politische Gewalt f\u00fchrt zu einem konfrontativen Klima und einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft, die sich immer mehr zwischen Staat und den Tupamaros entscheiden muss. Die Guerilla wird durch ihr Fortdauern zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft und schart durch ihre Pr\u00e4senz im \u00f6ffentlichen Leben immer mehr Anh\u00e4nger um sich. Durch das Anwachsen der Guerilla plus Sympathisantenkreis und auf Grund des milit\u00e4rischen Patts zwischen Guerilleros und staatlichen Kr\u00e4ften, kommt es zur <em>dualidad de poder<\/em>, einer Machtdualit\u00e4t im Staat. Es existiert bereits ein Machtbereich der Guerilla, den sie faktisch kontrolliert, auch wenn er nicht territorial gehalten wird. Dort kann sie ihre Propaganda voll entfalten, eine klandestine \u00bbRegierung\u00ab tritt auf und \u00fcbt bereits (gegen)staatliche Funktionen aus, wie etwa Steuereintreibung oder Justiz: Das MLN-T schuf in der Tat sogenannte Volksgef\u00e4ngnisse, in denen es entf\u00fchrte und von ihm verurteilte Personen, wie etwa uruguayische Industrielle und staatliche Funktion\u00e4re, aber auch Ausl\u00e4nder, wie z.B. CIA-Agenten, teilweise jahrelang festhielt, ohne dass der uruguayische Staat dies verhindern konnte.<a href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\"><sup>54<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die faktische Macht der Guerilla f\u00fchrt dann zu einer Verankerung in beinahe allen Teilen der Gesellschaft f\u00fchren. Um einer Normalisierung des Kriegszustandes zu entgehen, eskaliert die Guerilla ihre Attacken, bildet neue Kolonnen \u2013 auch in Teilen des Hinterlandes \u2013 und zerst\u00f6rt schlie\u00dflich die Hauptmacht der gegnerischen Kr\u00e4fte. Nun kommt es zu einem qualitativen Sprung, <em>el salto<\/em>, und durch einen Volksaufstand unter F\u00fchrung der Tupamaros wird die Regierungsgewalt erobert und die bisherige Schattenregierung eingesetzt.<\/p>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2588_1083986154\"><\/a> 4.3 Das Prinzip der <em>coyuntura<\/em><\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die Aufgabe der Guerilla in jeder Etappe ist das Aufrechterhalten der operativen F\u00e4higkeit und durch politisch-milit\u00e4rische Praxis das Erreichen einer h\u00f6heren Stufe des Kampfes. Welche Aktionen sich f\u00f6rderlich auf die Erreichung der jeweiligen Zielsetzungen auswirken k\u00f6nnen, welche Taktik zu einem bestimmten Zeitpunkt angemessen ist, dar\u00fcber gibt die <em>coyuntura<\/em>, die \u00bbrevolution\u00e4re Konjunktur\u00ab, Aufschluss.<a href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\"><sup>55<\/sup><\/a> Die Analyse der <em>coyuntura<\/em> ist eines der wichtigsten theoretischen Konzepte des MLN-T, da es die revolution\u00e4re Aktion leitet. Der \u00dcbergang zu einem h\u00f6heren Niveau des Kampfes (<em>el salto<\/em>), kann nur Gestalt annehmen, wenn bestimmte Bedingungen gegeben sind. Die <em>coyuntura<\/em> setzt sich aus politischen, milit\u00e4rischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Faktoren zusammen. Ihre Bewertung muss dabei stets auf interne und externe Aspekte der jeweiligen Faktoren eingehen, d.h. auf die gesellschaftlichen Aspekte oder auf den Zustand der Guerillaorganisation. So k\u00f6nnen zum Beispiel der Organisierungsgrad und die Vorbereitung der Organisation sehr weit fortgeschritten sein und eine bestimmte Aktion, wie etwa eine Entf\u00fchrung, m\u00f6glich erscheinen lassen. Kommt die Bewegung nach dem Studium der <em>coyuntura<\/em> jedoch zu dem Entschluss, dass die externen Bedingungen nicht so g\u00fcnstig sind, da Entf\u00fchrung und Freiheitsberaubung von der Bev\u00f6lkerung als nicht legitimes Mittel eingestuft w\u00fcrden, kann die Aktion nicht durchgef\u00fchrt werden, da dies der Beziehung zwischen Massen und Organisation schaden w\u00fcrde.<a href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\"><sup>56<\/sup><\/a> Andererseits kann eine g\u00fcnstige Situation f\u00fcr eine bestimmte Aktion verstreichen, wenn die internen Bedingungen daf\u00fcr nicht gegeben sind. Unerl\u00e4sslich ist also eine stete <em>coyuntura<\/em>-Analyse, die jeden milit\u00e4rischen Schritt begleiten muss, sie bestimmt die Wahl der anzuwendenden Strategie. Der Guerillafokus kann bestimmte Bedingungen, die f\u00fcr die Versch\u00e4rfung des Kampfes ben\u00f6tigt werden, jedoch auch selbst schaffen: Im gew\u00e4hlten Beispiel m\u00fcsste die Guerilla durch intensive Propaganda und Offenlegen ihrer Gr\u00fcnde die Aktion im Vorfeld bei der Bev\u00f6lkerung als legitim erscheinen lassen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Bezugnehmend auf das revolution\u00e4re Schema der Tupamaros l\u00e4sst sich also sagen, dass durch gesellschaftliche Polarisierung, Machtdualit\u00e4t und Ausweitung der milit\u00e4rischen Operationen in Kombination mit der gewachsenen Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung und der Ausbreitung des bewaffneten Apparates, eine solch g\u00fcnstige <em>coyuntura<\/em> entsteht, dass Volksaufstand und direkter Angriff auf die Regierung m\u00f6glich und zu diesem Zeitpunkt richtig sind. Gerade in Uruguay, welches durch langen relativen Wohlstand und Sicherheit, nicht im vergleichbaren Ma\u00dfe wie andere lateinamerikanische L\u00e4nder \u00fcber eine \u00bbTradition der politischen Gewalt\u00ab verf\u00fcgte, war die Beachtung der <em>coyuntura<\/em> f\u00fcr die Tupamaros besonders wichtig und sicherlich auch entscheidend f\u00fcr ihren lang anhaltenden Erfolg.<a href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\"><sup>57<\/sup><\/a><\/p>\n<h1 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2590_1083986154\"><\/a> 5 Von der Land- zur Stadtguerilla: Einordnung des Guerillamodells des MLN-T<\/h1>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2592_1083986154\"><\/a> 5.1 Adaptionen und Weiterentwicklungen<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Betrachtet man die beiden hier skizzierten Guerillakonzepte, so l\u00e4sst sich feststellen, dass das MLN-T wichtige Kernthesen des kubanischen Guerillamodells \u00fcbernahm bzw. weiterentwickelte. Bereits durch h\u00e4ufiges Zitieren Guevaras und Debrays in den meisten Dokumenten wird eine ideologische \u00dcbereinstimmung suggeriert. Beide Konzepte brechen mit dem klassischen marxistischen Revolutionsmodell und setzen auf die bewaffnete Aktion einer revolution\u00e4ren Vorhut, welche die Bev\u00f6lkerung aus ihrer Passivit\u00e4t befreien und durch das Herstellen der konkreten Kampfsituation revolution\u00e4res Bewusstsein schaffen soll. Es m\u00fcssen nicht alle Revolutionsvoraussetzungen bestehen, denn \u00bbder aufst\u00e4ndische Fokus kann solche Bedingungen selbst schaffen\u00ab.<a href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\"><sup>58<\/sup><\/a> Die Tupamaros kommen in ihrer Analyse zum selben Schluss, wenn sie schreiben: <em>\u00bbIn unserem Land gibt es objektive Bedingungen f\u00fcr die revolution\u00e4re Aktion. In unserem Land gibt es keine subjektiven Bedingungen. (&#8230;) Die subjektiven Bedingungen entstehen im Kampf.\u00ab<\/em><a href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\"><sup>59<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die Tupamaros denken dabei \u2013 genau wie Guevara \u2013 nicht an einen schnellen Sieg im Sinne eines Staatsstreiches, sondern an einen von Mao inspirierten \u00bblangwierigen\u00ab Krieg, der von einem Fokus aus immer neue Zellen errichtet, den Gegner zerm\u00fcrbt und so schlie\u00dflich das Gleichgewicht der Kr\u00e4fte zu seinen Gunsten entscheiden kann.<a href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\"><sup>60<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Auch in den strategischen Phasen stimmt das Guerillamodell der Tupamaros mit dem Guevaras \u00fcberein. Dar\u00fcber hinaus wird tendenziell der Organisation der Guerilla mehr Bedeutung beigemessen als dem Aufbau einer revolution\u00e4ren Massenpartei. In Gegensatz zu Guevara und Debray, die stets betonen, dass die Guerilla die einzig wahre revolution\u00e4re Kraft ist und scharf gegen die traditionellen Kommunistischen Parteien polemisieren, schlagen die Tupamaros vorsichtigere T\u00f6ne an.<a href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\"><sup>61<\/sup><\/a> Zwar gehen sie auch davon aus, dass die traditionellen revolution\u00e4ren Parteien sich in einer Sackgasse befinden und nur der bewaffnete Kampf die M\u00f6glichkeit der Revolution er\u00f6ffnen kann und stellen sogar fest, dass nur dann eine Organisation revolution\u00e4ren Prinzipien folgt, wenn sie sich auf den bewaffneten Kampf vorbereitet, jedoch sehen sie auch die Bedeutung dieser Organisationen f\u00fcr die Politisierung der Bev\u00f6lkerung. Dementsprechend hat ihre Kritik vornehmlich solidarischen Charakter.<a href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\"><sup>62<\/sup><\/a> Zwar beharrten die Tupamaros auf der Richtigkeit ihres Konzepts und dem Primat des milit\u00e4rischen Fokus \u00fcber eine Partei, jedoch wollten sie Andersdenkende aus dem eigenen politischen Lager durch ihre konkreten Aktionen \u00fcberzeugen und nicht durch Polemiken zum Spaltungsprozess der Linken beitragen. Dieses Auftreten sicherte den Tupamaros Sympathien in den klassischen linken Organisationen, anders etwa als Guevara, der zum Beispiel w\u00e4hrend seiner Bolivienkampagne im scharfen Widerspruch zur Kommunistischen Partei Boliviens stand und so auf keine Unterst\u00fctzung z\u00e4hlen konnte. Alain Labrousse spricht hinsichtlich des MLN-T von der aktiven Unterst\u00fctzung vieler Gewerkschafter und der \u00bbwohlwollenden Neutralit\u00e4t\u00ab der Kommunistischen Partei Uruguays.<a href=\"#sdfootnote63sym\" name=\"sdfootnote63anc\"><sup>63<\/sup><\/a><\/p>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2594_1083986154\"><\/a> 5.2 Differenzen zwischen den beiden Guerilla-Konzepten<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Beide Konzepte stimmen also darin \u00fcberein, dass eine bewaffnete Vorhut den entscheidenden Faktor f\u00fcr die Revolution darstellt. W\u00e4hrend Guevaras Konzept jedoch davon ausgeht, die Guerilla an den R\u00e4ndern des zu bek\u00e4mpfenden Systems aufzubauen \u2013 also in m\u00f6glichst peripheren Regionen eines Landes \u2013 und von dort aus nach und nach ins besser gesicherte Zentrum vorzusto\u00dfen, sieht die Strategie des MLN-T vor, sich im Gegenteil im st\u00e4rksten Punkt der gegnerischen Verteidigung, n\u00e4mlich der Hauptstadt des Landes, einzunisten und vor dort direkt Schl\u00e4ge gegen die vitalen Organe des Systems zu f\u00fchren. Dabei wird von einer hier bestehenden besonderen Konzentration feindlicher Kr\u00e4fte ausgegangen, jedoch auch von einer hohen Verletzlichkeit der wichtigsten Zentren des Staates durch die hohe Anonymit\u00e4t und Beweglichkeit innerhalb einer Metropole.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Eine Ausweitung auf das Land wird jedoch explizit nicht ausgeschlossen, auch wenn etwaigen Organisationsteilen auf dem Land vor allem Unterst\u00fctzungsfunktionen zukommen w\u00fcrden. Damit stellen die Tupamaros ein weiteres Mal die Empfehlungen Guevaras auf den Kopf, der davon ausgeht, dass st\u00e4dtische Einheiten vor allem logistische Aufgaben wahrzunehmen h\u00e4tten und auch Sabotagemissionen durchf\u00fchren k\u00f6nnten, aber strikt unter dem Oberkommando der l\u00e4ndlichen Guerilla stehen sollten.<a href=\"#sdfootnote64sym\" name=\"sdfootnote64anc\"><sup>64<\/sup><\/a> In der Vorstellung des MLN-T hingegen stellen die Guerillagruppen der Stadt die Hauptstreitmacht, w\u00e4hrend eventuellen Landeinheiten vor allem Logistik- und Ausbildungsaufgaben zu kommen sollten.<a href=\"#sdfootnote65sym\" name=\"sdfootnote65anc\"><sup>65<\/sup><\/a> Der st\u00e4dtische Kampf soll den Guerillakrieg auf dem Land also nicht lediglich vorbereiten, wie das etwa die Konzeption der brasilianischen Stadtguerilla vorsieht, sondern ist die Hauptform der bewaffneten Auseinandersetzung.<a href=\"#sdfootnote66sym\" name=\"sdfootnote66anc\"><sup>66<\/sup><\/a> Dies bedingt auch einen weiteren Unterschied zwischen den beiden Guerillakonzepten: Durch das Agieren in Mitten der \u00d6ffentlichkeit, ist die Stadtguerilla gezwungen, jeden ihrer Schritte genauer auf seine politischen Folgen zu analysieren, die bewaffnete Propaganda erreicht in der Stadt einen h\u00f6heren Stellenwert als in peripherem, l\u00e4ndlichen Terrain, wo der revolution\u00e4re Kampf zwar auch einen propagandistischen Charakter hat, jedoch verst\u00e4rkt ein milit\u00e4risches Muster zeigt. Die Landbev\u00f6lkerung wird in diesen Konflikt gezwungenerma\u00dfen mit einbezogen, jedoch agieren hier allein auf Grund der Bev\u00f6lkerungsdichte vor allem (para)milit\u00e4rische Einheiten, w\u00e4hrend in der Stadt fast jede Aktion ein Millionenpublikum findet. Um diesen politisch besonders brisanten Aspekt zu ber\u00fccksichtigen, entwickelten die Tupamaros das Konzept der <em>coyuntura<\/em>, welches alle gesellschaftlichen Umst\u00e4nde einer bestimmten Aktion mit in den Blick nimmt, w\u00e4hrend im guevaristischen Modell vermehrt milit\u00e4rische Analysen erstellt werden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Festzuhalten bleibt also, dass das MLN-T noch stark in der von Guevara und Debray gepr\u00e4gten lateinamerikanischen Aufstandstradition verhaftet ist, insbesondere in ihrer Rhetorik, dem Glauben an die bewaffnete Avantgarde und der propagandistischen Wirkung politischer Gewalt. Das klandestine Vorgehen im st\u00e4rksten Zentrum des Gegners, die begleitende, tiefgehende politische Analyse jeder Handlung und ihre konsequente Ausrichtung auf eine Einheit der Linken gehen jedoch \u00fcber das anfangs vorgestellte klassische Guerillakonzept hinaus.<\/p>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2596_1083986154\"><\/a> 5.3 Typologische Analyse<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Nachdem das Verh\u00e4ltnis der uruguayischen Stadtguerilla zum Guerillamodell kubanischer Pr\u00e4gung untersucht wurde, soll nun das bereits skizzierte typologische Schema Peter Waldmanns zur Unterscheidung zwischen Guerillakrieg und Terrorismus hinzugezogen werden und die einzelnen Kategorien des Schemas auf das Guerillakonzept der Tupamaros angewendet werden.<\/p>\n<h3 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\"><a name=\"__RefHeading__2598_1083986154\"><\/a> 5.3.1 Funktion der Gewalt<\/h3>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Ein Merkmal des Terrorismus ist laut Waldmann der Einsatz von symbolisch-kommunikativer, eine Reaktion provozierende Gewalt, w\u00e4hrend Gewalt in der Guerillakriegsf\u00fchrung einem milit\u00e4rischen Zweck folgt.<a href=\"#sdfootnote67sym\" name=\"sdfootnote67anc\"><sup>67<\/sup><\/a> Betrachtet man nun die Funktion der Gewalt im Revolutionskonzept der Tupamaros, so l\u00e4sst sich Folgendes festhalten: Der bewaffnete Kampf ist f\u00fcr die Tupamaros das wichtigste Mittel zur Erreichung eines politischen Zieles, n\u00e4mlich dem Umsturz des herrschenden politischen und gesellschaftlichen Systems in Uruguay. Von der bewaffneten Aktion erhoffen sich die Akteure gleich mehrere Vorteile. Zum einen soll der Staat dadurch in wichtigen Funktionen, wie der Aus\u00fcbung des Gewaltmonopols zur Durchsetzung und Sicherung seiner politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gest\u00f6rt werden. Dazu sollen die bewaffneten Organe des Staates geschw\u00e4cht, demoralisiert und auf lange Sicht milit\u00e4risch besiegt werden, um so die Macht\u00fcbernahme zu erm\u00f6glichen. Die Tupamaros selbst sahen sich 1968 bereits in einem Zwischenstadium zwischen konspirativer Gruppe und Guerilla, in der die bewaffnete Propaganda der direkten Konfrontation zu weichen beginnt.<a href=\"#sdfootnote68sym\" name=\"sdfootnote68anc\"><sup>68<\/sup><\/a> Auch wurde immer wieder betont, dass der Aufbau einer bewaffneten Streitmacht wichtiger Faktor in der zu erwartenden revolution\u00e4ren Konfrontation sei. Der Aufbau der bewaffneten Organe dient hier der Vorbereitung auf die Macht\u00fcbernahme. Somit kommt der politischen Gewalt eine milit\u00e4rische Funktion zu, auch wenn durch das Fehlen gro\u00dfer l\u00e4ndlicher Operationsgebiete ein Bewegungs- und Positionskrieg kaum m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die zweite Funktion des bewaffneten Kampfes des MLN-T ist jedoch eine propagandistische. Der bewaffnete Kampf soll \u2013 getreu der Fokustheorie \u2013 die revolution\u00e4re Situation selbst herstellen. Durch \u00bbbewaffnete Propaganda\u00ab soll die Bev\u00f6lkerung von der Notwendigkeit und der Machbarkeit der Revolution \u00fcberzeugt und so zu Unterst\u00fctzern der Guerilla werden. Durch den R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung ist die bewaffnete Organisation in der Lage sich zu konsolidieren, zu wachsen und zu einem gewichtigen politischen Faktor zu werden. Betrachtet man die bewaffnete Propaganda der Tupamaros, wie etwa die Entf\u00fchrung von korrupten Wirtschaftsmagnaten oder \u00dcberf\u00e4lle auf Spezialeinheiten der Polizei, so liegt es nahe, von kommunikativer oder symbolischer Gewalt zu sprechen, was wiederum nach Waldmann auf eine terroristische Strategie schlie\u00dfen lie\u00dfe. Bedenkt man aber, dass aufst\u00e4ndische Gewalt nach der Guerillatheorie Guevaras immer eine milit\u00e4risch-politische, also propagandistische, Rolle aus\u00fcbt und so die revolution\u00e4ren Bedingungen schafft, so l\u00e4sst sich f\u00fcr die Tupamaros feststellen, dass sie nach eben jenem Doppelkonzept der Gewalt agierten, obgleich sie sicherlich der bewaffneten Propaganda weit mehr Bedeutung beima\u00dfen, was auch an Hand ihrer Operationsbasis erkl\u00e4rt werden kann. Denkt man Waldmanns Typologie zu Ende, deutet im Gegenteil die kommunikative Funktion der Gewalt im Konzept Guevaras und Debrays auf einen hohen Anteil terroristischer Wirkungsmechanismen in der Guerilladoktrin hin, wie auch Stefanie R\u00fcbenach in ihrem Aufsatz \u00bbDie Theorie der Revolutionsherde. Befreiung der Dritten Welt oder Wegbereiter des Terrorismus?\u00ab allerdings hinsichtlich anderer Merkmale anmerkt.<a href=\"#sdfootnote69sym\" name=\"sdfootnote69anc\"><sup>69<\/sup><\/a><\/p>\n<h3 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2600_1083986154\"><\/a> 5.3.2 Soziale Unterst\u00fctzung<\/h3>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">\u00bbMassenbasis\u00ab, \u00bbVolkskrieg\u00ab, \u00bbdie Massen f\u00fcr sich gewinnen\u00ab \u2013 die Unterst\u00fctzung der Avantgarde durch die Bev\u00f6lkerung ist die wohl wichtigste Revolutionsvoraussetzung und ein Hauptgegenstand der Diskussion in allen Texten sozialrevolution\u00e4rer bewaffneter Organisationen. Waldmann geht hier davon aus, dass eine typisch terroristische Gruppierung kaum \u00fcber breite Unterst\u00fctzerkreise verf\u00fcgt, w\u00e4hrend ein Guerillakrieg ohne zumindest partielle Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung in den Operationsgebieten \u00fcberhaupt nicht begonnen werden kann.<a href=\"#sdfootnote70sym\" name=\"sdfootnote70anc\"><sup>70<\/sup><\/a> Die Tupamaros agierten klandestin, der Kern ihrer Kampftruppen lebte im Untergrund und so waren sie zu direkten Kontakten mit der Bev\u00f6lkerung kaum f\u00e4hig. Allerdings verf\u00fcgten die Tupamaros \u2013 auch durch ein langwieriges Rekrutierungsverfahren, das einen langen Dienst in nicht-k\u00e4mpfenden Service-Zellen f\u00fcr eine endg\u00fcltige Aufnahme voraussetzte<a href=\"#sdfootnote71sym\" name=\"sdfootnote71anc\"><sup>71<\/sup><\/a> \u2013 \u00fcber ein enormes Unterst\u00fctzungspotenzial. Mehrere Tausend Aktivisten konnten zum engeren Unterst\u00fctzungsfeld der Tupamaros gerechnet werden. Die Kerntruppen der Tupamaros betrugen laut verschiedener Sch\u00e4tzungen mehrere Hundert K\u00e4mpfer.<a href=\"#sdfootnote72sym\" name=\"sdfootnote72anc\"><sup>72<\/sup><\/a> Durch geschickte und kontinuierliche Propaganda und durch die unbedingte Vermeidung von Opfern aus der einfachen Bev\u00f6lkerung konnten die Tupamaros auch Sympathien in weiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung gewinnen: Alain Labrousse zitiert eine repr\u00e4sentative Umfrage von Ende 1970, in der sich 34 % der Uruguayer f\u00fcr die Operationen der Tupamaros aussprechen.<a href=\"#sdfootnote73sym\" name=\"sdfootnote73anc\"><sup>73<\/sup><\/a> Dies ist wiederum ein Beweis f\u00fcr die F\u00e4higkeit der Tupamaros zur Analyse ihres Vorgehens auf die politische Sinnhaftigkeit.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Viel Wert wurde auch auf die Agitierung bereits organisierter Interessengruppen innerhalb der Gesellschaft und innerhalb der Linken gelegt. Im <em>documento no. 5<\/em> reflektiert das MLN-T seine Beziehungen zu den verschiedenen Gruppen, und macht vor allem auf die Unterst\u00fctzung durch die Studentenbewegung, Teile der Gewerkschaften und die Basis der linken Parteien aufmerksam.<a href=\"#sdfootnote74sym\" name=\"sdfootnote74anc\"><sup>74<\/sup><\/a> Aufgabe jedes legal lebenden Mitglieds oder Unterst\u00fctzer der Organisation ist das Verbreiten der Ideen der Tupamaros und des bewaffneten Kampfes, die Agitation hin zu einer gr\u00f6\u00dferen sozialen Polarisierung und die Suche nach neuen Rekruten.<a href=\"#sdfootnote75sym\" name=\"sdfootnote75anc\"><sup>75<\/sup><\/a> F\u00fcr die Gewerkschaften wurden dazu die sogenannten CATs (<em>Comit\u00e9s de apoyo a los Tupamaros<\/em>, Komitees zur Unterst\u00fctzung der Tupamaros) ins Leben gerufen, um so Tupamaro-freundliche Zellen in gr\u00f6\u00dferen Organisationen zu schaffen. Auch gab es die Idee, eine politische Bewegung, die als Sammlungsbecken f\u00fcr die politischen Ziele der Tupamaros eintreten sollte, zu gr\u00fcnden.<a href=\"#sdfootnote76sym\" name=\"sdfootnote76anc\"><sup>76<\/sup><\/a> Zusammenfassend l\u00e4sst sich also feststellen, dass zumindest der illegal lebende, bewaffnete Kern \u00fcber wenig direkten Kontakt zur Bev\u00f6lkerung verf\u00fcgen konnte. Gleichsam verf\u00fcgte das MLN-T jedoch \u00fcber ein gro\u00dfes, nicht an Kampfhandlungen beteiligtes Aktivistenreservoir, das f\u00fcr die \u00fcberlebenswichtigen Rahmenbedingungen sorgte, sowie durch Institutionen wie die CATs \u00fcber eine wichtige Basis in Gewerkschaften und Massenorganisationen, so dass man f\u00fcr die Tupamaros nicht von einer sozialen Isolierung des militanten Kerns sprechen kann.<\/p>\n<h3 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2602_1083986154\"><\/a> 5.3.3 Territorialer Faktor<\/h3>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Der dritte Punkt der Waldmannschen Typologisierung geht davon aus, dass eine Guerilla unter Ber\u00fccksichtigung milit\u00e4rischer Gesichtspunkte und auf Grund ihres Unterst\u00fctzungsmilieus gezwungen ist, in r\u00e4umlichen Kategorien zu denken und eine territoriale Basis zu verteidigen und auszubauen, w\u00e4hrend Terroristen diese gar nicht errichten k\u00f6nnen oder sogar bewusst darauf verzichten, um \u00fcberall und jederzeit aus dem Untergrund zuschlagen zu k\u00f6nnen.<a href=\"#sdfootnote77sym\" name=\"sdfootnote77anc\"><sup>77<\/sup><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die Tupamaros agierten weitgehend klandestin, um so die mangelnden R\u00fcckzugsr\u00e4ume der l\u00e4ndlichen Gebiete auszugleichen. Eine territoriale Basis, im Sinne \u00bbbefreiter Gebiete\u00ab, in die die Staatsmacht nicht mehr vordringen kann, ist f\u00fcr eine Stadtguerilla vermutlich h\u00f6chstens in einer b\u00fcrgerkriegsartigen Endphase der Kampagne denkbar. Ihre Macht \u00fcbten die Tupamaros auf eine vielleicht indirektere Form als die der territorialen Kontrolle aus: Ihre Revolutionstheorie geht von der Schaffung von Machtdualit\u00e4t als wichtigen Schritt hin zur \u00dcbernahme der Regierungsgewalt aus. Um dieses Machtgleichgewicht zu erreichen, errichteten die Tupamaros aus dem Untergrund heraus einen Gegenstaat, dessen Formierung Luis Mercier Vega als die \u00bbTechnik\u00ab des Guerillakrieges bezeichnet.<a href=\"#sdfootnote78sym\" name=\"sdfootnote78anc\"><sup>78<\/sup><\/a> Auf dem H\u00f6hepunkt ihres Einflusses teilten sie ihr Operationsgebiet in Zonen auf, die sie mehr oder weniger kontrollierten, und begannen, in den sichersten Patrouillen aufzustellen, die Zonen durch Hinterhalte zu verteidigen, Abgaben einzutreiben und eine revolution\u00e4re Justiz zu installieren.<a href=\"#sdfootnote79sym\" name=\"sdfootnote79anc\"><sup>79<\/sup><\/a> Besonders die ber\u00fchmten Volksgef\u00e4ngnisse, aber auch Untergrundkrankenh\u00e4user, Sprengstofflabore, Ausbildungsst\u00e4tten und Waffendepots sprechen deutlich f\u00fcr sich entwickelnde Strukturen eines Gegenstaates.<a href=\"#sdfootnote80sym\" name=\"sdfootnote80anc\"><sup>80<\/sup><\/a> Diese Strukturen wurden innerhalb des b\u00fcrgerlichen Staates errichtet und bef\u00e4higten das MLN-T in Teilen des Stadtgebietes als eine zweite Staatsmacht aufzutreten. Allemann attestiert den Tupamaros, in ihren gegenstaatlichen Strukturen im Untergrund und durch ihr gro\u00dfes Mitgliedsnetzwerk weit mehr Eigenleben entwickelt zu haben und das \u00f6ffentliche Leben mehr durchdrungen zu haben, als selbst entwickelte <em>foci<\/em> der Landguerilla.<a href=\"#sdfootnote81sym\" name=\"sdfootnote81anc\"><sup>81<\/sup><\/a> Dieser Untergrundstaat der Tupamaros gew\u00e4hrleistete zwar kein zusammenh\u00e4ngendes \u00bbStaatsgebiet\u00ab, konnte durch seine Strukturen aber zumindest zum Teil die Funktionen einer territorialen Basis, wie Schutz, Versorgung und revolution\u00e4re Staatlichkeit, erf\u00fcllen.<\/p>\n<h1 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2604_1083986154\"><\/a> 6 Fazit<\/h1>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Nachdem nun zun\u00e4chst das in Lateinamerika so wirkungsm\u00e4chtige Guerillamodell kubanischer Pr\u00e4gung und anschlie\u00dfend das Konzept des <em>movimiento de liberaci\u00f3n nacional &#8211; Tupamaros<\/em> vorgestellt wurde, beide Guerillamodelle auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede bzw. Weiterentwicklungen untersucht wurden, um abschlie\u00dfend eine typologische Analyse der uruguayischen Stadtguerilla durchzuf\u00fchren, l\u00e4sst sich abschlie\u00dfend Folgendes feststellen:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Die von Che Guevara und R\u00e9gis Debray formulierte Guerilladoktrin, die den bewaffneten Fokus als Keimzelle der Revolution und gleichzeitig als Propagandamotor f\u00fcr die Mobilisierung der Bev\u00f6lkerung definierte, besa\u00df einen immensen Einfluss auf revolution\u00e4re Gruppen in und au\u00dferhalb Lateinamerikas. Die Tupamaros griffen die Kernthesen auf, verlagerten jedoch den Operationsraum und legten tendenziell mehr Gewicht auf den propagandistischen Effekt des k\u00e4mpfenden Fokus. Gerade das politisch stets reflektierte Vorgehen hob die Tupamaros von den vielen von Guevara inspirierten Guerillaorganisationen ab und erm\u00f6glichte ihnen, dem Aufbau einer Gegenmacht und der Erreichung des politischen Zieles n\u00e4her zu kommen als die meisten anderen Bewegungen. Folglich ist zwar die ideologische und makrotheoretische N\u00e4he zum kubanischen Modell unverkennbar, jedoch wei\u00dft das politische und milit\u00e4rische Vorgehen der Tupamaros bedeutende Unterschiede und an die konkrete uruguayische Situation angepasste, eigene Entw\u00fcrfe auf. Die Guerillakonzeption der Tupamaros kann also als eine Weiterentwicklung des kubanischen Guerillamodells angesehen werden, da es die Grund\u00fcberlegungen \u00fcbernimmt, in der konkreten Umsetzung und Anpassung an die Verh\u00e4ltnisse der uruguayischen Gesellschaft entwickelten sie jedoch eine solch spezifische Theorie und Dynamik, dass man den uruguayischen Entwurf nicht nur als reine Verlagerung des guevaristischen Modells vom Land in die Stadt ansehen darf.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Aber ist diese Weiterentwicklung oder besser Neuinterpretation des Guerillamodells nun ein terroristisches Modell? Ist \u00bburbane Guerilla\u00ab nur ein Euphemismus f\u00fcr \u00bburbanen Terror\u00ab wie Walter Laqueur es ausdr\u00fcckt?<a href=\"#sdfootnote82sym\" name=\"sdfootnote82anc\"><sup>82<\/sup><\/a> Das MLN-T wurde nach Waldmanns Schema hinsichtlich der Funktion der Gewalt, der sozialen Unterst\u00fctzung und der territorialen Basis untersucht. Zun\u00e4chst wurde erl\u00e4utert, dass die Gewaltaus\u00fcbung der Tupamaros sowohl milit\u00e4rischen als auch propagandistischen Zwecken dienen soll. Da der propagandistische, auf gewissen massenpsychologischen Annahmen beruhende Einsatz von Gewalt, der auf indirektem Wege zum Ziel f\u00fchren soll, Merkmal des Terrorismus ist, und die Tupamaros insgesamt weniger eine klassische milit\u00e4rische Auseinandersetzung f\u00fchrten als andere Guerillagruppen, l\u00e4ge eine Einordnung als terroristische Gruppe nahe. Jedoch wurde gezeigt, dass die Funktion der Gewalt im kubanischen Guerillamodell ebenso eine kommunikative Seite besitzt und die Tupamaros durchaus auch direkt, d.h. milit\u00e4risch, agierten. Somit ist hier eine Zwischenstufe zu erkennen. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich bei der Frage nach der territorialen Basis, da festgestellt wurde, dass die Schaffung \u00bbbefreiter Zonen\u00ab durch die Stadtguerilla kaum m\u00f6glich ist. Allerdings sprechen die qualitative und quantitative Durchdringung des uruguayischen Staates mit einer Parallelorganisation und die faktische Machtaus\u00fcbung in ihrem Einflussbereich gegen den R\u00fcckschluss, die Tupamaros bes\u00e4\u00dfen \u00fcberhaupt keine territoriale Basis. Deutlich wird die Einordnung hingegen, was die die soziale Unterst\u00fctzung angeht. Die Sympathie in vielen Sektoren der Gesellschaft und der gro\u00dfe Kreis an praktischen Unterst\u00fctzern, sowie der Aufbau von politischen Unterst\u00fctzungsorganen wie den CATs, zeigen klar, dass es sich bei den Tupamaros nicht um eine isolierte Splittergruppe ohne Kontakte zur Bev\u00f6lkerung handelte.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Terrorismus oder neue Guerillaform? Ausgehend von den in dieser Arbeit angestellten Analysen, kann man das <em>movimiento de liberaci\u00f3n nacional &#8211; Tupamaros<\/em> am besten als eine Zwischenform begreifen. Das MLN-T, stark beeinflusst von der avantgardistischen Fokustheorie, entwickelte sich in Abgrenzung zu dieser in st\u00e4dtischer Umgebung und mit Schwerpunkt auf der politischen Funktion des bewaffneten Kampfes \u2013 unter Zuhilfenahme terroristischer Praktiken und Merkmale \u2013 zu einer bedeutenden politischen Gegenmacht mit einer hohen, an eine Volksbewegung erinnernde, Integrationskraft, wie dies wohl nur wenigen bewaffneten Bewegungen Lateinamerikas gelungen ist.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Stadtguerilla als Guerilla in der Stadt \u2013 diesem oft postuliertem Ideal kamen die Tupamaros schon sehr nahe.<\/p>\n<h1 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__2606_1083986154\"><\/a> Quellen- und Literaturverzeichnis<\/h1>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\"><a name=\"__RefHeading__2608_1083986154\"><\/a> I Quellen<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\">Centro de Documentaci\u00f3n de los Movimientos Armados: Lista de Art\u00edculos de Movimiento de Liberaci\u00f3n Nacional &#8211; Tupamaros, abgerufen unter: http:\/\/www.cedema.org\/index.php?ver=verlista&amp;grupo=67&amp;nombrepais=Uruguay&amp;nombregrupo=Movimiento%20de%20Liberaci%F3n%20Nacional%20-%20Tupamaros. (14.08.2014)<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Debray, R\u00e9gis: Revolution in der Revolution? Bewaffneter Kampf und politischer Kampf in Lateinamerika; Trikont Verlag, M\u00fcnchen 1967.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Guevara, Ernesto \u00bbChe\u00ab: Der Guerillakrieg, in: Horst Kurnitzky (Hg.): Rotbuch 9, Ernesto Che Guevara. Guerilla \u2013 Theorie und Methode; Verlag Klaus Wagenbach, Berlin-West 1968.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Guevara, Ernesto \u00bbChe\u00ab: Guerillakrieg: Eine Methode, in: Horst Kurnitzky (Hg.): Rotbuch 9, Ernesto Che Guevara. Guerilla \u2013 Theorie und Methode; Verlag Klaus Wagenbach, Berlin-West 1968.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Guill\u00e9n, Abraham: Estrategia de la guerrilla urbana. Principios b\u00e1sicos de guerra revolucionaria; Ediciones Liberaci\u00f3n, Montevideo 1969.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL) (Hg.): Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL): Movimiento de liberaci\u00f3n nacional (TUPAMAROS) \u2013 documentaci\u00f3n propia, Heverlee-Louvain 1973.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Kurnitzky, Horst (Hg.): Rotbuch 9, Ernesto Che Guevara. Guerilla \u2013 Theorie und Methode; Verlag Klaus Wagenbach, Berlin-West 1968.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Mayans, Ernesto (Hg.): Tupamaros. Antolog\u00eda documental; CIDOC Cuaderno No. 60, Cuernavaca 1971.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">MLN-T: 30 preguntas a un tupamaro, abgerufen unter: http:\/\/www.cedema.org\/ver.php?id=1722 (29.08.2014)<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">MLN-T: documento no. 1, in: Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL) (Hg.): Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL): Movimiento de liberaci\u00f3n nacional (TUPAMAROS) \u2013 documentaci\u00f3n propia, Heverlee-Louvain 1973.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">MLN-T: documento no. 4, in: Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL) (Hg.): Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL): Movimiento de liberaci\u00f3n nacional (TUPAMAROS) \u2013 documentaci\u00f3n propia, Heverlee-Louvain 1973.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">MLN-T: documento no. 5, in: Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL) (Hg.): Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL): Movimiento de liberaci\u00f3n nacional (TUPAMAROS) \u2013 documentaci\u00f3n propia, Heverlee-Louvain 1973.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">MLN-T: Manifiesto de los Tupamaros sobre el Frente Amplio, in: Ernesto Mayans (Hg.): Tupamaros. Antolog\u00eda documental; CIDOC Cuaderno No. 60, Cuernavaca 1971.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">MLN-T: Reglamento, in: Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL) (Hg.): Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL): Movimiento de liberaci\u00f3n nacional (TUPAMAROS) \u2013 documentaci\u00f3n propia, Heverlee-Louvain 1973.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">MLN-T: Plan Tat\u00fa y organisaci\u00f3n del MLN en el interior del pa\u00eds en base a siete columnas, in: Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL) (Hg.): Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL): Movimiento de liberaci\u00f3n nacional (TUPAMAROS) \u2013 documentaci\u00f3n propia, Heverlee-Louvain 1973.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">MLN-T: Wir, die Tupamaros; Verlag Roter Stern, Frankfurt am Main 1974.<\/p>\n<h2 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\"><a name=\"__RefHeading__2610_1083986154\"><\/a> II Literatur<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\">Allemann, Fritz Ren\u00e9: Macht und Ohnmacht der Guerilla; R. Piper &amp; Co. Verlag, M\u00fcnchen 1974.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Hempel, Frank: Zwischen Guerilla und proletarischer Selbstverteidigung; Europ\u00e4ische Hochschulschriften: Reihe 31, Politikwissenschaft, Band 135, Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main 1989.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Labrousse, Alain: Die Tupamaros. Stadtguerilla in Uruguay; Carl Hanser Verlag, M\u00fcnchen 1971.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Lamberg, Robert F.: Die castristische Guerilla in Lateinamerika. Theorie und Praxis eines revolution\u00e4ren Modells; Verlag f\u00fcr Literatur und Zeitgeschehen, Hannover 1971.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Laqueur, Walter: Guerilla. A Historical and Critical Study; Little, Brown and Company, Boston-Toronto 1976.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Mercader, Antonio \/ Vera, Jorge de: Los Tupamaros. Estrategia y acci\u00f3n \u2013 Informe; Editorial Omega, M\u00e9xico D.F. 1971.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Mercier Vega, Luis: Las guerrillas de Am\u00e9rica Latina. La t\u00e9cnica del contra-estado; ed. Paidos, Buenos Aires 1969.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Porzecanski, Arturo C.: Uruguay\u2019s Tupamaros. The Urban Guerilla; Praeger Publishers, New York 1973.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">R\u00fcbenach, Stephanie: Die brasilianische Stadtguerilla. Aktionskonglomerat auf widerspr\u00fcchlicher Grundlage, in: Alexander Stra\u00dfner (Hg.): Sozialrevolution\u00e4rer Terrorismus. Theorie, Ideologie, Fallbeispiele, Zukunftsszenarien; Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">R\u00fcbenach, Stefanie: Die Theorie der Revolutionsherde. Befreiung der Dritten Welt oder Wegbereiter des Terrorismus?, in: Alexander Stra\u00dfner (Hg.): Sozialrevolution\u00e4rer Terrorismus. Theorie, Ideologie, Fallbeispiele, Zukunftsszenarien; Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Stra\u00dfner, Alexander (Hg.): Sozialrevolution\u00e4rer Terrorismus. Theorie, Ideologie, Fallbeispiele, Zukunftsszenarien; Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Waldmann, Peter: Terrorismus. Provokation der Macht; Murmann Verlag GmbH, Hamburg 2011.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Waldmann, Peter: Terrorismus und Guerilla \u2013 Ein Vergleich antistaatlicher Gewalt in Europa und Lateinamerika, in: Uwe Backes, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus &amp; Demokratie (E&amp;D), 5. Jahrgang 1993; Bouvier Verlag, Bonn 1993.<\/p>\n<h1 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a name=\"__RefHeading__8231_384030575\"><\/a> Fu\u00dfnoten<\/h1>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>\u0002 Eigentlich ein Pleonasmus, denn guerrilla ist der Deminutiv des spanischen Wortes f\u00fcr Krieg guerra. Bei der \u00dcbertragung ins Deutsche hat sich die Schreibweise \u00bbGuerilla\u00ab mit nur einem \u00bbr\u00ab eingeb\u00fcrgert, welcher in dieser Arbeit gefolgt werden soll. \u00bbGuerilla\u00ab, der \u00bbkleine Krieg\u00ab bezeichnet einerseits die spezifische milit\u00e4rische Strategie, anderseits steht er als Gruppenbezeichnung f\u00fcr eine k\u00e4mpfende Einheit von guerilleros.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>\u0002 Vgl. Fritz Ren\u00e9 Allemann: Macht und Ohnmacht der Guerilla; R. Piper &amp; Co. Verlag, M\u00fcnchen 1974, S. 311, 348.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a>\u0002 Vgl. z.B. Peter Waldmann: Terrorismus. Provokation der Macht; Murmann Verlag GmbH, Hamburg 2011, Anhang 2: Wichtige terroristische Gruppierungen (1960 &#8211; 2010), S. 312 &#8211; 317.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a>\u0002 Robert F. Lamberg: Die castristische Guerilla in Lateinamerika. Theorie und Praxis eines revolution\u00e4ren Modells; Verlag f\u00fcr Literatur und Zeitgeschehen, Hannover 1971.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a>\u0002<span lang=\"en-US\"> Walter Laqueur: Guerilla. A Historical and Critical Study; Little, Brown and Company, Boston-Toronto 1976.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Arturo C. Porzecanski: Uruguay\u2019s Tupamaros. <\/span><span lang=\"en-US\">The Urban Guerilla; Praeger Publishers, New York 1973.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a>\u0002 Alain Labrousse: Die Tupamaros. Stadtguerilla in Uruguay; Carl Hanser Verlag, M\u00fcnchen 1971.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a>\u0002 Alexander Stra\u00dfner (Hg.): Sozialrevolution\u00e4rer Terrorismus. Theorie, Ideologie, Fallbeispiele, Zukunftsszenarien; Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p><a href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a>\u0002 Vgl. Nina Huth\u00f6fer: Erfolgreicher Terrorismus? Die Tupamaros in Uruguay, in: Stra\u00dfner (Hg.): Sozialrevolution\u00e4rer Terrorismus, S. 345 &#8211; 362.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p><a href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a>\u0002 Vgl. hierzu: Frank Hempel: Zwischen Guerilla und proletarischer Selbstverteidigung; Europ\u00e4ische Hochschulschriften: Reihe 31, Politikwissenschaft, Band 135; Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main 1989, S. 162 f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p><a href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a>\u0002 Vgl. Peter Waldmann: Terrorismus und Guerilla \u2013 Ein Vergleich antistaatlicher Gewalt in Europa und Lateinamerika, in: Uwe Backes, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus &amp; Demokratie (E&amp;D), 5. Jahrgang 1993; Bouvier Verlag, Bonn 1993, S. 69 &#8211; 103.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p><a href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a>\u0002 Vgl. ebenda, S. 71.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p><a href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a>\u0002 Alle Texte von Ernesto Che Guevara in deutscher \u00dcbersetzung in Horst Kurnitzky (Hg.): Rotbuch 9, Ernesto Che Guevara. Guerilla \u2013 Theorie und Methode; Verlag Klaus Wagenbach, Berlin-West 1968.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p><a href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a>\u0002 R\u00e9gis Debray: Revolution in der Revolution? Bewaffneter Kampf und politischer Kampf in Lateinamerika; Trikont Verlag, M\u00fcnchen 1967.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p><a href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a>\u0002 Vgl. Allemann: Macht, S. 350.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p><a href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a>\u0002 MLN-T: Wir, die Tupamaros; Verlag Roter Stern, Frankfurt am Main 1974.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p><a href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Ernesto Mayans (Hg.): Tupamaros. Antolog\u00eda documental; CIDOC Cuaderno No. 60, Cuernavaca 1971.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p><a href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Information Documentaire d\u2019Am\u00e9rique Latine (INDAL) (Hg.): Movimiento de liberaci\u00f3n nacional (TUPAMAROS) &#8211; documentaci\u00f3n propia, Heverlee-Louvain 1973.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p><a href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Centro de Documentaci\u00f3n de los Movimientos Armados: Lista de Art\u00edculos de Movimiento de Liberaci\u00f3n Nacional &#8211; Tupamaros, abzurufen unter: http:\/\/www.cedema.org\/index.php?ver=verlista&amp;grupo=67&amp;nombrepais=Uruguay&amp;nombregrupo=Movimiento%20de%20Liberaci%F3n%20Nacional%20-%20Tupamaros (14.08.2014)<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p><a href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> MLN-T: documento no. 1, in: INDAL: documentaci\u00f3n, S. 35 &#8211; 44, documento no. 5, in: INDAL. documentaci\u00f3n, S. 73 &#8211; 85.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p><a href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Abraham Guill\u00e9n: Estrategia de la guerrilla urbana. Principios b\u00e1sicos de guerra revolucionaria; Ediciones Liberaci\u00f3n, Montevideo 1969.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p><a href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a>\u0002 Ernesto Che Guevara: Der Guerillakrieg, in: Kurnitzky (Hg.): Rotbuch 9, S. 23.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p><a href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a>\u0002 Zum Folgenden vgl. ebenda.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p><a href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a>\u0002 Vgl. Guevara: Guerillakrieg, S. 103.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p><a href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a>\u0002 Zum Folgenden vgl. Debray: Revolution, S. 111 f, 124.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p><a href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a>\u0002<span lang=\"en-US\"> Vgl. Debray: Revolution, S. 124, 128 f.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p><a href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a>\u0002<span lang=\"en-US\"> Zum Folgenden vgl. Guevara: Guerillakrieg, S. 23 &#8211; 26, sowie Ernesto Che Guevara: Guerillakrieg: Eine Methode, in: Kurnitzky (Hg.): Rotbuch 9, S. 125 f.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p><a href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. Debray: Revolution, S. 55.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p><a href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Guevara: Guerillakrieg, S. 124.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p><a href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a>\u0002 Vgl. hierzu: Stefanie R\u00fcbenach: Die Theorie der Revolutionsherde. Befreiung der Dritten Welt oder Wegbereiter des Terrorismus? , in: Stra\u00dfner (Hg.): Sozialrevolution\u00e4rer Terrorismus, S. 98 &#8211; 101.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p><a href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a>\u0002 Zum Folgenden vgl. Guevara: Guerillakrieg, S. 31 &#8211; 33, 79 &#8211; 81, sowie Guevara: Methode, S. <span lang=\"es-ES\">134, 137 &#8211; 140.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p><a href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Guevara: Guerillakrieg, S.18.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p><a href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. ebenda, S. 51.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p><a href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. ebenda, S. 49 f, sowie Guevara: Methode, S. 139.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p><a href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. Guevara: Guerillakrieg, S. 36 f, 89.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p><a href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. Labrousse: Tupamaros, S. 38 f.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p><a href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MNL-T: documento no 1, III. Factores o hechos reales basicos que condicionan la estrategia nacional, Abschnitt 15, 16, in: INDAL: documentaci\u00f3n, S. 37. <\/span>Bei den Texten der Tupamaros werden neben der Seitenzahl des dokumentierenden Werkes auch die entsprechenden Unter\u00fcberschriften oder Abschnittsnummern des Originals angegeben. Dies dient der besseren Nachvollziehbarkeit der Zitate in teils sehr un\u00fcbersichtlichen Dokumenten.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p><a href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a>\u0002 Vgl. MLN-T: 30 preguntas a un tupamaro (Antwort 18), abrufbar unter: http:\/\/www.cedema.org\/ver.php?id=1722 (29.08.2014) Es handelt sich bei den ber\u00fchmten \u00bb30 Fragen an einen Tupamaro\u00ab um ein Interview, das am 2. Juni 1968 in der chilenischen Zeitung \u00bbpunto final\u00ab ver\u00f6ffentlicht wurde und die Funktion einer Charta der Tupamaros annahm.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p><a href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\">Zum Folgenden vgl.: MLN-T: documento no. 1, V. La Lucha Urbana (1,2,4,5) S. 39 f.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p><a href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. Antonio Mercader\/Jorge de Vera: Los Tupamaros. Estrategia y acci\u00f3n \u2013 Informe; Editorial Omega, M\u00e9xico D.F. 1971, S. 10 &#8211; 12.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p><a href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a>\u0002 Zum Folgenden vgl.: MLN-T: documento no. 1, V. La Lucha Urbana (6, 8 &#8211; 11, 13, 14) S. 40, sowie MLN-T: Wir, die Tupamaros; Verlag Roter Stern, Frankfurt am Main 1974, S.6.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p><a href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a>\u0002 Zum Zellensystem der Tupamaros vgl. MLN-T: Reglamento, in: INDAL: documentaci\u00f3n, S. 67 &#8211; 70.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p><a href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. Guill\u00e9n: Estrategia, S. 17, 23.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p><a href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: documento no. 5, Analises des los sectores fundamentales (4), in: INDAL: documentaci\u00f3n, S. 78.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\">\n<p><a href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: 30 preguntas (21), sowie documento no. 1, I. Continentalidad (9, 10), S. 36.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\">\n<p><a href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: documento no. 1, VI. <\/span>La lucha rural (1, 3, 5), S. 40.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\">\n<p><a href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a>\u0002 Die Gesellschaftsanalyse der Tupamaros fasst der uruguayische Wissenschaftler Arturo Porzecanski treffend zusammen, siehe: Porzecanski: Uruguay\u2019s Tupamaros, S. 3 &#8211; 6.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\">\n<p><a href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: documento no. 1, IV. <\/span>Conclusiones generales (1 &#8211; 5), S. 38.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\">\n<p><a href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a>\u0002 MLN-T: 30 preguntas (1), \u00dcbersetzung durch den Verfasser.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\">\n<p><a href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: documento no. 1, IV. Conclusiones generales (7, 9), S. 38.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\">\n<p><a href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: documento no. 1, VIII. La organizaci\u00f3n revolucionaria (2, 5), S. 42.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\">\n<p><a href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: 30 preguntas (13).<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\">\n<p><a href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a>\u0002 Zum Folgenden vgl. MLN-T: documento no. 1, IV. <span lang=\"es-ES\">Conclusiones generales (20), S. 39, sowie documento no. 5, Tesis militar (10 &#8211; 12, 16, 21, 23), 83 f.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\">\n<p><a href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a>\u0002 Vgl. MLN-T: Wir, die Tupamaros, S. 11, sowie Allemann: Macht, S. 334 f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\">\n<p><a href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Zum Folgenden vgl. MLN-T: documento no. 5, Tesis Militar (14), S. 82 f.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\">\n<p><a href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. Porzecanksi: Uruguay\u2019s Tupamaros, S. 12.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\">\n<p><a href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: documento no. 4, La carta de las masas (2) in: INDAL: documentaci\u00f3n, S. 57 f.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\">\n<p><a href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Guevara: Guerillakrieg, S. 23.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote59\">\n<p><a href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> MLN-T: documento no. 1, IV. <\/span>Conclusiones generales (1 &#8211; 3), S. 38. \u00dcbersetzung durch den Verfasser.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote60\">\n<p><a href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. ebenda, IV. Conclusiones generales (18), S. 39.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote61\">\n<p><a href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Zum Folgenden vgl. MLN-T: 30 preguntas (4, 13, 15), sowie documento no. 1. , VII. Las tareas en el frente de las masas (11 &#8211; 13), S. 41 f. <\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote62\">\n<p><a href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a>\u0002 Exemplarisch hierf\u00fcr steht z.B. die Haltung des MLN-T zum linken Wahlb\u00fcndnis \u00bbFrente Amplio\u00ab, welches auf Grund ihrer Ausrichtung auf den Parlamentarismus zwar kritisiert wird, als wichtiges Projekt f\u00fcr die Einheit der Arbeiterklasse jedoch sogar \u00f6ffentlich unterst\u00fctzt wird, vgl. MLN-T: Manifiesto de los Tupamaros sobre el Frente Amplio, in: Mayans (Hg.): Antolog\u00eda, S. 5\/25 &#8211; 5\/27.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote63\">\n<p><a href=\"#sdfootnote63anc\" name=\"sdfootnote63sym\">63<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Labrousse: Tupamaros, S. 169.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote64\">\n<p><a href=\"#sdfootnote64anc\" name=\"sdfootnote64sym\">64<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. Guevara: Guerillakrieg, S. 50 f.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote65\">\n<p><a href=\"#sdfootnote65anc\" name=\"sdfootnote65sym\">65<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: documento no. 1, VI. La lucha rural (1, 3, 5), S. 40, sowie den <\/span><span lang=\"es-ES\">\u00bb<\/span><span lang=\"es-ES\">Plan Tat\u00fa<\/span><span lang=\"es-ES\">\u00ab<\/span><span lang=\"es-ES\">, in welchem das MLN-T die Schaffung von Landkolonnen ank\u00fcndigte: MLN-T: Plan Tat\u00fa y organisaci\u00f3n del MLN en el interior del pa\u00eds en base a siete columnas, in: INDAL: documentaci\u00f3n, S. 143 &#8211; 146.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote66\">\n<p><a href=\"#sdfootnote66anc\" name=\"sdfootnote66sym\">66<\/a>\u0002 Zur brasilianischen Stadtguerilla vgl. z.B. Allemann: Macht, S. 296 f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote67\">\n<p><a href=\"#sdfootnote67anc\" name=\"sdfootnote67sym\">67<\/a>\u0002 Vgl. Waldmann: Terrorismus und Guerilla, S. 70 f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote68\">\n<p><a href=\"#sdfootnote68anc\" name=\"sdfootnote68sym\">68<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: documento no. 1, suplemento: conclusiones (1), in: INDAL: documentaci\u00f3n, S. 44.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote69\">\n<p><a href=\"#sdfootnote69anc\" name=\"sdfootnote69sym\">69<\/a>\u0002 R\u00fcbenach: Revolutionsherde, S. 111.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote70\">\n<p><a href=\"#sdfootnote70anc\" name=\"sdfootnote70sym\">70<\/a>\u0002 Vgl. Waldmann: Terrorismus und Guerilla, S. 73 f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote71\">\n<p><a href=\"#sdfootnote71anc\" name=\"sdfootnote71sym\">71<\/a>\u0002 Vgl. MLN-T: Reglamento, 5. Celulas perifericas, in: INDAL: documentaci\u00f3n, S. 68, sowie Huth\u00f6fer: Terrorismus?, in: Stra\u00dfner (Hg.): Sozialrevolution\u00e4rer Terrorismus, S. 350 &#8211; 352.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote72\">\n<p><a href=\"#sdfootnote72anc\" name=\"sdfootnote72sym\">72<\/a>\u0002 Vgl. z.B. Allemann: Macht, S. 351. oder Labrousse: Tupamaros, S. 166<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote73\">\n<p><a href=\"#sdfootnote73anc\" name=\"sdfootnote73sym\">73<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. Labrousse: Tupamaros, S. 172.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote74\">\n<p><a href=\"#sdfootnote74anc\" name=\"sdfootnote74sym\">74<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> MLN-T: documento no. 5, Analisis de los sectores fundamentales, S. 77 &#8211; 79.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote75\">\n<p><a href=\"#sdfootnote75anc\" name=\"sdfootnote75sym\">75<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> MLN-T: 30 preguntas (9 &#8211; 11).<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote76\">\n<p><a href=\"#sdfootnote76anc\" name=\"sdfootnote76sym\">76<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> MLN-T: documento no. 5, Tesis pol\u00edtica (14 &#8211; 18), S. 76.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote77\">\n<p><a href=\"#sdfootnote77anc\" name=\"sdfootnote77sym\">77<\/a>\u0002 Waldmann: Terrorismus und Guerilla, S. 74 f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote78\">\n<p><a href=\"#sdfootnote78anc\" name=\"sdfootnote78sym\">78<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. Luis Mercier Vega: Las guerrillas de Am\u00e9rica Latina. La t\u00e9cnica del contra-estado; ed. Paidos, Buenos Aires 1969, S. 14.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote79\">\n<p><a href=\"#sdfootnote79anc\" name=\"sdfootnote79sym\">79<\/a>\u0002<span lang=\"es-ES\"> Vgl. MLN-T: documento no. 5, Tesis militar (21, 23), S. 84.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote80\">\n<p><a href=\"#sdfootnote80anc\" name=\"sdfootnote80sym\">80<\/a>\u0002 Vgl. MLN-T: Wir, die Tupamaros, S. 11, sowie Laqueur: Guerilla, S. 352.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote81\">\n<p><a href=\"#sdfootnote81anc\" name=\"sdfootnote81sym\">81<\/a>\u0002 Vgl. Allemann: Macht, S. 349.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote82\">\n<p><a href=\"#sdfootnote82anc\" name=\"sdfootnote82sym\">82<\/a>\u0002 Zitiert bei Stephanie R\u00fcbenach: Die brasilianische Stadtguerilla. Aktionskonglomerat auf widerspr\u00fcchlicher Grundlage, in: Stra\u00dfner (Hg.): Sozialrevolution\u00e4rer Terrorismus, S. 410.<\/p>\n<p><strong>Download:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/tintenwolf.mrkeks.net\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Das_Konzept_der_Stadtguerilla_in_Uruguay.pdf\" target=\"_blank\">Bennewitz, Fabian: Das Konzept der Stadtguerilla in Uruguay. Weiterentwicklung des kubanischen Guerillamodells oder neuer urbaner Terrorismus?; Berlin 2014.<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/tintenwolf.mrkeks.net\/es\/satex\/\">vuelta<\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\"><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/de\/\" target=\"_blank\">Creative Commons CC BY-NC-ND<\/a> by Fabian Bennewitz<\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4096 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-es_ES sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4096')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4096').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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