{"id":3801,"date":"2014-11-14T13:46:41","date_gmt":"2014-11-14T11:46:41","guid":{"rendered":"http:\/\/tintenwolf.mrkeks.net\/?page_id=3801"},"modified":"2015-01-17T13:45:25","modified_gmt":"2015-01-17T11:45:25","slug":"interview-wundabunta-straszenpunk","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tintenwolf.mrkeks.net\/en\/satex\/2014-11-15-wir-stoeren-gern-seminararbeit-straszenmusik\/interview-wundabunta-straszenpunk\/","title":{"rendered":"Anhang II \u2013 Interview mit dem Wundabunten Straszenpunk"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Frage 01: Du kommst noch recht jung r\u00fcber, magst du mir deinen Jahrgang verraten?<\/strong><\/em><br \/>\nJahrgang 1996 .<\/p>\n<p><em><strong>Frage 02: Welche Rolle nimmt Stra\u00dfenmusik f\u00fcr dich ein?<\/strong><\/em><br \/>\nImmer noch eine sehr gro\u00dfe, obwohl ich in letzter Zeit kaum dazu komme. Bis vor einem Jahr bin ich noch mit meiner Gitarre durch die Gegend gereist und habe hier und dort gespielt.<\/p>\n<p><em><strong>Frage 03: Wie bist du zur Stra\u00dfenmusik gekommen?<\/strong><\/em><br \/>\nDamals kurz bevor ich in die RAK reingekommen bin, da habe ich ein paar Leute kennen gelernt, die das gemacht haben. \u00dcber Freunde. Da hatte ich eigentlich voll Bock drauf und im Prinzip bin ich dann mit denen los in andere St\u00e4dte und habe das ausprobiert. Das hat viel Spa\u00df gemacht und war ziemlich abwechslungsreich. Immer was Neues, was man erlebt hat, viele Leute getroffen.<\/p>\n<p><em><strong>Frage 04: Was ist f\u00fcr dich der wichtigste Aspekt der Stra\u00dfenmusik?<\/strong><\/em><br \/>\nIch denke halt Leute vielleicht irgendwie mal dazu bringen stehenzubleiben, einem zuzuh\u00f6ren und sie vielleicht f\u00fcr den kurzen Moment \u00fcber bestimmte Sachen nachdenken zu lassen. Das sie in dem Moment auch einfach aus ihrem Alltag rausgerissen werden, aus ihrem Trott, indem sie stehen bleiben und vielleicht auch einfach mal tr\u00e4umen k\u00f6nnen, f\u00fcr &#8216;ne kurze Zeit entfliehen k\u00f6nnen. Zum Andern war&#8217;s f\u00fcr mich damals, als ich das noch &#8216;nen bisschen h\u00e4ufiger gemacht habe ein ziemlich essentieller Aspekt weil ich dadurch in einigen St\u00e4dten auch relativ viel Geld gemacht habe und man dadurch ganz gut \u00fcberleben konnte. Ja ich glaube das sind diese zwei Punkte, die da f\u00fcr mich &#8216;ne gro\u00dfe Rolle spielen.<\/p>\n<p><em><strong>Frage 05: Ich habe in meinen Recherchen bisher drei politische Aspekte an Stra\u00dfenmusik ausgemacht, mit denen ich mich besch\u00e4ftige: Stra\u00dfenmusik als Mittel, politische Inhalte weiterzutragen; ihre F\u00e4higkeit zur Identit\u00e4tsstiftung innerhalb politischer (Sub-)Kulturen und die politische Bedeutung, die Stra\u00dfenmusik selbst dann inne hat, wenn der von ihr transportierte Inhalt an sich gar nicht prim\u00e4r politischer Natur ist. So stellt Stra\u00dfenmusik immer auch eine Aneignung von \u00f6ffentlichen R\u00e4umen und eine Belegung dieser mit einer neuen Funktion dar. W\u00fcrdest du diese Beobachtungen teilen oder setzt du da f\u00fcr dich (noch) andere Priorit\u00e4ten?<\/strong><\/em><br \/>\nSpontan zum Letzten habe ich ganz oft erlebt, dass emp\u00f6rte Gesch\u00e4ftsbetreiber aus ihren L\u00e4den kamen und einem gesagt haben, das ginge ja gar nicht, schon seit Stunden wird hier beschallt von Musik und da drinnen in dem Gesch\u00e4ft da hallt das so sehr. Das waren nat\u00fcrlich nicht irgendwelche L\u00e4den, das waren nat\u00fcrlich die gro\u00dfen Luxusl\u00e4den irgendwie in der ganzen Einkaufszone. Und da habe ich gesagt \u00bbna da musste jetzt einfach mit Leben.\u00ab \u00bbJa dann rufen wir jetzt die Polizei.\u00ab und so. Naja, bin halt oft vertrieben worden. Und bin dann einfach wenn ich keine Lust drauf hatte 500 Meter weiter gegangen, dass man da keine Probleme bei bekommt.<\/p>\n<p>Und die anderen Aspekte: also innerhalb der Szene kommt das nat\u00fcrlich super gut an, wenn man halt Musik schreibt und Lieder macht, und sehr zum denken anregende Texte produziert. Finden sie schon gut, die besuchen dann auch gerne die Konzerte und geben eigentlich auch immer &#8216;nen positives Feedback. Nur f\u00fcr das politische Nachdenken oder Menschen zu &#8216;nem Handeln zu bewegen reicht es dann nicht, meistens. Ich finde, dass das Zitat aus &#8216;nem Lied von Alex von den Zaung\u00e4sten ganz gut passt: \u00bbvon &#8216;nem netten Konzert, da hat sich noch nie was getan.\u00ab Ich denke, das stimmt auch. Also ich glaube ein Konzert kann einem ganz viel Kraft geben, kann einen tr\u00e4umen lassen, aber mehr auch nicht. Ich denke, so wirklich krass zum Nachdenken kommt man da nicht bei.<\/p>\n<p><em><strong>Frage 06: Wenn es schon in die Szenen rein schwer ist, wie ist es dann nach au\u00dfen? Gibt es da Feedback von den Menschen?<\/strong><\/em><br \/>\nNach au\u00dfen auf der Stra\u00dfe gibt\u2019s Feedback von Menschen, von wenigen Menschen, also von den wenigen, die sich die Zeit nehmen und vielleicht auch nochmal zwei Lieder stehen bleiben. Die geben einem auch meist positives Feedback. Aber klar, sie sind ja auch stehen geblieben, sie fanden halt die Musik in dem Moment sch\u00f6n. Zum anderen hat man aber auch manchmal Diskussionen auf der Stra\u00dfe mit Menschen so \u00fcber Dinge und das finde ich dann halt auch gut. Also die Gitarre dann auch weglegen zu k\u00f6nnen und durch diese Musik die man gemacht hat, mit Menschen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Ja, weil dadurch bringt man ja auch Gedanken letztendlich in die Gedanken der K\u00f6pfe von Leuten. Durch die Diskussionen die man da hat, ich denke, dass die Leute, wenn sie solche Diskussionen f\u00fchren auf der Stra\u00dfe, sicherlich auch die Diskussion weiter tragen.<\/p>\n<p><em><strong>Frage 07: Schon Erfahrungen mit Repressionsorganen gemacht?<\/strong><\/em><br \/>\nIch hatte vorhin schon mal gesagt, dass man manchmal von der Obrigkeit halt weggeschickt wird, das ging bei mir bis jetzt noch nie dahin, dass ich irgendwie festgenommen worden w\u00e4re und mich h\u00e4tte in den Streifenwagen zerren lassen m\u00fcssen. Also das ging bis jetzt immer von der Androhung eines Ordnungsgeldes bis hin zum Ordnungsgeld, das ich habe zahlen m\u00fcssen. Oder ich hatte es zum Beispiel auch schon mal in Freiburg, dass ich 22:00 Uhr auf der Stra\u00dfe sa\u00df, in &#8216;ner kleinen Runde auf&#8217;m Platz halt leise spielte und dann hielt direkt eine Wanne an und dann stiegen da sechs Bullen aus. Der eine kam direkt voll aggressiv auf uns zu und meinte, es ist 22:00 Uhr, hier wird keine Musik mehr gemacht und da gab&#8217;s auch gar keine Diskussion. Und entweder ich h\u00e4tte ihm jetzt meinen Ausweis gegeben oder er h\u00e4tte mich gleich mitgenommen auf die Wache und die Gitarre beschlagnahmt, was er sowieso gemacht h\u00e4tte, wenn ich noch einmal angefangen h\u00e4tte zu spielen. Das fand ich schon ziemlich krass. Die sind da &#8216;nen bisschen heftiger, ich denke, dass w\u00e4re hier gar kein Problem in Berlin oder sonst woanders. Um 22:00 Uhr Gitarre zu spielen, da w\u00fcrde sich niemand dran st\u00f6ren.<\/p>\n<p><em><strong>Frage 08: Es ist ja auch so, dass in jeder kleinen Gemeinde eine eigene Satzung f\u00fcr die Sondernutzung der Stra\u00dfen herrscht.<\/strong><\/em><br \/>\nJa, dass ist nat\u00fcrlich auch immer so&#8217;n ziemlich gro\u00dfer Faktor dabei. Wenn ich mir zum Beispiel anschaue, dass ich in einigen St\u00e4dten eineinhalb Stunden an einem Punkt stehen bleiben darf und in einer anderen nur &#8216;ne halbe Stunde, danach muss ich mich irgendwie 500 Meter von meinem vorigen Standpunkt weg bewegen, damit ich weiterspielen darf, dann ist das schon &#8216;ne ziemlich gro\u00dfe Einschr\u00e4nkung. Weil, was ist &#8216;ne halbe Stunde? Eine halbe Stunde ist gar nichts. In &#8216;ner halben Stunde f\u00e4ngst du erst an aufzubauen und zu spielen und erst nach &#8216;ner halben Stunde da hast du meistens irgendwie &#8216;ne kleine Traube an Menschen, die vielleicht mal stehen bleiben und dann sollst du abhauen und weiterziehen. Das macht \u00fcberhaupt keinen Sinn \u2013 also f\u00fcr&#8217;s Stra\u00dfenmusik machen.<\/p>\n<p><em><strong>Frage 09: In vielen Gemeinden muss mensch eine Sondernutzungsgenehmigung beantragen um Stra\u00dfenmusik machen zu d\u00fcrfen. Da ist Stra\u00dfenmusik dann anmelde- und geb\u00fchrenpflichtig. Hast du damit schon Erfahrung gemacht?<\/strong><\/em><br \/>\nIch habe bisher noch nie meine Stra\u00dfenmusik irgendwo angemeldet und in allen St\u00e4dten wo ich war hat auch noch nie jemand was verlangt. Ich bezweifle, dass das \u00fcberhaupt irgendjemand anmeldet. Keine Ahnung. Ich f\u00e4nde es sehr komisch. Ich kann&#8217;s mir in Berlin vielleicht noch vorstellen, wenn sich Leute an die Warschauer Stra\u00dfe stellen oder an den Alexanderplatz.<\/p>\n<p><em><strong>Frage 10: Neben repressiven Ma\u00dfnahmen, welche Stra\u00dfenmusiker*innen immer wieder treffen, gibt es auch Versuche, sie im Rahmen einer kulturalisierten \u00d6konomie zu vereinnahmen und zu verwerten (z.B. als kulturelle Werbemittel f\u00fcr \u00d6ko-M\u00e4rkte oder um die kulturelle Attraktivit\u00e4t von Stadtvierteln zu steigern). Wie sch\u00e4tzt du solche Entwicklungen ein?<\/strong><\/em><br \/>\nIch finde das tats\u00e4chlich ziemlich problematisch, weil es nat\u00fcrlich ziemlich viele Stra\u00dfenk\u00fcnstler gibt \/ Stra\u00dfenk\u00fcnstlerinnen gibt, die quasi &#8216;ne Kunst machen auf der Stra\u00dfe, die halt keine Rebellion zeigt, die keinen politischen Inhalt hat und die halt einfach nur zum Konsumieren da ist. Was ich aber in einer Einkaufszone ziemlich sinnfrei finde, da man in der Einkaufszone sowieso da ist um zu konsumieren. Warum soll ich dann noch Musik machen, die auch zum konsumieren gedacht ist? Da habe ich gar keinen Bock drauf, die Leute so zu berieseln mit irgendwelchen englischen Texten, die sie auch gar nicht zu verstehen brauchen. Ich denke der Trick ist dabei einfach aus der Norm zu fallen bei den ganzen Stra\u00dfenmusikern und Punkte anzusprechen, die die Leute nicht gerne h\u00f6ren. Und ihnen vielleicht auch in dem Moment, wo sie kurz davor sind in das Luxusgesch\u00e4ft gegen\u00fcber reinzugehen, wo mich die Verk\u00e4uferin schon vorher vertreiben wollte, ihnen kurz davor noch ein schlechtes Gewissen zu machen, dort rein zugehen.<\/p>\n<p><em><strong>Frage 11: Ist Stra\u00dfenmusik f\u00fcr dich ein Mittel der politischen Kommunikation?<\/strong><\/em><br \/>\nJa.<\/p>\n<p><em>mehr zum Wundabunten Straszenpunk findet sich unter <a href=\"http:\/\/wundabunt.weebly.com\/\" target=\"_blank\">http:\/\/wundabunt.weebly.com\/<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tintenwolf.mrkeks.net\/en\/satex\/2014-11-15-wir-stoeren-gern-seminararbeit-straszenmusik\/\">back<\/a><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3801 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-en_GB sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3801')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3801').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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